Peter Gagelmann (l.) leitete 2012 das Pokalfinale zwischen Bayern und dem BVB © getty

München gewinnt in Frankfurt, doch nicht nur Eintracht-Coach Veh fühlt sich benachteiligt. Guardiola sieht Fortschritte.

Von Mathias Frohnapfel

München/Frankfurt - Von Fußballspektakel hat Manuel Neuer erstmal genug.

Man mag es dem DFB-Keeper nach dem 3:3 gegen Paraguay daher nachsehen, dass er das 1:0 des FC Bayern bei Eintracht Frankfurt (Bericht) so pragmatisch wie möglich einordnete.

"Wir wollten nicht schön spielen und Fußball zelebrieren, sondern den zweiten Bundesliga-Saisonsieg einfahren", erklärte Neuer.

Dass die Münchner zum Schluss noch zittern mussten, ließ ihn folglich kalt. "Wir haben die Punkte auf dem Konto", kommentierte er. "Egal wie." Widerspruch zwecklos.

Wenigstens in diesem Fall. Ansonsten gab es im Anschluss der Partie so manches zu diskutieren. Im Fokus: Schiedsrichter Peter Gagelmann. Zumindest für die Frankfurter.

Veh wütet

Während FCB-Coach Pep Guardiola darüber hinwegging, dass der Referee der Eintracht ein reguläres Tor und einen möglicher Elfmeter verweigerte, wütete sein Eintracht-Kollege umso mehr (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir haben in der ersten Halbzeit einen regulären Treffer erzielt, den der Schiedsrichter einfach geben muss", schimpfte Armin Veh bei "sky" und fügte an:

"Außerdem war es ein klarer Elfmeter. Wenn du benachteiligt wirst, holst du keinen Punkt."

An beiden Szenen beteiligt war Alex Meier. In der 42. Minute drückte der Eintracht-Angreifer den Ball nach einer Ecke ins Tor, nachdem Johannes Flum das Spielgerät weitergeleitet hatte. Gagelmann gab den Treffer wegen Abseits nicht.

"Aus meiner Sicht gab es keinen Anlass, die Fahne zu heben", polterte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

Allerdings hatte Meier den Ball noch mit der Hand berührt, was er aber vehement abstritt.

Strafstoß für Foul an Meier?

Der Frankfurter war aber auch wegen einer Aktion aus der 90. Minute ziemlich erregt. Ein langer Ball landete beim Stürmer, der Jerome Boateng und Dante davonzog. Boateng schubste Meier, ein Strafstoß wäre vertretbar gewesen.

"Ich bin im vollen Lauf, bekomme einen Schubser, da kannst du nicht mehr stehenbleiben", berichtete Meier. Gagelmann ahndete das nicht.

Umgekehrt wurde allerdings auch ein Tor von Arjen Robben abgepfiffen, bei dem der Niederländer sich allenfalls hauchdünn in irregulärer Position befand.

Guardiola sieht Fortschritte

Die Frankfurter bleiben so Tabellenletzter, während die Münchner mit zwei Siegen ideal gestartet sind.

Dabei gefiel der Champions-League-Sieger nur in der ersten Hälfte, dann ließ das Team deutlich nach. Guardiola zeigte sich dennoch "zu 100 Prozent zufrieden" - obwohl er das Geschehen doch reichlich verschwitzt und mit hochgekrempelten Ärmeln analysierte.

"Im Vergleich zur letzten Woche haben wir das Spiel viel besser kontrolliert. Gegen Gladbach haben wir noch zu viele Konter zugelassen, das war jetzt besser", meinte der Spanier.

Die Konteranfälligkeit beim Bundesliga-Auftakt hatte den Katalanen ziemlich in Rage gebracht.

Bayern stärken Defensive

Guardiola hatte die ganze Mannschaft neu eingeschworen, bei Ballverlust holten sich die Bayern in der ersten Hälfte das Spielgerät in Rekordtempo zurück.

Und Bastian Schweinsteiger nahm zeitweise als Sechser seine Rolle derart defensiv wahr, dass er fast als eine Art moderner Libero agierte.

"Er war sehr gut. Ich bin zufrieden mit seiner Performance, mit seinem Spiel", stellte Guardiola fest. "Er kann auch in anderen Positionen spielen, denn er ist intelligent."

Schweinsteigers Rolle änderte sich erst mit der Einwechslung von Thiago Alcantara ein wenig. Der Neuzugang vom FC Barcelona entlastete den 29-Jährigen, Schweinsteiger durfte sogar einmal in den Strafraum marschieren.

Neue Rekordserie

Ein Hackentor wie beim 1:0-Sieg im Frühjahr, der Bayern die vorzeitige Meisterschaft bescherte, war diesmal aber nicht drin. Dennoch stellten die Münchner den eigenen Rekord von 27 Bundesliga-Spielen ohne Niederlage ein.

Zuletzt waren die Münchner 1989 unter Jupp Heynckes so dominant.

Guardiola würde die Serie nur zu gern fortsetzen, die Fehleranalyse wird bis zum Derby gegen den 1. FC Nürnberg nicht ausbleiben. Womöglich kommt dann auch Mario Götze zu seiner Bundesliga-Premiere als Roter, in Frankfurt lief sich der Ex-Dortmunder 90 Minuten warm

Dante mahnt

Dante und Neuer werden derweil an ihrer Koordination arbeiten. Kurz vor Schluss rannten sich beide über den Haufen, Frankfurts Srdjan Lakic machte aber nichts aus der geschenkten Torchance.

"Wir müssen weiter selbstkritisch bleiben und hart arbeiten", mahnte Dante dennoch.

Neuer blieb bei seiner pragmatischen Linie: "Die Null stand ja", sagte er und stapfte Richtung Bayern-Bus.

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