Der Torklau von Sinsheim zeigt, wie groß der Leidensdruck bei Spielern, Fans und Schiedsrichtern ist. Die DFL ist gefordert.

Ganz bestimmt findet die DFL auch diesmal einen guten Grund. Vielleicht die Erinnerung an einen Grundsatzbeschluss. Oder der Verweis der Kostenanalyse in die "zuständigen Gremien".

Dabei ist das Maß spätestens seit Samstagnachmittag voll.

Der Torklau von Sinsheim lenkt das Scheinwerferlicht einmal mehr auf das leidige Thema Torlinientechnik.

Mit Thorsten Kinhöfer traf es beim regulären Treffer von Hoffenheims Kevin Volland einen der deutschen Top-Schiedsrichter.

[image id="8c9c84d1-63d0-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Dass sich Kinhöfer nach Ansicht der TV-Bilder vor die Journalisten stellte und klipp und klar sagte, dass sich die Referees beim Thema Tor oder kein Tor Unterstützung wünschen, zeigt, wie hoch der Leidensdruck mittlerweile ist.

Dabei sind sich Spieler, Trainer und Schiedsrichter einig, dass technische Hilfen bei der elementaren Entscheidung des Fußball-Spiels notwendig sind.

Die Fans muss ohnehin niemand mehr überzeugen.

Nur die DFL stellt sich quer. Seitdem das International Football Association Board, die oberste Regelinstanz im Weltfußball, im Juli 2012 grundsätzlich dem Einsatz einer Torlinientechnik zugestimmt hat, findet der Liga-Verband immer wieder neue Formulierungen, die das gleiche sagen: Wir wollen nicht.

Erst wartete man auf einen schriftlichen Bescheid der FIFA (Juli 2012), man mahnte bei der Entscheidung zu "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" (September 2012).

Dann sorgte man sich um die "Genauigkeit der Messungen" und wollte den FIFA-Test beim Confed Cup 2013 abwarten (November 2012) und schließlich beschloss man im März (also vor dem Confed Cup), dass in der Bundesliga bis zum 1. Juli 2015 erst mal gar nichts eingeführt wird.

Die Hintergründe bleiben im Dunkeln. Die oft angeführten Kinderkrankheiten der lizenzierten Systeme können so schlimm nicht sein.

Schließlich setzt die FIFA die Technik auch bei der WM 2014 ein. In anderen hoch professionalisierten Sportarten wie Tennis oder American Football funktionieren die technischen Hilfen auch reibungslos.

Ist die DFL womöglich sogar gefangen im Machtkampf der Sonnenkönige?

FIFA-Boss Sepp Blatter ist nach einem spektakulären Meinungsumschwung mittlerweile ein Anhänger der Torlinientechnik, sein UEFA-Widersacher Michel Platini lehnt diese und andere Hilfsmittel strikt ab.

So oder so gibt es für die DFL, die sich ja immer sehr um eine professionelle Außendarstellung und eine florierende Vermarktung bemüht, spätestens seit Samstag eigentlich nur noch eine Lösung:

Torlinientechnik jetzt!

Weiterlesen