Robin Dutt (l.) übernahm die Nachfolge von Thomas Schaaf auf der Werder-Bank © getty

Bremen reagiert erleichtert auf den späten Sieg zum Liga-Start bei Aufsteiger Braunschweig. Trainer Robin Dutt sorgt sich trotzdem.

Braunschweig - Seine Stimme klang schon reichlich heiser, aber das war dem total aufgekratzten Zlatko Junuzovic völlig egal.

"Ich hätte zehn Stunden vor unserer Fankurve schreien können", krächzte der Österreicher, der mit seinem Tor in der 82. Minute Werder Bremens längste Durststrecke in der Bundesliga nach sechs Monaten ohne Sieg beendet hatte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dass das 1:0 (0:0) beim Aufsteiger Eintracht Braunschweig so manches mit Einsatzwillen und Engagement, aber herzlich wenig mit Fußball zu tun hatte, ließ den Torschützen ziemlich kalt:

"Es war ein dreckiger Sieg. Nur die drei Punkte zählen, wir hätten auch ein Eigentor mitgenommen." Abwehrchef Sebastian Prödl hatte den Ball in der Schlussphase einfach nach vorne gedroschen, Landsmann Junuzovic übernahm und traf. ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des Spieltags )

Dutt warnt vor Euphorie

Ein Treffer, der den Hanseaten mitsamt des neuen Trainers Robin Dutt ein wenig Ruhe verschafft. Der Werder-Coach Dutt fasste nach durchwachsener Vorbereitung und dem Pokal-Aus in Saarbrücken Mut für die kommenden Aufgaben.

Mit dem FC Augsburg kommt am nächsten Samstag ein schlagbarer Gegner ins Weserstadion. Ein weiterer Sieg würde auch die sechsmonatige Heimmisere beenden.

"Für manche waren wir vor dem Spiel schon abgestiegen, jetzt sieht das Stimmungsbarometer schon anders aus", sagte Dutt, dem aber auch die vielen grün-weißen Unzulänglichkeiten nicht verborgen geblieben waren:

"Wir werden eine schwere Saison haben und um jeden Punkt kämpfen müssen."

Euphorie trotz Niederlage

Den Braunschweigern wird es genauso gehen. Die Aufstiegseuphorie wollen die sich aber nicht vermiesen lassen.

Eintracht-Sportdirektor Marc Arnold war die schier grenzenlose Zuneigung der Anhänger fast schon umheimlich. "Wahnsinn, dass ich fünf unserer Spieler aus der Dusche holen und noch einmal zu den Fans schicken musste", sagte er.

Trainer Torsten Lieberknecht trauerte den vergebenen Siegchancen nach, schaltete aber schnell auf Durchhaltemodus um. "Dieser Tag tut weh, aber wir werden uns weiter stellen", sagte der 40-Jährige am Samstag.

"Erste Liga eine große Chance"

Zehn Akteure ohne jegliche Erstliga-Erfahrung kamen bei den Braunschweigern zum Einsatz. Den eingeschlagenen Weg will Lieberknecht trotzdem nicht verlassen.

"Wir wollten ja eigentlich noch vier, fünf Jahre in der Zweiten Liga bleiben. Jetzt sind wir so doof und steigen auf", sagte er schmunzelnd im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1:

"Diese erste Liga ist für uns eine große Chance, das weiter zu führen. Wenn man das richtig anpackt, ist das ein Geschenk, mit dem man umgehen muss. Wir wollen uns unbedingt sportlich ehrgeizig zeigen und nichts herschenken."

Mammutaufgabe in Dortmund

Selbst das könnte am kommenden Spieltag aber zu wenig sein. Im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund dürfte wenig zu holen sein, doch ein ähnliches sportliches Desaster wie die SpVgg Greuther Fürth in der Vorsaison wollen die Niedersachsen nicht erleben.

Und sie werden es auch nicht, wenn man Dutt glauben darf: "Hier in Braunschweig werden noch einige Mannschaften Punkte liegen lassen."

Hier weiterlesen: Lieberknecht fordert Torlinientechnik

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