Jürgen Klopp (r.) war 2001/2002 in Mainz Trainer von Torsten Lieberknecht © getty

Dortmunds Coach und Braunschweigs Trainer kennen sich aus Mainzer Tagen und freuen sich wie kleine Jungs auf das Wiedersehen.

Von Reinhard Franke

München - Jürgen Klopp ahnte offenbar, was für ein nettes Thema da nun auf ihn wartet. Oder hoffte er es gar? Jedenfalls freute er sich diebisch.

Der Trainer von Borussia Dortmund stützte seinen Kopf ganz entspannt auf beide Hände und schmunzelte vor sich hin. Dabei schaute er recht neugierig.

Die Frage musste in der Pressekonferenz ja gestellt werden. Ging ja gar nicht anders. Die Frage nach Torsten Lieberknecht, Trainer von Dortmunds Sonntags-Gegner Eintracht Braunschweig.

"Torsten war ein guter Typ. Ob er es heute noch ist, muss ich erst noch überprüfen", sagte Klopp mit einem verschmitzten Lächeln.

Dazu wird er am Sonntag vor und nach der Partie on Dortmund (ab 17 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) die Möglichkeit haben.

Als guten Typ hat Klopp seinen Gegenüber Lieberknecht vor 18 Jahren beim FSV Mainz 05 kennengelernt.

Gemeinsame Mainzer Zeit

Von 1995 bis 2001 waren die beiden Mannschaftskollegen bei den Rheinhessen und in der Saison 2001/2002 spielte Lieberknecht unter dem jungen 05er-Coach Klopp.

Natürlich wurden vor dem Duell am Sonntag im Signal-Iduna-Park nette Anekdoten hervorgeholt und beim Gedanken an die gemeinsame Zeit wurde aus der Entfernung ordentlich gefrotzelt.

Vor allem Lieberknecht plauderte aus dem Nähkästchen.

Man denkt eben gerne zurück: Die beiden Trainer waren zu ihrer Mainzer Zeit sogar Zimmer-Kumpels und das, obwohl Klopp einen heftigen Hang zum Rauchen hatte.

"Wenn Jürgen rauchen wollte, musste er sich auf die Kloschüssel stellen", sagt der überzeugte Nichtraucher Lieberknecht mit einem verschmitzten Lächeln. "Damit er den Qualm gleich in den Abzug pusten konnte."

Gratulation zur Meisterschaft

Doch, um der Gefahr zu entgehen, Klopp nicht zu verärgern, schob der Eintracht-Coach gleich etwas Positives hinterher. Seine Mannschaft werde am Sonntag beim kommenden Deutschen Meister spielen, so Lieberknecht.

Natürlich freute sich Klopp über solch eine vorschnelle Huldigung, doch insgeheim musste er dann doch zusammenzucken. Soviel Lob zum jetzigen Zeitpunkt?

Der 46-Jährige witzelte gleich mal in Richtung Lieberknecht zurück: "Ich habe seine PK nicht gesehen, weiß also nicht, ob er vorher getrunken hat." Und er ergänzte: "Aber vermutlich glaubt er das sogar."

Und Klopp setzte dabei sein XXL-Grinsen auf.

Die Ambitionen der beiden Kumpels in dieser Saison könnte dennoch unterschiedlicher nicht sein. Während der BVB in den Titelkampf eingreifen möchte, geht es für Aufsteiger Braunschweig nur um den Klassenerhalt.

Gemeinsamer Lehrmeister Frank

Lob von Klopp gab es dennoch für die Eintracht: "An Braunschweig sieht man, wie eine guite Fußballmannschaft auszusehen hat", sagte der Coach in Bezug auf die taktische Diszipliniertheit der Niedersachsen.

Die Grundzüge der modernen Fußball-Taktik haben Klopp und Lieberknecht gemeinsam unter dem Trainer Wolfgang Frank kennengelernt.

Der leidet heute an einem Hirntumor und Lieberknecht sagt in "Bild": "Frank hat unserer damals unbedarften Mannschaft die Raumdeckung und die Viererkette näher gebracht. Wir waren alle noch auf Mann gegen Mann gepolt." .

Vilsvik-Transfer geplatzt

Weniger erfreulich als das Wiedersehen mit Klopp dürfte für Lieberknecht etwas anderes sein: Vor dem Spiel bei den Westfalen ist bei der Eintracht nämlich in letzter Sekunde ein Transfer geplatzt.

Rechtsverteidiger Lars Christopher Vilsvik wird nun doch nicht nach Braunschweig kommen.

Der Deutsch-Norweger bleibt bei seinem Klub Strömsgodset IF. Das dürfte Lieberknecht nicht schmecken, denn eigentlich waren sich beide Klubs über einen Wechsel einig.

Der Ärger darüber dürfte bei dem Pfälzer spätestens dann verraucht sein, wenn es zum Handshake mit Klopp kommt.

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