Simon Rolfes bestritt in der vergangenen Saison 40 Pflichtspiele © imago

Simon Rolfes ist bei Bayer Leverkusen Kapitän - und Bankdrücker. So war es zumindest beim Saisonstart. Noch gibt er sich geduldig.

Von Andreas Reiners

Leverkusen - Irgendwie hat sich Simon Rolfes die Situation auch ein bisschen selbst eingebrockt.

"Konkurrenzkampf ist gut. Ich habe ja selber gefordert, dass wir eine gute Mannschaft brauchen", sagt der Leverkusener Mittelfeldspieler im Gespräch mit SPORT1.

Das Ergebnis am ersten Bundesliga-Spieltag gegen den SC Freiburg: Der 31-Jährige saß 70 Minuten lang nur auf der Bank.

Beim Auswärtsspiel in Stuttgart (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) droht ihm nun das gleiche Schicksal - und das als Mannschaftskapitän.

Hyypiä: Qual der Wahl

Trainer Sami Hyypiä hat vor allem im Mittelfeld die Qual der Wahl. Die Konkurrenz für Rolfes ist groß. Und im Moment wohl auch einfach einen Tick besser.

Neben Rolfes buhlen Emre Can, Jens Hegeler, Levin Öztunali, Lars Bender, Stefan Reinartz und Gonzalo Castro um drei Plätze in Hyypiäs 4-3-2-1-System.

Die drei Letztgenannten durften am letzten Wochenende von Beginn an ran. Und ließen vergessen, dass in Rolfes ein langjähriger Leistungsträger auf der harten Ersatzbank Platz nehmen musste.

Kein Begründung

Nun ist Hyypiä nicht für seine großen Reden bekannt. Wohl auch deshalb hat der Finne seinem verlängerten Arm auf dem Platz die Entscheidung auch nicht groß erklärt, wie Rolfes erzählt.

"Abgesprochen war es nicht. Ich habe es in der Besprechung aber auf der Aufstellung gesehen. Der Trainer hat es nicht begründet", sagt Rolfes.

Doch der 26-malige Nationalspieler wirkte zumindest nach außen hin nicht wirklich angefressen, denn er kennt sich mit dieser Situation aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass er um seinen Stammplatz zittern und kämpfen muss, auch wenn er immerhin in seine fünfte Saison als Spielführer des Werksklubs geht.

Vor allem unter Ex-Coach Robin Dutt wirkte der sonst extrem loyale Leverkusener oftmals verärgert. Und tat dies auch kund.

Professionell bleiben

Das ist heute (noch) anders. Rolfes lächelt den mit Sicherheit vorhandenen Frust weg, ist professionell und übt sich in Geduld.

"Sie können ganz sicher sein, dass ich jetzt nicht rumheule, weil ich nicht gespielt habe. Das ist manchmal so im Fußball, aber das muss man professionell sehen und weitermachen und einfach da sein und gut trainieren. Und das mache ich", sagt Rolfes.

Klar ist: Die Saison ist gerade einmal 90 Minuten alt. "Ich habe einmal nicht gespielt. Da darf man nicht jedes einzelne Spiel zu hoch hängen, sowohl im negativen als auch im positiven Fall nicht", erklärt der 31-Jährige.

Zudem hat Bayer mit der Champions League in dieser Saison ein strammes Programm mit vielen englischen Wochen. "Und da brauchen wir viele gute Spieler. Und Konkurrenzkampf macht auch Spaß. Seien sie sicher, dass ich meine Spiele in diesem Jahr auch wieder mache", kündigt Rolfes an.

Großer Traum WM

Zuletzt hatte Rolfes angekündigt, dass er zuversichtlich sei, seinen Höhepunkt noch vor sich zu haben. Die WM 2014 möglicherweise? Die hat Rolfes noch nicht abgehakt. Er traue Bayer eine starke Saison zu, und schließlich wisse man nie, was passiere.

Doch für den Trip nach Brasilien braucht der Kapitän natürlich Einsatzzeit. Denn auch im DFB-Team ist das Gedränge im Mittelfeld groß.

Lässt er sich Hyypiäs Entscheidung noch erläutern?

"Brauche kein Gespräch"

"Ich brauche kein Gespräch mit dem Trainer zu suchen. Es gibt deutlich schlimmere Sachen im Leben, deswegen bin ich da ganz locker", meint Rolfes, der im Gegensatz zur vergangenen Saison, als Hyypiä mit Sascha Lewandowski das Trainerduo bildete, keine großen Unterschiede ausmachen kann.

"Sami ist präsenter. Er übernimmt auch viele Sachen von Sascha. Vom Grundsatz her haben wir viele Grundlagen im letzten Jahr gelegt, die weitergeführt werden. Von daher gibt es keine riesigen Unterschiede", berichtet Rolfes.

Und der Auftaktsieg gegen Freiburg? "Es war wichtig, dass wir zum Auftakt gewonnen haben", erklärt Rolfes, der den Sieg "aber nicht überbewerten" will. Genau wie seine 70 Minuten auf der Bank.

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