Leon Andreasen kam 2009 aus Fulham zu Hannover 96 © imago

Nach langer Leidenszeit feiert Hannovers Däne im Derby gegen Wolfsburg ein perfektes Startelf-Comeback und wird begeistert gefeiert.

Hannover - Seine blauen Augen funkelten noch ein bisschen heller als sonst.

Völlig ausgepumpt, aber mit einem überglücklichen Lächeln im Gesicht schleppte sich Leon Andreasen durch die Katakomben der Hannoveraner WM-Arena. ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltages )

Nach dem so wichtigen 2:0 (1:0)-Auftaktsieg von Hannover 96 in einem rassigen Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg (Bericht) konnte sich der Däne vor Glückwünschen kaum retten.

"Hat sich diese glanzvolle Rückkehr verdient"

"Man hat heute gesehen, wie wichtig Leon für die Mannschaft ist. Für ihn freut es mich ganz besonders. Er ist ein toller Typ und hat sich diese glanzvolle Rückkehr verdient", sagte 96-Präsident Martin Kind.

Knapp elf Monate nach seinem Kreuzbandriss im rechten Knie feierte Andreasen ein perfektes Startelf-Comeback.

Sein Treffer in der 17. Minute ebnete seinem Team den Weg zum verdienten Heimerfolg.

Als sich der dänische Nationalspieler nach 80 Minuten völlig erschöpft auswechseln ließ, erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Glücklich und bescheiden

Andreasen selbst nahm das Lob von höchster Stelle gerne entgegen, gab sich nach der Partie aber gewohnt bescheiden.

"Ich freue mich sehr über das Tor bei meinem Comeback, aber am Ende ist es doch egal, wer die Tore macht - die Hauptsache ist, wir haben gewonnen", sagte der defensive Mittelfeldspieler, wohlwissend, dass er eine ähnliche Rückkehr schon einmal hingelegt hat.

Nur 24 Ligaspiele seit 2009

Andreasen spielt seit 2009 für 96, kommt bislang allerdings lediglich auf 24 Ligaspiele. Immer wieder hatte er mit Verletzungspech zu kämpfen.

Erst im August 2012 war er nach zwei Jahren Pause und mehreren Leisten-Operationen auf die Bundesliga-Bühne zurückgekehrt - damals hatte er ebenfalls getroffen, bevor er sich am 5. Spieltag die nächste schwere Verletzung zuzog.

"Ich will einfach ein Spiel nach dem anderen machen", sagte Andreasen jetzt nach seinem Startelf-Comeback:

"Die Zukunft ist beim Fußball nicht so mein Ding. Ich bin am Samstag hundertprozentig dabei, dann muss ich runterkommen, um am nächsten Samstag wieder voll da zu sein."

Auch Bittencourt und Diouf wirbeln

Doch nicht allein bei Andreasen durfte sich Hannovers Trainer Mirko Slomka für den gelungenen Saisonauftakt bedanken.

Auch Neuzugang Leonardo Bittencourt und Stürmer Mame Diouf, der sich von den anhaltenden Wechselgerüchten überhaupt nichts anmerken ließ, wirbelten die Gäste-Abwehr ein ums andere Mal durcheinander.

Nach einer durchwachsenen Vorbereitung erinnerte 96 mit seiner Aggressivität in den Zweikämpfen und dem schnellen Umschaltspiel nach vorne sogar phasenweise an die glanzvollen Europacup-Auftritte der Vergangenheit und unterstrich damit seine Ambitionen auf die internationalen Plätze.

Slomka schwärmt

"Es war ein unheimliches Tempo, eine fantastische erste Halbzeit", analysierte Slomka: "In der zweiten Halbzeit haben wir dann ein bisschen Angst bekommen und sind zurückgewichen."

Der Coach ergänzte: "Zudem haben wir die Konterchancen nicht konsequent genutzt, dann aber Gott sei Dank rechtzeitig noch das 2:0 gemacht. Ansonsten wäre es sicherlich noch einmal wild geworden."

Nach dem 2:0 durch Szabolcs Huszti (84.) war die Partie entschieden.

Wolfsburg hadert mit Platzverweisen

Wolfsburg, das bei der Rückkehr von Trainer Dieter Hecking an seine alte Wirkungsstätte lange Zeit gut mitspielte, haderte dagegen mit den zwei Platzverweisen.

"Wir fühlen uns nicht korrekt behandelt", sagte Hecking.

Vor allem die umstrittene Rote Karte für Youngster Maximilian Arnold (32.) wegen gestreckten Beins gegen Karim Haggui sorgte für Verärgerung.

Zudem erhielt Neuzugang Timm Klose wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte (52.).

Hecking lobt sein Team

Seiner Mannschaft machte Hecking trotz der ersten Niederlage nach zuletzt zehn ungeschlagenen Ligaspielen ein großes Kompliment.

Trotz doppelter Unterzahl hatte sich sein Team zahlreiche Chancen erspielt, scheiterte aber immer wieder an Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler und zweimal der Latte.

"Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht - und zwar von der ersten Minute an", sagte der Wölfe-Coach.

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