Mike Hanke hat für fünf verschiedene Vereine in der Bundesliga getroffen © getty

Freiburgs Mike Hanke spricht bei SPORT1 über seinen Trainer, die Freiburger Findungsphase und die Beschaulichkeit des Breisgaus.

Von Andreas Reiners

München - Für ihn persönlich war es ein Einstand nach Maß, doch sein Treffer geriet zur Nebensache:

Mike Hanke erzielte zum Bundesliga-Auftakt in Leverkusen gleich seinen ersten Treffer für seinen neuen Klub, doch am Ende verlor der SC Freiburg mit 1:3 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das Spiel hat die Probleme der neu zusammengestellten Freiburger Mannschaft offenbart. Mit vier Neuzugängen in der Startelf mangelte es noch an der nötigen Abstimmung.

"Wir befinden uns auf jeden Fall noch in einer Findungsphase, die noch ein paar Wochen andauert", sagt Hanke im Gespräch mit SPORT1 und hofft natürlich am zweiten Bundesligaspieltag gegen Mainz auf Besserung (ab 15 Uhr im und auf ).

Er selbst soll beim SC in die Rolle eines Führungsspieler schlüpfen. Außerdem spricht der 29-Jährige über seinen Trainer Christian Streich und die Beschaulichkeit des Breisgaus.

SPORT1: Mike Hanke, Sie waren vorher auf Schalke und in Mönchengladbach. In Freiburg geht es etwas beschaulicher zu. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?

Mike Hanke: Ich bin sowieso ein ruhiger Typ.

SPORT1: Seit wann?

Hanke: (lacht) Im Ernst, natürlich ist das eine Umstellung. Aber ich bin froh, dass ich meine Familie, meine Kinder da habe. Das gibt mir sehr viel Kraft und Halt. Dann ist es auch egal, wo ich spiele. Wenn ich nach Hause komme, freue ich mich. Freiburg ist schön: Hier gibt es sehr viele Dinge, die es im Ruhrgebiet oder in NRW nicht gibt.

SPORT1: Christian Streich ist ein sehr spezieller Typ, Ihr vorheriger Trainer Lucien Favre ebenfalls. Haben Sie schon Parallelen entdeckt?

Hanke: Sie sind fanatische Fußball-Lehrer, die sehr, sehr gerne mit jungen Leuten zusammenarbeiten und denen dann auch eine Chance geben. Das ist in Freiburg aber auch schon seit Jahren so. Und jetzt die Mischung mit ein paar älteren und erfahrenen Spielern passt bislang.

SPORT1: Sie haben gesagt, unter Favre haben sie als Spieler am meisten gelernt und auch ihre Spielweise umgestellt. Inwiefern hilft das jetzt beim SC Freiburg?

Hanke: Das hilft enorm. Ich bin ein intelligenter Spieler, der auch mal einen tödlichen Pass spielen kann. Ich habe mir auch vorgenommen, in Freiburg vorne mehr Präsenz zu zeigen. Das habe ich in Leverkusen in der einen oder anderen Szene auch gehabt. Die Mischung muss sich aber auch erst einmal finden.

SPORT1: Dass die Mischung noch nicht stimmt, hat sich in Leverkusen gezeigt. Was nehmen Sie Positives mit, außer dass Sie nun für den fünften Klub getroffen haben?

Hanke: Das ist mir relativ egal. Die Moral der Mannschaft ist aber vorhanden. Das hat man auch nach den Gegentoren gesehen, da haben wir es trotzdem weiter versucht. Da haben wir auch ansatzweise sehr guten Fußball gezeigt. Aber natürlich haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns. In den ersten 20 Minuten haben wir viel zu viele Torchancen zugelassen.

SPORT1: Wie groß ist der Frust?

Hanke: Klar ist der Frust da. Wir wollten ja auf jeden Fall etwas mitnehmen. Bayer spielt in der Champions League, das ist nicht unser Maßstab. Trotzdem haben wir dumme Fehler gemacht, die wir analysieren müssen. Ich mache mir aber überhaupt keine Gedanken, weil ich ein positiv eingestellter Mensch bin, der immer nur nach vorne schaut. Deshalb denke ich, dass wir in den nächsten Wochen noch einen guten Schritt nach vorne machen und uns auf jeden Fall besser einspielen werden.

SPORT1: Sie haben vor dem Elfmeter den Ball genommen, ihn dann aber Jonathan Schmid gegeben?

Hanke: Ich wollte ihn eigentlich schießen. Aber Jonathan hat die ganze letzte Saison geschossen und Julian (Schuster) hat gesagt, dass Jonathan schießt. Für mich war das in Ordnung. Er hat ihn jetzt nicht rein gemacht, aber das passiert im Fußball und es reißt ihm dafür keiner den Kopf ab.

SPORT1: Im Gegenteil: Sie sind als Erster zu ihm hin und haben ihn aufgemuntert. Ist das typisch für Ihre neue Rolle als Führungsspieler?

Hanke: Was sollen wir ihn auch fertig machen? Das macht ja keinen Sinn. Es ist natürlich für mich als erfahrenen Spieler auch leichter aufzustehen als für einen jungen Spieler, der Fehler und sich dann kurz Gedanken macht. Das darf er nicht, bei uns ist es so, dass wir dann sofort weiter machen. Da hat man in der Bundesliga keine Zeit für. Und da ist es meine Aufgabe, den jungen Spielern zu helfen.

SPORT1: Der SC Freiburg hatte zahlreiche Abgänge zu verkraften. Wo sehen Sie die Mannschaft im Moment?

Hanke: Wir befinden uns auf jeden Fall noch in einer Findungsphase, die noch ein paar Wochen andauert. In der müssen wir richtig gut zueinander finden und die ganzen Mannschaftsteile müssen besser harmonieren. Das ist harte Arbeit im Training. Wir analysieren jetzt das Spiel, haken das gleichzeitig auch ab und konzentrieren uns auf die nächste Aufgabe.

SPORT1: Zu den nächsten Aufgaben zählt auch die Europa League. Wie schwierig ist die Findungsphase bei der Doppelbelastung?

Hanke: Damit beschäftige ich mich eigentlich noch nicht. Das machen wir dann, wenn es soweit ist. Aber es ist klar, dass es mit der Doppelbelastung schwer wird. Da müssen wir hochkonzentriert arbeiten, hochkonzentriert regenerieren und Profi durch und durch sein.

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