Christian Fuchs und Benedikt Höwedes (v.l.) sind beim 3:3 noch Lichtblicke © getty

Schalke wird zum Auftakt seinen Ansprüchen nicht gerecht. Draxler gibt ein Verletzungs-Update. Der HSV glänzt im Barca-System.

Von Eric Böhm und Andreas Reiners

Gelsenkirchen/München - Langeweile passt einfach nicht zu diesem Klub.

Der spektakuläre Saisonauftakt von Schalke 04 hat wieder einmal bewiesen, dass zwischen Euphorie und Depression bei den Königsblauen nur wenige Minuten liegen können.

Dem Blitzstart nach 84 Sekunden folgte beim 3:3 gegen den Hamburger SV (Bericht) der blanke Horror mit Handelfmeter, Timo Hildebrands Slapstick-Einlage und Verletzung des Hoffnungsträgers Julian Draxler.

Der Nationalspieler hatte inmitten einer für Schalke-Verhältnisse erstaunlich ruhigen Vorbereitung noch vollmundig vom Titel gesprochen.

"Wir waren nach der Führung viel zu passiv. Dadurch haben wir den Gegner eingeladen. Es war ein chaotisches Spiel und hatte keinen Sieger verdient", bilanzierte Kapitän Benedikt Höwedes bei SPORT1.

Huntelaar sauer

Dabei hatte alles so gut angefangen: Die königsblauen Träume erhielten durch HSV-Spezi Huntelaar - zum fünften Mal in Folge traf der Torschützenkönig von 2011/2012 gegen die Hamburger - früh weitere Nahrung. ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltages )

Dann wurde innerhalb von Minuten jedoch schnell klar, dass Schalke in Wirklichkeit kaum stabiler ist als in der vergangenen Saison und das graue Mittelmaß nur einen Patzer durch Joel Matip und Co. entfernt ist.

Entsprechend sauer war Manager Horst Heldt bereits zur Pause und zeigte sich bei "Sky" über die Leistung "enttäuscht" und vermisste "die Struktur im Spiel."

Auch Torjäger Huntelaar war die Freude über den Doppelpack und den wenige Stunden später anstehenden 30. Geburtstag gründlich vergangen: "Ich fand uns spielerisch schwach. Wir müssen aus den Fehlern lernen."

Draxler sagt DFB ab

Auf die anfangs druckvolle Offensive wirkte sich vor allem das frühe Aus des nun dauerhaft in die Schaltzentrale versetzten Draxler aus.

Bei einem nicht geahndeten Tritt Tolgay Arslans erlitt die neue Nummer zehn eine Prellung der linken Achillessehne und sagte das Länderspiel am Mittwoch gegen Paraguay ab.

"Mir geht es bescheiden. Wenn man zu Hause drei Tore fängt, muss man sich nicht wundern, dass es nicht zum Sieg reicht. Zur Verletzung kann ich noch nicht viel sagen, weil noch alles grün und blau ist. Ob es für die nächste Woche reicht, muss man abwarten", konnte Draxler bei SPORT1 noch keine Prognose für das Gastspiel in Wolfsburg abgeben.

Szalai überzeugt

Erst als Trainer Jens Keller nach dem erneuten Rückstand zum 2:3 mit Neuzugang Adam Szalai auf zwei Spitzen umstellte, wurden die "Knappen" wieder dominanter. Zum vierten Mal in Serie reichte es aber nicht zu einem Auftaktsieg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben zuhause drei Gegentore gekriegt. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen weniger Gegentore zu bekommen als letztes Jahr. In Halbzeit zwei haben wir sehr viel richtig gemacht", analysierte Keller.

Eine weitere gefährliche Tendenz setzte sich fort. Schon nach dem wenig berauschenden Pokalspiel gegen Nöttingen war von "Arroganz" die Rede, nun sprach Draxler davon, Schalke wäre sich nach der frühen Führung "zu sicher gewesen" und habe "stark nachgelassen".

"Zwei Mal gepennt"

Angesichts eines riesigen Punkterückstandes auf die Meister aus München und Dortmund in den vergangenen drei Spielzeiten, sollte Selbstzufriedenheit eigentlich nicht auf der Mängelliste von S04 stehen.

Nicht nur diesbezüglich hatte ihnen der HSV etwas voraus. Statt ihre nach teils peinlichen Tests erstaunliche mutige Spielweise zu loben, ärgerten sich die Gäste über den verpassten Dreier.

"Wir haben in der ersten Halbzeit zwei Mal gepennt. Es waren ein, zwei Fehler zu viel, sonst hätten wir gewonnen. Das ist ärgerlich", meinte der starke Rafael van der Vaart.

Jarchow bestätigt

In Thorsten Finks Barcelona-System ohne echten Mittelstürmer fühlten sich der Kapitän, Neuzugang Jacques Zoua, Maximilian Beister und Youngster Hakan Calhanoglu sehr wohl.

Hätten sie sich Mitte der zweiten Hälfte nach Lasse Sobiechs Kopfballtreffer zum 3:2 nicht plötzlich zurückgezogen, wäre statt Rene Adlers Patzer auch ein viertes Tor drin gewesen.

"Letztes Jahr hätten wir hier noch 3:0 oder 4:0 verloren. Die Mannschaft hat aus ihren Fehlern gelernt. Jeder, der hier war, kann sagen, dass das ein geiles Spiel war", sagte Fink.

Vor der Saison hatte Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow für seine Aussage, der HSV sei mit Schalke "auf Augenhöhe" noch Kopfschütteln geerntet. Durch den couragierten Auftritt wurde er zumindest kurzfristig bestätigt.

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