Wolfsburgs Zugang erläutert bei seiner Vorstellung die Gründe für seinen Wechsel. Schon gegen Schalke wird er im Kader stehen.

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Von Christian Stüwe

München - Ob Luiz Gustavo vor seinem Wechsel vom FC Bayern zum VfL Wolfsburg Kontakt zu Grafite aufgenommen hat, ist nicht bekannt.

Doch als Vorbild könnte der Stürmer dem Mittelfeldabräumer allemal dienen.

Grafite ballerte die "Wölfe" 2009 mit 28 Treffern zur Meisterschaft - und stand im Jahr darauf bei der WM in Südafrika im Kader der brasilianischen Nationalmannschaft.

Und genau das ist das Ziel Gustavos, der 26-Jährige will bei der Heim-WM im nächsten Sommer für sein Land auflaufen.

Gespräch mit Scolari

"Es gab viele Gründe für Wolfsburg. Wolfsburg ist ein Topverein und ein tolles Projekt", sagte Gustavo bei seiner Vorstellung am Freitag und verwies auf ein Gespräch mit Brasiliens Nationalcoach:

"Ich habe mit Trainer Scolari gesprochen. Er hat mir seine Meinung gesagt, und danach konnte ich besser denken und die richtige Entscheidung treffen."

Es geht wohl um gerantierte Spielzeit. Bei den Niedersachsen wird Gustavo diese ziemlich sicher erhalten. Bei den angeblich ebenfalls interessierten europäischen Top-Klubs von Arsenal über Chelsea bis Barcelona und Neapel hätte hingegen auch ein Platz auf der Bank herausspringen können.

Teuerster Transfer der Klub-Geschichte

In Wolfsburg steht Gustavo hingegen möglicherweise schon am Samstag gegen Schalke 04 (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) in der Anfangsformation. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er in der Startelf steht. Er ist in jedem Fall im Kader", sagte VfL-Trainer Dieter Hecking.

Der Klub lässt sich die Verpflichtung des Südamerikaners einiges kosten. Rund 20 Millionen Euro überweist man nach München, der Brasilianer erhält einen Fünfjahresvertrag.

"Wir haben schon lange überlegt, wer uns auf der Position helfen könnte und in der Bundesliga nach ganz oben geschaut. Da kommt man auf Luiz", sagte Wolfsburgs Manager Klaus Allofs über den teuersten Transfer der Klubgeschichte: "Wir haben Pläne und Visionen."

Eigentlich hatte Allofs nach der Ära von Felix Magath eine "neue Bescheidenheit" ausgerufen, doch bei Wunschspieler Gustavo machte der VW-Werksklub eine Ausnahme.

"Wolfsburg war immer an mir dran"

Gustavo flirtete nach so viel Lob umgehend zurück. Er habe in Deutschland bleiben wollen, erklärte der brasilianische Nationalspieler, er schätze die Sicherheit und die Möglichkeiten, die seine Familie hier habe.

Außerdem hätten sich die "Wölfe" am intensivsten um ihn bemüht.

"Ich habe schon vor langer Zeit von Wolfsburgs Interesse gehört", erklärte Gustavo: "Wolfsburg war immer an mir dran, das ist auch ein Grund, warum ich hier bin."

Dieses bereits lang andauernde Bemühen des VfL habe Gustavo eigentlich nicht verraten sollen, erklärte Allofs schmunzelnd, räumte dann abei ein:

"Wir haben ihn schon lange beobachtet und darauf gehofft, dass bei Bayern ein Überangebot auf seiner Position besteht."

Schon Samstag im Kader

Hecking, der auf seinen bisherigen Trainerstationen in der Bundesliga eher zum Sparen gezwungen war, genießt den neuen Luxus.

"Luiz bringt von der Athletik vieles mit", sagte er: "Er ist robust, zweikampf- und kopfballstark. Er hat auch einen sehr guten Spielaufbau. Er war bei Bayern mittendrin. Es ist keine Frage, dass uns so ein Spieler besser macht."

Die Verpflichtung Gustavos wertete Hecking als "ein Zeichen an die Liga".

Genau diese Wertschätzung vermisste der derart Gepriesene bei den Bayern zuletzt. Unter Pep Guardiola kam er nicht zum Zug.

Kaum Chancen bei Bayern

Das defensive Mittelfeld des Triple-Gewinners war bereits in der vergangenen Saison mit Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez hochkarätig besetzt.

Nun gesellt sich auch noch Thiago dazu - und als Schweinsteiger gegen Gladbach eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt wurde, kam Jan Kirchhoff in die Partie.

Gustavo sah seine Einsatz- und somit auch seine WM-Chancen schwinden. "Es war eine schwere Zeit für mich", gestand er am Freitag.

Über Wolfsburg zur WM

Beim Confed Cup im Juni gehörte der defensive Mittelfeldmann zur Stammelf von Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari.

Seinen Platz in der Selecao will Gustavo mit guten Leistungen in Wolfsburg um jeden Preis verteidigen.

Dass Wolfsburg als Sprungbrett für höhere Aufgaben in der Nationalmannsachft taugt, hat Grafite vor vier Jahren bewiesen.

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