Dante (l.) eroberte in der Vorsaison mit den Bayern Meisterschaft, Pokal und Champions League © getty

Die Münchner sind plötzlich anfällig für Konter, Dante analysiert, woran es hapert. Hoeneß setzt auf die Einsicht Guardiolas.

Von Patrick Mayer

München - Dante wird der sanfte Spott von Horst Seehofer mit zu Brasiliens Nationalteam begleiten.

Mit der Selecao muss der Innenverteidiger des FC Bayern am Mittwoch in der Schweiz ran und wahrscheinlich wird er auch in Basel darüber nachsinnen, warum Bayerns einstige Beton-Abwehr derzeit so rissig erscheint.

"Ich habe dem Sportsfreund Dante gratuliert, dass er auf dem besten Weg ist, Torschützenkönig des FC Bayern zu werden", hatte Bayerns Ministerpräsident nach Dantes Eigentor beim 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach gefrotzelt.

Es war ein leichter Poltiker-Spaß und doch hatte Seehofer indirekt angesprochen, dass Bayerns Viererkette nicht länger fehlerfrei ist.

Dante hatte die Lücken gegen Gladbach selbst erkannt und analysiert: "Konzentrieren ist wichtig, wenn wir angreifen, müssen wir sofort decken, decken, decken."

"Dürfen keinen Zweikampf verlieren"

Ein Ballverlust und der Gegner hat im neuen System von Cheftrainer Pep Guardiola plötzlich freie Fahrt Richtung Bayern-Tor.

"Wir dürfen keinen Zweikampf verlieren", forderte Dante daher (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Eine ebenso unmissverständliche wie schwer erfüllbare Forderung.

Doch auch Manuel Neuer hatte Defizite ausgemacht. "Wenn die Spieler vernünftig umschalten und das Zentrum schließehn, können wir das Spielfeld permanent kontrollieren", folgerte der Nationalkeeper.

Das Zentrum beherrschen

Mehrfach drohte der Rekordmeister von forschen Gladbachern überrannt zu werden. Dabei erwartet Guardiola auch im 4-1-4-1-System von seinem Personal die "totale Kontrolle".

Über den Gegner, das Spiel, die Mitte. Dort fällt seiner Auffassung nach die Entscheidung über Sieger und Verlierer.

Barca beherrschte diesen Part des Feldes in Perfektion. Die Spieler hatten seine Vorgaben verinnerlicht, meist jahrelang geschult im hauseigenen Fußballinternat "La Masia".

Den Bayern muss der Katalane diese Selbstverständlichkeit erst noch "einimpfen".

Gerade das defensive Mittelfeld, nur noch mit Bastian Schweinsteiger als alleinigen Sechser besetzt, kommt ungekannt entblößt daher.

Hoeneß plädiert für Martinez

"Ich glaube, dass Bastian Schweinsteiger alleine auf der 'Sechs' nicht die Dauerlösung sein kann, schon gar nicht gegen die starken Gegner", befand Dieter Hoeneß in "Mittendrin" auf SPORT1.

"Ich sehe da schon Javi Martinez als geeigneten Spieler", fügte der Ex-Bayern-Profi hinzu.

Hoeneß vertraut Peps Gespür

Beim FCB klappt Guardiolas neuer Ansatz noch nicht. Womöglich überdenkt Guardiola sein System sogar noch einmal.

"Pep ist hochintelligent, er wird seine Mannschaft nicht ins offene Messer rennen lassen", sagte FCB-Präsident Uli Hoeneß im "kicker".

Der Trainer lässt sich derzeit bewusst auch nicht auf eine Formation festlegen. "Ich mag dieses System, aber vielleicht werde ich in Zukunft dieses System wechseln", verriet er.

Vorbild Barcelona

Franck Ribery bringt die defensive Verunsicherung (vorerst) aber nicht aus dem Konzept.

"Wir wolle' mache wie Barcelona!'", erklärte der Filigrantechniker nach dem Auftaktspiel gegen Gladbach.

In Barcelona setzte Guardiola auf eine spektakuläre Offensive, Sergio Busquets stopfte als Dauerläufer vor der Abwehr sämtliche Löcher.

Strunz: "Das kann nach hinten losgehen"

"Mit dem Defensivkonzept wird Guardiola nicht zufrieden sein. Wir haben im Supercup gegen den BVB gesehen, dass das nach hinten losgehen kann" kommentierte SPORT1-Experte Thomas Strunz im Volkswagen Doppelpass .

Kritiker verweisen auf das bisher Gesehene. Auf die Konteranfälligkeit im Mittelfeld, dem Mannschaftsteil, den die Bayern eigentlich dominieren sollen.

Offen für Konter

Nicht nur Gladbach nutzte die taktische Umstellung, um den Gegner in Bedrängnis zu bringen. Borussia Dortmund bespielte die Mitte im Supercup-Finale beharrlich. Das Resultat: Die Bayern fingen sich vier Tore.

So viele, wie seit dem verlorenen Pokalfinale 2012 (2:5) nicht. Die MÜnchner sind offen für Konter wie selten zuvor.

Das bewies auch das Finale des Audi Cups gegen Manchester City. Alvaro Negredo ließ Martinez beim Tor zum 0:1 einfach stehen, schlimmer noch, er nahm dem zum Innenverteidiger umgeschulten Spanier im Sprint mehrere Meter ab.

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