Am Beispiel Hertha BSC zeigt sich, dass die TV-Einnahmen nicht nur nach der jeweils aktuellsten Saisonleistung berechnet werden, sondern über einen Zeitraum der vergangenen fünf Jahre. Trotz Platz elf in der vergangenen Spielzeit reicht es für die Berliner in der TV-Tabelle mit 21,186 Millionen Euro nur zu Rang 16
Hertha BSC feierte den höchsten Auftaktsieg eines Bundesligisten seit 1974 © getty

Der Aufsteiger stürmt gegen Frankfurt die Tabellenspitze und versetzt Berlin in Euphorie. Sämtliche Maßnahmen Luhukays gehen auf.

Von Christian Stüwe

München/Berlin - An manchen Tagen klappt einfach alles.

Scheinbar mühelos dribbelte Herthas Ronny mehrere Frankfurter Verteidiger aus und zog von halblinks ab.

Irgendwie fand der Ball vorbei an Eintracht-Torwart Kevin Trapp den Weg ins Tor. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es war der Treffer zum 6:1-Endstand (Bericht).

Der höchste Auftaktsieg eines Bundesligisten seit 1974 bescherte dem Aufsteiger die sensationelle Tabellenführung und stürzte die Hauptstadt in einen Freudentaumel.

Ronny zunächst draußen

Ausgerechnet Ronny. Der Aufstiegsheld war mit Fitnessrückstand aus dem Sommerurlaub in der brasilianischen Heimat zurückgekehrt.

Trainer Jos Luhukay ließ den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler zunächst auf der Bank und setzte stattdessen auf Neuzugang Alexander Baumjohann hinter den Spitzen.

Das hätte auch schief gehen können, bei einer Niederlage hätte der Niederländer seine Maßnahme wohl erläutern müssen.

Aber nicht an diesem bemerkenswerten Samstag. Ronnys Jokertor war das i-Tüpfelchen auf einem "genialen Nachmittag", wie Sami Allagui erläuterte.

Allaguis bemerkenswerte Statistik

Außergewöhnlich war dabei auch Allaguis Statistik.

In den letzten sechs Spielzeiten hat der offensive Mittelfeldspieler jeweils mindestens ein Tor am ersten Spieltag erzielt, gegen die völlig indisponierten Frankfurter gelang ihm sogar ein Doppelpack.

"Es ist schon komisch, es ist die sechste Saison, dass ich am ersten Spieltag immer treffe, und meistens haben wir auch noch gewonnen - das ist ein schönes Gefühl", sagte der 27-Jährige.

Von Anfang an habe er gemerkt, "dass Bereitschaft und Leidenschaft auf dem Platz waren. Wir waren immer einen Ticken schneller da, wir haben gebrannt", berichtete der Deutsch-Tunesier.

"Die ganze Stadt war da"

Dann brachte Allagui das Befinden in Berlin auf den Punkt: "Wir haben ein Jahr darauf gewartet, dass wir mit Hertha wieder Bundesliga spielen können. Die ganze Stadt war da."

Im Frühjahr 2012, vor genau 462 Tagen, war die Hertha nach einem skandalösen Relegationsrückspiel in Düsseldorf in die Zweite Liga abgestiegen.

Als Meister kehrte die "Alte Dame" in die Bundesliga zurück, der spektakuläre Auftaktsieg dürfte weiter zur Bewältigung des Relegationstraumas beitragen.

Luhukay voll und ganz zufrieden

"Das ist ein wunderschöner Tag für Berlin. Es ist in dieser Höhe ein unglaubliches Ergebnis, davon konnten wir vorher nur träumen", sagte Luhukay: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft."

Vor allem die Offensive zeigte eine beachtliche Leistung.

Stürmer Adrian Ramos erzielte ebenso wie Allagui ein Doppelpack, Änis Ben-Hatira und Neuzugang Alexander Baumjohann wirbelten im Mittelfeld und waren an praktisch allen gefährlichen Szenen beteiligt.

Drei Mal trafen die Berliner sogar das Aluminium, das Ergebnis hätte also durchaus noch höher ausfallen können.

"Wir haben in jeder Minute versucht, Frankfurt nicht in den Rhythmus kommen lassen", erklärte Luhukay:

"Die Leistung war sensationell. Wir haben jetzt die ersten drei Punkte, jetzt können wir noch ein bisschen das Spiel genießen."

Nächste Woche auswärts beim Club

Die Hertha spielt nun in Nürnberg, dann kommt der Hamburger SV in die Hauptstadt. Die Chance, noch ein wenig länger an der Spitze der Tabelle zu bleiben, ist also durchaus gegeben.

In Berlin, wo in den vergangenen Jahren die Leistungen oft hinter den Ansprüchen hinterher hinkten, waren aber alle bemüht, die Euphorie zu dämpfen.

"Wir werden ganz schnell wieder in den Alltag zurückkehren. Wir können immer noch etwas verbessern. Der Anfang ist gelungen, jetzt wollen wir daran anknüpfen", sagte Luhukay.

"Nach zehn Spieltagen kann man frühestens auf die Tabelle gucken", erklärte auch Allagui.

Ratlose Eintracht

Bei der Eintracht, die letztes Jahr als Aufsteiger bis in die Europa League stürmte, wusste hingegen niemand so richtig, was geschehen war.

"Ich soll etwas erklären, was ich nicht erklären kann", sagte Kapitän Pirmin Schwegler: "Das ist ein schwerer Tag."

Auch Armin Veh war einigermaßen ratlos.

"Es ist schwer für mich, das Spiel zu analysieren", meinte der Frankfurter Trainer: "Ich werde es mir noch mal ansehen müssen, denn es sind so viele Dinge passiert, die sonst nicht passieren."

Dabei drängte die Eintracht nach Alexanders Meiers (37.) zwischenzeitlichen Ausgleich per Foulelfmeter sogar auf Ausgleich.

In dieser Phase hätte die Partie durchaus kippen dürfen. An diesem perfekten Nachmittag der Hertha war dies allerdings ein Ding der Unmöglichkeit.

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