Der Däne Leon Andreasen spielt seit 2009 für Hannover 96 © getty

Leon Andreasen erlebt gegen Wolfsburg eine grandiose Rückkehr. Präsident Kind bescheinigt ihm bei SPORT1 einen eisernen Willen.

Von Florian Pertsch, Flemming Lessner und Fabian Greve

München - Rücken- und Leistenprobleme, Adduktorenverletzung, Schambeinentzündung, mehrere Muskelfaserrisse und ein Kreuzbandriss.

Das ist nicht die Verletzungsbilanz eines Bundesligavereins in der Saison 2012/13, sondern die Krankenakte eines einzigen Fußballers: Leon Andreasen.

Der Profi von Hannover 96 ist Leid gewohnt, allein durch die Leistenverletzung verpasste der dänische Nationalspieler zwei komplette Spielzeiten (2010/11 und 2011/12).

Auch in der Saison 2012/13 wurde es nicht viel besser. Aufgrund eines Kreuzbandrisses reichte es nur zu fünf Spielen (2 Tore) für den 30-Jährigen.

Tor bei Comeback

Doch Andreasen kämpfte sich immer zurück und erlebte traumhafte Comebacks.

So auch am Samstag. Nach fast einem Jahr kehrte der Däne im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg in die Start-Elf der 96er zurück. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Andreasen zeigte eine starke Leistung, die er mit einem Tor krönte.

Kind: Ein außergewöhnlicher Mensch

"Der ganze Verein freut sich mit dem Spieler", erklärte 96-Manager Dirk Dufner bei SPORT1.

Auch Präsident Martin Kind gratulierte Andreasen zum Comeback, zeigt sich aber nicht überrascht: "Was er geleistet hat, ist unglaublich, aber ich habe es erwartet. Er hat einen tollen Charakter und einen großen Leistungswillen. Sein Comeback ist das Spiegelbild eines außergewöhnlichen Menschen."

"Es fühlt sich gut an"

Andreasen selbst wirkte einfach nur erleichtert, der Treffer geriet zu Nebensache.

"Mir ist egal, wer die Tore schießt. Hauptsache wir gewinnen", stellt er bei SPORT1 kurz und knapp fest.

Das lädierte Knie des Dänen scheint den Belastungen der Bundesliga wieder stand zu halten: "Es fühlt sich gut an, es sieht so aus, als ob ich alles richtig gemacht habe."

Überraschungen in der Reha

Der lange Weg zurück war hart, hielt aber auch ein paar schöne Überraschungen für Andreasen bereit.

"Klar gibt es auch schlechte Tage, aber ich wollte nicht aufgeben. Das ist wie bei jedem anderen Arbeitsplatz auch. Aber da kämpft man sich durch, meine Frau, meine Kinder und meine Freunde haben mich toll unterstützt", beschreibt Hannovers Mittelfeldspieler den Rehaprozess.

Sogar im Krankenhaus gab es Balsam für die geschundene Fußballer-Seele: "Nach der Operation haben mich in Augsburg Menschen besucht, die ich gar nicht kenne. Das war eine großartige Unterstützung."

96 hält an Andreasen fest

Nach dem Kreuzbandriss und der Leistenverletzung sieht es fast so aus, als ob Andreasen langsam Routine im Überwinden von Rückschlägen bekommt, denn Existenzängste hatte er bei der zweiten Hiobsbotschaft seiner Karriere nicht mehr.

"Die gab es nur nach meiner Leistenverletzung. Meine Versicherung lief nur 18 Monate, aber das wusste ich damals nicht. Danach bekam ich kein Geld mehr und musste alle Rechnungen selber zahlen", erklärte Andreasen die ungewohnte Situation: "Mein Vertrag lief im Sommer aus und dann fängt man schon an nachzudenken."

Hannover ließ den Spieler aber nicht im Stich und setzte ein Zeichen. Trotz Verletzung wurde der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert.

Slomka bremst

Mit Andreasen zurück auf dem Platz und seinem ersten Treffer scheint sich das Vertrauen nun auszuzahlen.

Trainer Mirko Slomka warnte aber vor zu großen Erwartungen und bremst die Euphorie: "Wir müssen jetzt ganz genau aufpassen, dass es keine Überlastungserscheinungen bei ihm gibt."

Nicht nur Slomka und sein Trainerstab achten darauf, sondern auch Andreasen selbst.

Absage als Vorsichtsmaßnahme

Nach einem Schlag aufs Knie ließ sich der Leidgeprüfte gegen Wolfsburg in der 73. Minute vorsichtshalber auswechseln.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, verzichtete der 30-Jährige sogar auf sein Comeback in der dänischen Nationalmannschaft und pfiff auf das Freundschaftsspiel gegen Polen.

Auf die Frage nach seinem Wunsch für die kommende Saison huschte Andreasen vor der Antwort ein Lächeln über das Gesicht: "Mehr als zehn Spiele machen."

Neun fehlen noch, dann wird es Zeit für einen neuen Wunsch.

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