Rene Adler (r.) trägt seit der Saison 2012/2013 das Trikot des Hamburger SV © getty

Nach seinem Patzer im Spiel gegen Schalke spricht der Torhüter des HSV bei SPORT1 über die Nationalelf und sein Saisonziel.

Von Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Der Grat zwischen Himmel und Hölle ist für einen Torwart ziemlich schmal.

Der Hamburger Keeper Rene Adler zeigte auf Schalke eine starke Leistung, ließ dann aber 20 Minuten vor Schluss einen Ball prallen.

S04-Stürmer Adam Szalai staubte ab, anstatt des erhofften Auftaktsieges kam der HSV in Gelsenkirchen nur zu einem Punktgewinn (Bericht).

Im SPORT1-Interview spricht der 28 Jahre alte Torwart über mentale Stärke, seinen WM-Traum und das Saisonziel des Hamburger SV ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des Spieltags ).

SPORT1: Herr Adler, für Sie geht es nach dem Bundesliga-Auftakt zur Nationalmannschaft. Was bedeutet die Nominierung für Sie?

Rene Adler: Die Nationalmannschaft ist immer das Größte. Es ist die größte Auszeichnung, wenn man sich die Namen durchliest, was für eine Mannschaft wir haben. Für mich ist es eine Ehre. Ich bin froh, dabei zu sein. Das zeigt großes Vertrauen. Der Kern der Mannschaft steht, und wir können uns im Hinblick auf die wichtigen Quali-Spiele langsam einspielen. Ich freue mich auf zwei gute Trainingseinheiten und ein Spiel auf Topniveau.

SPORT1: Wie sehen Sie ihre WM-Chancen zum jetzigen Zeitpunkt?

Adler: Mir ist bewusst, dass gute Leistungen mit dem Verein immer wichtig sind. Wenn die Erfolge mit der Mannschaft stimmen, dann sieht jeder Einzelne besser aus. Das müssen wir verinnerlichen.

SPORT1: Das 3:3 durch Adam Szalai geht nach einer zuvor starken Leistung auf Ihre Kappe. Wie lange hängt Ihnen die Szene nach, auch im Hinblick auf das DFB-Team?

Adler: Ich rede darüber, ich analysiere sie und dann geht es im Training weiter. Dann darf sie nicht mehr im Kopf sein. Ich bin aber auch nur Spieler und habe auch einen Punkt geholt. Das war klar mein Fehler, das ist mein Anspruch, diesen Ball festzuhalten. Aber solche Dinge passieren im Fußball. Ich habe während der Saison noch genug Möglichkeiten, das wieder gutzumachen und diese zwei fehlenden Punkte wieder zu holen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Auch das 0:1 war bitter: Sie haben wegen einer Verletzung fast die gesamte Vorbereitung verpasst und dann liegt der Ball nach nicht einmal zwei Minuten im Netz?

Adler: Da habe ich kurz an letzte Saison gedacht. Das war eine ähnliche Situation. Wir haben den Ball in der Vorwärtsbewegung verloren und haben zu ungeduldig gespielt. In der Situation stehen wir dann viel zu hoch. Ich muss auf den Ball spekulieren und finde keine optimale Position. Das müssen wir versuchen abzustellen. Das ist fehlende Cleverness in dieser Situation. Dann kommen wir aber super zurück, und das ist auch eine mentale Stärke, nicht zu sagen: 'Es geht schon wieder los', sondern 'Scheiß drauf, weiter geht's'.

SPORT1: In der Vorbereitung gab es reichlich Unruhe im Verein. Wie haben Sie als Routinier auf die jüngeren Spieler eingewirkt?

Adler: Viele Experten haben uns weit weg gesehen, auch weil die Ergebnisse in der Vorbereitung nicht gestimmt haben. Ich habe versucht, den jüngeren Spielern meine Erfahrung mitzugeben und habe gesagt: Jungs, fokussiert euch auf Schalke. Es ist Vorbereitung, dafür können wir uns nichts kaufen.

SPORT1:Und nach dem ersten Bundesliga-Spiel?

Adler: Im Vorfeld wären wir sicher mit einem Punkt zufrieden gewesen. Im Nachhinein können wir so selbstbewusst sein und sagen, hier wäre ein Dreier drin gewesen, wenn mir der Fehler nicht passiert. Wir werden partout vermeiden, dass wir nach dem Punkt auf Schalke sagen, es geht jetzt ohne harte Arbeit so weiter. Wir haben gute Fußballer und können guten Fußball spielen. Das müssen wir immer abrufen, egal gegen wen. Und das ist die Schwierigkeit in einer Saison. Aber gegen Hoffenheim gibt es am Wochenende nur eine Marschroute, so dass wir nach zwei Spielen dann hoffentlich vier Punkte haben.

SPORT1: Ist das 3:3 auf Schalke dann auch ein bisschen Genugtuung nach der ganzen Kritik?

Adler: Ich muss ehrlich sagen, dass ich habe von den Kritikern nichts mitbekommen habe. Ich weiß nicht, wie viele von unserer Mannschaft Zeitung lesen. Ich tue es nicht. Wir haben mitbekommen, dass es etwas unruhig war. Aber das ist so beim HSV.

SPORT1: Was ist für den HSV denn drin in dieser Saison?

Adler: Wir haben das Ziel ausgegeben, dass wir es besser machen wollen als in der letzten Saison. Da sind wir knapp an Europa vorbeigeschrammt. Da ist jetzt unser Ziel, dass wir nach Europa wollen. Ob wir es jetzt schaffen oder wie uns irgendwelche Experten sehen, ist uns völlig egal.

SPORT1: Und falls es nicht reichen sollte?

Adler: Selbst wenn wir es nicht schaffen, müssen wir in den Spiegel schauen können, dass wir alles gegeben haben. Dann waren die anderen vielleicht besser oder die Qualität im Kader hat nicht gereicht. Aber wenn wir das abrufen, was wir gegen Schalke gezeigt haben, dann reicht es.

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