Nicolai Müller war mit seinem Doppelpack gegen Stuttgart der Mann des Spiels © getty

Nicolai Müller schießt seine Mainzer zum Sieg gegen Stuttgart, sein Namensvetter glänzt mit einer Ausnahme. Der VfB hadert.

Mainz - Shinji Okazaki saß strahlend auf dem Zaun und reckte immer wieder die Faust in die Luft, Nicolai Müller genoss daneben seine Eigenwerbung vor den Augen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Bundestrainer-Assistent Hansi Flick:

Der Japaner mit einem Abseitstor gegen seinen Ex-Klub (65.) und der im Mai zum Nationalspieler aufgestiegene Müller (14./78.) waren beim 3:2 (1:1)-Erfolg des FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart (Bericht) die Torschützen der Rheinhessen und sorgten für einen gelungenen Saisoneinstand.

Müller hat tierischen Spaß

"Es hat tierischen Spaß gemacht", zog Matchwinner Nicolai Müller nach der Partie ein entsprechend begeistertes Fazit bei "Sky": "Es war ein harter Kampf mit dem glücklichen Ende für uns - so kann es weitergehen."

Der 25-Jährige legte mit seinem sehenswerten 1:0 den Grundstein für den Sieg und ließ dabei den bei Stuttgart in die Startelf beförderten Innenverteidiger Benedikt Röcker alt aussehen. ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltags )

"Ich habe eine Körpertäuschung gemacht, Röcker rutscht aus - das kommt mir natürlich gelegen", berichtete Müller: "Danach habe ich eiskalt verwandelt."

Der Mainzer Manager Christian Heidel schwärmte: "Astreines Tor, da hat er sich überragend durchgesetzt und klasse abgeschlossen."

Auch Heinz überragt ...

Die Mainzer, die mittlerweile sechsmal in Folge beim Ligastart nicht verloren haben, feierten saisonübergreifend nach neun Punktspielen ohne Sieg wieder einen Erfolg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Garant dafür war neben den Torschützen vor allem Torhüter Heinz Müller. Chance um Chance machte der für Christian Wetklo wieder zur Nummer eins beförderte 35-Jährige zunichte.

"Die beiden Müllers waren in einer starken und leidenschaftlichen Mannschaft sehr auffällig", resümierte FSV-Coach Thomas Tuchel. Auch Namensvetter Nicolai lobte seinen Keeper: "Der Heinz hat heute sensationell gehalten."

... mit einer Ausnahme

Allerdings trübte Heinz Müller mit einem schweren Patzer vor dem 2:3 (82.) seine überragende Leistung. Ein Schuss von Cacau klatschte der Keeper Martin Harnik vor die Füße und konnte durchatmen, als Mainz dann doch den Dreier im Sack hatte.

Verwirrung gab es, als die Fans "Müller auf den Zaun" forderten. "Wir haben jetzt zwei Müllers auf dem Platz, deswegen mussten wir beide hoch", sagte der nicht für das Länderspiel gegen Paraguay nominierte Nicolai Müller.

Bobic sauer über Abseits-Tor

Neben dem Mainzer Jubel gab es auf der anderen Seite eine Menge Frust bei Stuttgart, das nach erfolgreichen Auftritten im DFB-Pokal und der Europa League in der Liga strauchelte.

"Das 2:1 war klares Abseits, das hat man von außen gesehen. Und es hätte auch einmal Gelb-Rot für die Mainzer geben müssen", schimpfte der Stuttgarter Sportvorstand Fredi Bobic.

Ähnlich sah es Trainer Bruno Labbadia, der mit Blick auf Referee Florian Meyer erklärte: "Ich finde, das war ein sehr unglücklicher Auftritt. Er muss auch einen Platzverweis für Niki Zimling geben. Er lässt es weiterlaufen, aber traut sich dann nicht, ihn zu bestrafen."

Riesen-Torchancen - aber zu wenig Tore

Dass es trotz der Tore von Vedad Ibisevic (16.) und Harnik (82.) letztlich nicht zum Punktgewinn reichte, mussten sich die Stuttgarter auch selbst ankreiden.

"Wir hatten Riesen-Torchancen, davon habe ich zwei Hundertprozentige nicht genutzt. Wir haben uns trotzdem nie aufgegeben, aber Heinz Müller hat einen Sahnetag erwischt", haderte Harnik: "Der Frust wurde immer größer bei mir, denn ich wollte meine Aufstellung rechtfertigen. Dass es nicht geklappt hat, ärgert mich unheimlich."

Sportvorstand Bobic resümierte: "Es war ein intensives Spiel mit vielen glasklaren Torchancen auf beiden Seiten. Mit 3:3 oder 4:4 hätten beide hier rausgehen können."

Abwehr macht Sorgen

Bei den Stuttgarter, die bereits ohne den verletzten Georg Niedermeier (Innenbandriss im Knie) antreten mussten, fiel nach 21 Minuten auch noch Serdar Tasci mit Achillessehnenproblemen aus und verschärfte die ohnehin prekäre Lage in der Innenverteidigung.

"Nach Tascis Ausfall mussten wir improvisieren. Dass wir da nicht ganz sattelfest sind, ist klar", rechtfertige Trainer Labbadia die Wackler in der neu-formierten Innenverteidigung mit Röcker und Neuzugang Daniel Schwaab.

Der Ex-Leverkusener selbst erklärte: "Wir müssen uns besser abstimmen und noch mehr kommunizieren. Wir können einiges aus dem Spiel mitnehmen, um dann nächste Woche besser gewappnet zu sein."

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