Franck Ribery gewann vergangene Saison das Triple mit dem FC Bayern München © getty

FCB-Boss Rummenigge berichtet vom einem "unmoralischen Angebot" für Ribery. Beckenbauer glaubt an den großen Wurf des Franzosen.

Aus Hamburg berichten Tom Vaagt und Steffi Brungs

Hamburg - Richtig glücklich wirkte Franck Ribery nicht.

Kein Titel mit dem FC Bayern, als Stars wurden in der Bundesliga andere gefeiert. Nuri Sahin zum Beispiel. Oder der im ersten Halbjahr so überragende Shinji Kagawa. Beide Dortmunder. Beide deutsche Meister.

Ribery hingegen konnte sein Potenzial meist nur andeuten. Mit dem ein paar Monate zuvor beurlaubten Trainer Louis van Gaal lag er oft über Kreuz.

Da kam dieses Angebot im Sommer 2011 gerade recht. Der FC Chelsea wollte Ribery und Ribery war dem Wechsel nicht abgeneigt. Er hätte ihn wohl zum teuersten Spieler der Welt gemacht.

"Es war wirklich ein unmoralisches Angebot. Wir waren nicht ganz so weit von den 100 Millionen entfernt. Da kommt man natürlich schon ins überlegen, ob ein Fußballer so viel Geld wert ist", plauderte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Montagabend beim Sport-Bild-Award in Hamburg aus.

Dreikampf mit Messi und Ronaldo

Doch die Bayern lehnten ab. Die vielleicht beste Entscheidung der jüngeren Vereinsgeschichte.

Auf den inoffiziellen Titel des teuersten Spielers der Welt musste Ribery somit verzichten. Nun winkt ihm allerdings eine viel größere Ehre. Nicht ganz so kostspielig für die Beteiligten, dennoch wertvoller.

Am 29. August wird in Monaco der beste Spieler Europas gekürt. In die Endauswahl hat es Ribery bereits geschafft. Seine Konkurrenten: Lionel Messi - der viermalige Weltfußballer. Und Cristiano Ronaldo - der teuerste Spieler der Welt.

"Franck hat einen Vorteil"

"Ich denke, es wird ein Zweikampf zwischen Cristiano Ronaldo und Franck Ribery", sagte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer in Hamburg im SPORT1-Interview: "Es zählen auch Titel. Und mehr als Ribery gewonnen hat, kann man nicht gewinnen."

Rummenigge sieht dies ähnlich. "Messi und Ronaldo sind ohne Frage super Fußballer. Aber Franck Ribery hat natürlich einen Vorteil: Er hat das Triple geholt. Aber am Ende des Tages ist es auch immer ein Politikum, wer gewinnt", sagte der frühere Nationalspieler:

"Normalerweise hätte es Franck nach dieser Saison verdient. Ich wünsche es ihm. Er hat lange darauf hingearbeitet, dass er in diesen elitären Kreis kommt."

Seit 2007 bei den Bayern

In der Tat. Zu Beginn der Karriere wirkte mancher Wechsel Riberys nicht gerade wie auf dem Reißbrett geplant.

Kaum war der Durchbruch in Frankreich gelungen, ging es zu Galatasaray Istanbul. Ein Traditionsklub, aber nicht gerade das oberste Regal des Weltfußballs.

Sportlich lief es bei den Türken rund, finanziell hingegen eher weniger. Nach Gehaltsstreitigkeiten ging es zurück in die Heimat und zu Olympique Marseille. 2007 riefen dann die Bayern. Riberys unaufhaltsamer Aufstieg nahm an Fahrt auf.

Einst ein 25-Millionen-Risiko

25 Millionen Euro ließ sich der deutsche Rekordmeister den Flügelflitzer damals kosten. Mehr hatten die Münchner zu diesem Zeitpunkt noch nie für einen Spieler ausgegeben.

Ein Risiko: Ribery galt als hochveranlagt, klar. Aber noch lange nicht als Weltstar.

Dies ist inzwischen anders. Die Investition hat reichlich Rendite abgeworfen. Die Währung? Keine britischen Pfund aus Chelsea. Stattdessen? Titel und vor allem Spektakel.

"Die richtige Entscheidung getroffen"

Ribery ist einer dieser Spieler, für den auch neutrale Fans ins Stadion strömen. Er verbindet Leichtigkeit mit Eleganz, verknüpft Artistik mit Effizienz.

Seinen Vertrag bei den Bayern verlängerte er in der Sommerpause bis 2017 und es scheint, als könne niemand diese Liaison durchbrechen. Für kein Geld der Welt. Noch immer nicht.

Die englischen Avancen von vor zwei Jahren sind ohnehin Geschichte. "Franck war damals zunächst etwas enttäuscht", erinnerte sich Rummenigge: "Ich glaube, heute ist er sehr glücklich, weil er sich bei Bayern München sehr wohlfühlt. Wir haben alle die richtige Entscheidung getroffen."

Der größte Star der Liga?

Wie zum Beweis wirbelte Ribery zum Saisonstart gegen Borussia Mönchengladbach (3:1) wie ein Irrwisch den Flügel entlang. Atemberaubend zuweilen - für Zuschauer und Gegenspieler. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Er ist ein Star der Bundesliga. Vielleicht sogar ihr größter.

Kagawa spielt inzwischen übrigens in England. Bei Manchester United ringt er um Einsatzzeit. Sahin ist nach freudlosen Gastspielen bei Real Madrid und in Liverpool zurück beim BVB. Erst jetzt findet er Schritt für Schritt zurück zu alter Form.

Das Gute muss nicht immer in der Ferne liegen. Ribery wird dies bestätigen. Allein die Krönung zu Europas Fußball-König fehlt ihm nun noch.

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