Charly Körbel (l.) ist mit 602 Spielen für Frankfurt Rekordspieler der Bundesliga © getty

Eintracht-Legende Körbel erklärt bei SPORT1, wie sein Team das 1:6 zum Start verkraftet hat - und wie es Peps Elf knacken kann.

Von Tobias Wiltschek

München - 602 Bundesliga-Spiele von Karl-Heinz "Charly" Körbel sind bis heute einsamer Rekord. Noch bemerkenswerter ist, dass der heute 58-Jährige alle 602 Partien für einen Verein bestritt: Eintracht Frankfurt.

Für die Hessen ist er immer noch als Berater aktiv - und musste am vergangenen Samstag mit ansehen, wie "seine" Eintracht zum Bundesliga-Auftakt bei Aufsteiger Hertha BSC mit 1:6 unter die Räder kam.

Für das kommende Spiel gegen Bayern München (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) macht er dem Team von Armin Veh dennoch Mut. Vor den Frankfurtern habe der Rekordmeister immer Respekt. Da spricht er auch aus eigener Erfahrung. Bei seinem Bundesliga-Debüt als 17-Jähriger gewann die Eintracht gegen die Bayern im Oktober 1972 mit 2:1.

Im SPORT1-Interview spricht Körbel über die Auswirkungen der Auftaktpleite, die Chancen im nächsten Spiel gegen die übermächtig wirkenden Bayern und die Aussichten der Eintracht in der noch jungen Saison.

SPORT1: Herr Körbel, hat Sie das 1:6 Ihrer Eintracht bei Hertha BSC sehr geschockt?

Karl-Heinz Körbel: Geschockt ist gar kein Ausdruck. Ich glaube einfach, dass mit diesem Einbruch niemand gerechnet hat. Das mussten wir erst einmal verarbeiten. Wir hatten doch gerade so eine gute Saison gespielt.

SPORT1: Was kann jetzt getan werden, um diese Klatsche zu verarbeiten?

Körbel: Die ist schon raus aus den Köpfen. Die Mannschaft musste sich am Sonntag noch mal die ganzen Fehler anschauen. Am Dienstag haben sie wieder mit viel Einsatz trainiert. Armin Veh hat mir gesagt, dass die Stimmung gut ist. Wir haben auch gerade gar nicht viel Zeit, über die Niederlage nachzudenken.

SPORT1: Haben Sie in Ihrer Karriere ähnlich bittere Niederlagen hinnehmen müssen?

Körbel: Ja. Als ich noch Spieler war, haben wir einmal zu Hause gegen Hertha mit 0:5 verloren. Da hätten wir aber auch sechs oder sieben Stück kriegen können. Das war ziemlich identisch mit dem, was am Samstag abgelaufen ist - nur damals bei uns in Frankfurt. Hertha war schon immer unangenehm, egal mit welcher Mannschaft wir gegen sie gespielt haben.

SPORT1: Wo lagen die Probleme in Berlin?

Körbel: Wir haben körperlos gespielt, kamen nicht in die Zweikämpfe und sind von Berlin abgeschossen worden. Ich habe mit einigen Spielern gesprochen. Die wissen auch, dass da alles schief gelaufen ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Glauben Sie an die Überraschung gegen den nächsten Gegner Bayern München?

Körbel: Erst einmal musste der neue Rasen verlegt werden. Noch sind auch keine Tore drauf. Vielleicht lassen wir sie ja weg und es merkt keiner. Das 0:0 würden wir mitnehmen. Aber im Ernst: Die Niederlage in Berlin kann ja auch ein Warnschuss gewesen sein, damit wir wieder zu unseren Tugenden finden. Gegen Bayern haben wir immer eine Chance.

SPORT1: Die Eintracht hat in der Tat oft gut gegen die Bayern ausgesehen. Was muss man tun, um diese Übermannschaft zu schlagen?

Körbel: Bei dem, was Ribery und Robben gerade veranstalten, muss einem schon angst und bange werden. Deshalb dürfen wir es nicht auf einen offenen Schlagabtausch ankommen lassen und müssen versuchen, ihr Spiel zu zerstören. Dazu braucht man eine überdurchschnittliche Torwartleistung, die wir gegen Bayern auch immer gehabt haben. Um überhaupt eine Chance zu haben, müssen viele Faktoren zusammenkommen. Alle Spieler müssen 150 Prozent geben und daran denken, dass wir Bayern München immer irgendwie ärgern konnten. Die haben Respekt vor Eintracht Frankfurt. Wir müssen sehen, dass wir ein Pokalspiel daraus machen.

SPORT1: Sie haben in Ihrem ersten Bundesliga-Spiel gleich gegen Bayern und Gerd Müller gespielt. Ist das Spiel heute noch etwas Besonderes für Sie?

Körbel: Ja klar. Mit Bayern habe ich bis zum heutigen Tag ein super Verhältnis. Ich bin ja mit denen auch gewachsen. Das ist für mich ein Vorzeigeverein. Da hat sich meine Meinung nicht geändert und sie wird sich auch nicht ändern. Am Samstag aber wird das kurz aufhören. Da müssen wir wieder mal eine Sensation schaffen.

SPORT1: Nach dem Spiel gegen die Bayern muss die Eintracht schon am Donnerstag in Aserbaidschan in der Europa League antreten. Könnte die zusätzliche Belastung durch den Europapokal zum Problem werden?

Körbel: Ich sehe das positiv. Ich habe früher auch lieber gespielt als trainiert. Und es ist doch toll, was sie sich jetzt mit der Europa League erarbeitet haben. Auch für uns als Verein ist es wichtig, dass wir diese internationale Plattform erhalten. Ich bin der Meinung, dass wir mit unserem Kader gut aufgestellt sind.

SPORT1: Was ist für die Eintracht in dieser Saison drin?

Körbel: Nach der Niederlage in Berlin müssen wir erst einmal hinterher laufen. Da habe ich ein wenig Angst. Ich frage mich, ob wir es schaffen, wieder herauszukommen, wenn wir in den nächsten drei, vier Wochen unten drin hängen sollten. Wir müssen sehen, dass wir so schnell wie möglich Punkte holen. Dann denke ich, dass wir um die Plätze sechs bis zwölf spielen werden.

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