Die gewagte Taktik des Hertha-Coaches geht auf. Die Euphorie in Berlin ist riesig. Luhukay und Preetz wollen diese nicht bremsen.

[kaltura id="0_4n5mbzmz" class="full_size" title=""]

Von Jörg Bullinger und Anett Sattler

München - Selbst Jos Luhukay mochte die Jubelfeiern nach dem 6:1-Auftakterfolg gegen Eintracht Frankfurt nicht verderben.

"Die Fans der Mannschaft sollen sich freuen", sagte der Trainer von Hertha BSC.

Ähnlich urteilte auch Michael Preetz. "Wir finden es phantastisch, wenn Begeisterung, Zuspruch und Euphorie für Hertha da sind. Die Fans dürfen gerne träumen, sie sollen auch träumen. Unsere Aufgabe ist es, es richtig einzuordnen", sagte der Manager im Interview mit SPORT1.

"Einfach Josartig"

Die Medien in der Hauptstadt lassen indes die "Alte Dame" richtig hochleben.

"Hertha: Einfach Josartig", titelt beispielsweise der "Berliner Kurier". Der sensationelle Auftakt wird vor allem dem mutigen Offensiv-Konzept des Aufstiegstrainers zugeordnet.

"Er hat es schnell geschafft, diese Mannschaft hinter seine Spielidee zu bringen und den Umschwung in Berlin einzuleiten", kommentierte auch Preetz.

"Image war 2012 enorm beschädigt"

Dass sich Luhukay nach dem Abstieg und den wochenlangen Querelen rund um das Relegationsspiel gegen Düsseldorf überhaupt für die Hertha entschieden hat, rechnet er dem Trainer hoch an.

"Das Image war im Sommer 2012 enorm beschädigt", meinte der Manager.

"Wir wussten, dass wir das nur wieder korrigieren können, wenn wir erfolgreich Fußball spielen. Er hat sich in einer Situation für uns entschieden, als es nicht leicht war, so einen Fußballfachmann nach Berlin zu bekommen."

Riesen-Lob für Luhukay

Preetz verteidigte außerdem die Art des 50-Jährigen, der bei seinem Amtsantritt mit Vorbehalten zu kämpfen hatte: "Es hieß immer, das ist ein netter Kerl, aber der hat keinen Glamour-Faktor für eine Stadt wie Berlin", erinnerte er sich.

"Ich finde, wir haben eine fabelhafte Antwort darauf gefunden. So ein ehrlicher, akribischer, geerdeter Arbeiter versprüht eben auch Glamour - aber einen Glamour, der uns bei Hertha BSC gut tut", sagte der ehemalige Hertha-Profi.

Vier Neulinge in der Startelf

Luhukay ging am 1. Spieltag ein Risiko ein und wurde belohnt.

Der 50-Jährige brachte Hajime Hosogai, der wegen des Confederations Cup nur drei Wochen in der Vorbereitung trainierte, für Peer Kluge.

Der Japaner räumte im defensiven Mittelfeld erstklassig ab und wurde von der Berliner Presse durchgehend mit Lob überschüttet.

Mit Alexander Baumjohann setzte er auf den zweiten Neuzugang in der Zentrale. Der ehemalige Lauterer bekam den Vorzug vor Publikumsliebling Ronny.

"Hertha hat jetzt auch einen weißen Brasilianer", schwärmt die "Bild". Baumjohann rechtfertigte seine Nominierung ebenso wie Hosogai, zog im Mittelfeld die Fäden und bereitete zwei Treffer vor.

Auch die Neuzugänge Johannes van den Bergh und Sebastian Langkamp spielten von Beginn an und gaben der Viererkette viel Stabilität.

Luhukay rasierte schon Thurk

Keine leichte Situation also für Ronny, der vom Berliner Fußball-Verband als "Spieler des Jahres" ausgezeichnet wurde und mit 18 Treffern einer der Garanten des Berliner Aufstiegs war.

Der Brasilianer kam in katastrophaler körperlicher Verfassung aus dem Brasilien-Urlaub nach Berlin.

Für Luhukay ein Unding. Wer den Hertha Trainer bei seinen vorigen Stationen beobachtet hat, weiß, dass er vor unpopuläre Maßnahmen keinen Halt macht.

Zu seiner Zeit beim FC Augsburg rasierte er nach dem Aufstieg den damaligen Publikumsliebling Michael Thurk und verbannte ihn aus dem Kader. Thurk machte kein Spiel mehr für den FCA.

Hosogai und Lustenberger glänzend

Auch Herthas Aufstiegskapitän Niemeyer bekam Luhukays strenge Linie jetzt zu spüren. Der Niederländer setzte ihn vor der Saison ab und wechselte ihn auch zum Liga-Auftakt nicht ein.

Als neuen Spielführer installierte Luhukay stattdessen den Schweizer Fabian Lustenberger.

Der Eidgenosse ergänzte sich gegen Frankfurt glänzend mit Hosogai und zeigte im defensiven Mittelfeld eine starke Leistung.

Ronny als Teamplayer

Die Degradierung sowie die Beispiele Thurk und Niemeyer sollten für Ronny Warnung genug sein. Die Botschaft scheint beim Edeltechniker angekommen zu sein.

"Mir hat das Tor gut getan", sagte er über seinen Treffer zum 6:1-Enstand nach seiner Einwechslung.

Am kommenden Spieltag tritt der Aufsteiger dann beim Club in Nürnberg an, wahrscheinlich wieder ohne Ronny in der Startelf.

Sollte sich bei den Test-Länderspielen unter der Woche niemand verletzten, wird Luhukay wahrscheinlich getreu dem Motto "Never change a winning team" die gleiche Elf wie beim Gala-Auftritt vom Samstag aufs Feld schicken.

Weiterlesen