Markus Gisdol war 2011/2012 Assistent von Huub Stevens beim FC Schalke © getty

Vor der Begegnung beim Hamburger SV spricht Trainer Markus Gisdol über Hoffenheims Entwicklung, Tim Wiese und seine Ziele.

Von Reinhard Franke

München - Hinter Markus Gisdol liegen nervenaufreibende Monate.

Als der 43-Jährige nach der Entlassung von Marco Kurz im vergangenen April 1899 Hoffenheim übernahm, lag der Klub am Boden. Doch Gisdol kam, sah und siegte.

Dem Trainer gelang mit den Kraichgauern im "allerletzten Moment" der Klassenerhalt. Nun gilt es, eine erneute Zittersaison zu vermeiden.

Vor dem Spiel beim Hamburger SV (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Gisdol im SPORT1-Interview über das neue Hoffenheim und die Situation von Torwart Tim Wiese.

SPORT1: Herr Gisdol, es war zu hören, dass Ihnen der Interview-Marathon zuletzt etwas zu viel war, weil sich die Fragen immer wiederholen würden. Welche Fragen würden Sie denn gerne mal beantworten?

Markus Gisdol: Das stimmt so nicht. Grundsätzlich beantworte ich Fragen zum Fußball gerne. Weniger zum ganzen Umfeld, sondern mehr über das Eigentliche an sich - Spielsituationen, methodische und psychologische Aspekte, Entwicklungen. Eben das, was meine Mannschaft und mich in sportlicher Hinsicht betrifft. Als Trainer finde ich es doch schön, wenn ich viel über meinen tollen Job reden kann.

SPORT1: Nervt Sie das Drumherum im Fußball manchmal?

Gisdol: Nein, überhaupt nicht. Es ist nur so, dass man sich als Bundesliga-Trainer im Gegensatz zu einem Trainerjob in anderen Ligen mehr disziplinieren muss, um sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Das gesteigerte öffentliche Interesse wirft oftmals zeitliche Engpässe auf. Da muss man es als Trainer einfach schaffen, sich zu den entscheidenden Zeiten auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

SPORT1: Wurde Ihnen nach dem Klassenerhalt alles zu viel, was Ihre Person betrifft?

Gisdol: Nein. So richtig habe ich das alles gar nicht wahrgenommen. Ich habe versucht, mich absolut auf mich zu konzentrieren und dies auch der Mannschaft zu vermitteln. Man spürt immer wieder, was da um einen herum passiert und was alles in den Medien verbreitet wird, aber man darf sich davon nicht verrückt machen lassen.

SPORT1: Wie haben Sie die letzten Monate als 1899-Trainer denn verändert und geprägt?

Gisdol: Nicht sehr viel. Ich habe mich wirklich ganz auf den Job konzentriert und mein großer Vorteil war, dass ich schonmal Co-Trainer bei einem Traditionsverein (FC Schalke 04, Anm. d. Red.) war und mir dort ansehen konnte, was auf mich einstürzen könnte, wenn ich Chef bin. Zum anderen habe ich ein sehr gutes privates Umfeld und war erholt, als ich nach Hoffenheim kam. Von daher habe ich die letzten Monate gut verarbeitet.

SPORT1: Man hat das Gefühl, dass Hoffenheim und Gisdol gut zusammen passen...

Gisdol: Ich habe in Hoffenheim als U23-Trainer eine ganz tolle Zeit verbracht. (2009-2011, Anm. d. Red.). Es war also ein Zurückkommen nach Hause und ich wurde vom ersten Moment an mit offenen Armen empfangen. Ich fühle mich sehr wohl und das ist eine ganz wichtige Basis. Von den Spielern fordere ich eine 100-prozentige Identifikation mit dem Klub - so wie ich es vorlebe.

SPORT1: Ihr Torwart Tim Wiese dürfte sich nicht mehr so wohl fühlen in Hoffenheim. Gibt es einen neuen Stand in dieser Personalie?

Gisdol: Aktuell gibt es nichts zu vermelden. Ich glaube aber, dass in den nächsten zwei Wochen noch Bewegung reinkommen wird. Die Dinge sind klar mit den Beteiligten besprochen worden. Natürlich ist es nicht einfach, weder für den Verein noch für Tim Wiese und die anderen Spieler. Wir werden aber weiter verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und den Profis bestmögliche Trainingsbedingungen bieten. Darüber hinaus sind wir bestrebt, im Sinne aller Beteiligten eine gute Lösung zu finden.

SPORT1: Kurzer Blick zurück: Das 2:2 gegen Nürnberg war vor allem in der Anfangsphase Vollgasfußball. Sie dürften zufrieden gewesen sein, oder?

Gisdol: Es gibt noch viel zu verbessern. Wir müssen in Phasen kommen, in denen wir noch mehr Spielkontrolle bekommen und Rhythmuswechsel haben, ohne die Aggressivität zu verlieren. Für diese Entwicklungsschritte brauchen wir noch Zeit. Aber was wir momentan abliefern, ist der Stand, den wir uns gewünscht haben.

SPORT1: Wo wollen Sie mit Hoffenheim zukünftig hin?

Gisdol: Wir wollen ein Spiel abliefern, von dem die Leute sagen? der Hoffenheimer Fußball gefällt mir und damit kann ich mich identifizieren. Zusätzlich wollen wir uns über unseren Fußball definieren und nicht über andere Dinge. Wir sind uns unserer Situation bewusst. Wir sind im allerletzten Moment noch auf den Bundesligazug aufgesprungen und von daher genießen wir jedes Spiel in der ersten Liga. Wenn wir es schaffen könnten, eine sorgenfreie Saison zu spielen, wäre das klasse.

SPORT1: Am Samstag geht es zum Hamburger SV. Was ist drin für Ihre Mannschaft?

Gisdol: Das wird eine ganz schwere Aufgabe. Wir haben natürlich gesehen, was bei uns schon gehen kann, aber wir machen unsere Entwicklung nicht von einzelnen Spielen abhängig. Wir wollen uns über die Saison hinweg stabil entwickeln und unsere Leistung bringen. Im HSV wartet jedenfalls ein ganz dicker Brocken auf uns. Ich hoffe, dass wir in Hamburg eine gute Partie abliefern.

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