BVB-Ersatztorwart Mitch Langerak hat gegen den FC Bayern eine perfekte Bilanz: Zwei Spiele, zwei Siege. Dennoch: VORTEIL BAYERN
Mitchell Langerak bestritt bisher sieben Bundesliga-Spiele für Borussia Dortmund © getty

Dortmunds Ersatztorhüter hat eine makellose Bilanz, aber starke Konkurrenz. Die Kollegen loben ihn. Doch wo geht seine Reise hin?

Von Christoph Lother

München - Sie holten einen Sonnyboy - und bekamen einen knallharten Arbeiter.

Einen, der einfach seinen Job erledigt. Ohne zu murren und zu klagen. Eben einen jener Sorte, die sie im Ruhrgebiet am liebsten haben.

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Mitchell Langerak vom australischen Klub Melbourne Victory zu Borussia Dortmund wechselte.

Seitdem machte er als Ersatztorhüter zwar nur selten lautstark auf sich aufmerksam. Wenn er aber gebraucht wurde, war er da. Und zwar zu 100 Prozent.

So wie beim 4:0 des BVB zum Bundesliga-Auftakt am vergangenen Samstag in Augsburg. Zum insgesamt elften Mal hütete Langerak dabei in einem Pflichtspiel das Tor der Borussen, zum elften Mal verließen sie anschließend als Sieger den Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Loblied von Mitspieler Sahin

"Auf Mitch ist einfach Verlass. Wir haben eine sehr, sehr gute Nummer zwei", lobte Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin den 24-Jährigen zuletzt.

Als Stellvertreter des gesperrten Stammkeepers Roman Weidenfeller hatte Langerak in Augsburg seinen Kasten wieder mal glänzend verteidigt, sowohl auf der Linie, als auch in Sachen Strafraumbeherrschung seine Qualitäten erneut unter Beweis gestellt.

"Er trainiert sehr gut und ist ein angenehmer Typ, ein echter Profi", beschrieb Sahin den Australier, der "eigentlich viel zu gut ist, als dass man ihn Nummer zwei nennen könnte."

"Irgendwann, irgendwo", ist sich Sahin sicher, "wird auch Mitch die Nummer eins sein."

"Nicht nur hier, um Deutsch zu lernen"

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer.

"Ich bin nicht nur in Deutschland, um Deutsch zu lernen", betonte Langerak schon hin und wieder: "Ich möchte spielen."

Ein nachvollziehbares Anliegen, das sich angesichts der derzeitigen Personallage im Dortmunder Tor aber äußerst schwierig gestaltet.

Im kommenden Heimspiel gegen Braunschweig dürfte jedenfalls wieder Weidenfeller im Kasten stehen.

Mit dem 33-Jährigen hat Langerak einen der besten Schlussmänner Deutschlands vor sich, der nach jahrelangem Warten nun womöglich doch noch zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz kommen könnte.

Ende der Ära Weidenfeller nicht in Sicht

"Ich bin bei diesem Thema offen, das will ich an dieser Stelle ganz klar sagen", erklärte Bundestrainer Joachim Löw kürzlich im "kicker" und versicherte: "Ich erkenne mit größtem Respekt seine Leistungen an."

Weidenfeller entgegnete daraufhin: "Falls der Deutsche Fußball-Bund meine Hilfe benötigt, stehe ich gerne zur Verfügung. Dann fahre ich im nächsten Jahr selbstverständlich auch als Nummer drei mit zur Weltmeisterschaft."

In Dortmund genießt Weidenfeller schon lange große Wertschätzung. Seit elf Jahren steht der gebürtige Pfälzer mittlerweile beim BVB zwischen den Pfosten, im Mai verlängerte er seinen Vertrag um weitere zwei Spielzeiten bis 2016.

Ein baldiges Ende der Ära Weidenfeller und damit auch der Geduldsprobe Langeraks ist also nicht in Sicht.

Keine schlaflosen Nächte für Klopp und Co.

"Wir sind in der komfortablen Situation, dass einer wie Roman Weidenfeller ausfallen kann und wirklich niemand im Umfeld schlaflose Nächte haben muss", freut sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp über sein Luxusproblem.

Die eine oder andere schlaflose Nacht könnte Langerak aber doch haben.

Allzu leicht dürfte es dem Australier jedenfalls nicht fallen, nach tadellos verrichteter Arbeit regelmäßig wieder ins zweite Glied zurückversetzt zu werden.

Highlights gegen die Bayern

So blieben Highlights wie der 3:1-Sieg bei seinem Bundesliga-Debüt gegen den FC Bayern im Februar 2011 oder auch das 5:2 im DFB-Pokalfinale gegen die Münchner im Mai 2012 bislang eher die Ausnahme für Langerak.

Noch sei er zwar "völlig entspannt, trinke nach dem Training Kaffee und genieße einfach die Zeit", berichtete er.

Künftig würde der 1,92-Meter-Schlacks mit dem schelmischen Grinsen aber gerne öfter auf der ganz großen Bühne mitmischen. Nicht nur als Lückenbüßer und nicht nur alle paar Wochen mal.

Klopp fühlt mit Langerak

Ein Wunsch, der auch Trainer Klopp durchaus bewusst ist.

"Es ist keine Frage, dass ein außergewöhnlicher Torwart wie Mitch irgendwann auch die Nummer eins sein möchte", sagte er.

Fragt sich nur wann. Und wo.

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