Mkhitaryan wechselte im Sommer für 27,5 Millionen aus Donetsk zum BVB © imago

Der teuerste Einkauf der BVB-Geschichte steht kurz vor dem Comeback. Trainer Jürgen Klopp kann munter kombinieren.

Auch Dortmund berichtet Nils Hotze

München - Der Fuß nimmt den Ball an und lässt das Abwehrbein in Ruhe auf sich zukommen.

Dann zuckt er zweimal. Schnell, so schnell, dass kaum ein Auge hinterherkommt - und erst recht kein Abwehrbein. Beim dritten Mal spielt er einen präzisen Pass.

Sekunden später berührt dieser Fuß diesen Ball noch einmal, kurz nur, aber heftig. Eine Sekunde später beult sich das Netz des Tores im Trainingszentrum Dortmund-Brackel.

Der Fuß hat soeben mal wieder einen Angriff abgeschlossen, den er nur Augenblicke zuvor selbst eingeleitet hatte. Der Fuß gehört Henrikh Mkhitaryan.

Gündogan fällt zwei Wochen aus

Vier Wochen nach seinem Syndesmose-Teilanriss trainiert der teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund wieder mit der Mannschaft.

Seine Rückkehr in die Startelf des BVB rückt damit näher. Zumal sich nun in Ilkay Gündogan (Stauchung der Wirbelsäule) ein anderer Genius für voraussichtlich zwei Wochen im Krankenstand befindet.

Aus der Kombination von Genesung und Ausfall den Einfall zu entwickeln, der eine könne nun einfach den anderen ersetzen, könnte allerdings vorschnell sein.

Dass Mkhitaryan schon am Sonntag im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig (ab 17 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) von Beginn an spielt, ist zwar nicht unmöglich ? aber unwahrscheinlich.

Sicher ist hingegen in jedem Fall: "Er wird definitiv im Kader stehen", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Freitag.

Klopp geht ungern unnötiges Risiko ein

Der Coach geht ungern unnötiges Risiko ein. Und hat gerade für das Mittelfeld auch ohne Mkhitaryan und ohne Gündogan noch genügend Personal mit Potenzial.

Marco Reus, der deutsche Nationalspieler, kann auf allen drei offensiven Positionen spielen, Pierre-Emerick Aubameyang, Nationalspieler des Gabun, kann rechts, links und ganz vorne antreten - und ist nach seiner Gala gegen Augsburg ohnehin nicht mehr zu bremsen.

Und Jakub Blaszczykowski, polnischer Nationalspieler, fühlt sich ebenfalls auf beiden Flügeln wohl. Möglich wäre also die Kombination mit Blaszczykowski rechts, Reus in der Mitte und Aubameyang links.

Hofmann ist eine Alternative

Zudem gibt es Jonas Hofmann, Gewinner der Vorbereitung beim BVB und seit Dienstag U-21-Nationalspieler Deutschlands.

"Wir haben viele Gute beim BVB. Das führt dazu, dass die nur Guten hinter den sehr Guten nicht so oft zum Vorschein kommen", hat Klopp einmal in Bezug auf diesen Hofmann gesagt.

Das war im April, nach dem Startelfdebüt des 21-Jährigen. Seitdem hat der allerdings schon wieder die nächsten Entwicklungsstufen genommen.

Hinzu kommt absehbar auch Kevin Großkreutz, der derzeit und wohl in der gesamten Hinrunde als Rechtsverteidiger gebraucht wird, der aber eigentlich ebenfalls Mittelfeldspieler ist.

Klopp sagt über seinen Alleskönner: "Ich hab mir neulich noch mal das Gruppenspiel in Madrid angeguckt. Da hat Kevin links im Mittelfeld gespielt und ich habe mich danach gefragt, wer überhaupt auf die absurde Idee gekommen ist, ihn dort jemals wegzunehmen."

Sahin gibt es auch noch

Weiter verschärft wird der Konkurrenzkampf, wenn Mkhitaryan tatsächlich in die Startelf und Gündogan dann wieder eine Position zurück auf seine angestammte "Sechs" rückt.

Dort wiederum gibt es in Nuri Sahin einen weiteren Passgeber, der das eigene Spiel genial eröffnen kann. Und in Sebastian Kehl und Sven Bender zwei Abfangjäger, die den Spielfluss des Gegners bedingungslos beenden können.

Wohl dem, der solch eine Auswahl hat.

Mkhitaryan ist unaufgeregt

Mkhitaryan wird all die kleinen und großen Entscheidungen in Ruhe auf sich zukommen lassen.

Der Armenier, der auf das Länderspiel gegen Albanien verzichtet hat, ist unaufgeregt. So wuchtig sein Antritt ist, so dezent ist sein Auftritt.

Bei seiner offiziellen Vorstellung, also vor seiner Verletzung, hat er so leise gesprochen, dass die Fernseh- und Radioleute Sorge hatten, überhaupt etwas auf der Tonspur zu haben.

Die Sätze, die Mkhitaryan gesagt hat, hätte er allerdings genauso gut in Marmor meißeln können.

Angesprochen auf den FC Liverpool, der ebenfalls lange aussichtsreich im Rennen um seine Person gelegen haben soll, antwortete er: "Liverpool hat eine große Vergangenheit ? der BVB aber hat eine große Gegenwart."

Die unbegrenzten Möglichkeiten im Mittelfeld sprechen für diese Annahme.

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