Pep Guardiola trainierte von 2008 bis 2012 die Profis des FC Barcelona © getty

Der Bayern-Coach räumt nach dem Sieg über Gladbach eine neue Anfälligkeit ein, auch die Kommunikation holpert ihm zu sehr.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Martin Volkmar

München - Zweiteiler, Einstecktuch, dazu braune Lederschuhe: Pep Guardiola hielt das elegante Gewand bei seinem Bundesligadebüt nicht davon ab, wie ein Derwisch in der Coaching Zone herumzuwirbeln.

Mit beiden Händen verschob der Bayern-Trainer imaginäre Berge, ja Gebirgsketten. Das Pressing seines Teams passte dem Katalanen nicht und wenn Bälle verloren gingen, durchzuckte es den 42-Jährigen beim 3:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach wie Rumpelstilzchen ( 758798 DIASHOW: Die Bilder des 1. Spieltags ).

"Wir müssen die Konter besser kontrollieren in den nächsten Spielen, aber die Bundesliga hat ihre Qualitäten", kommentierte Guardiola nach getaner Arbeit im Bauch der Allianz Arena.

45 Tage Experimentieren zu Ende

Und er gestand: "Das erste Spiel als neuer Trainer in einem neuem Verein ist nie einfach." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

45 Tage lang hatte er mit seiner Truppe auf just jenen Tag hingearbeitet, fast jeden Spieler auf einer neuen Position ausprobiert, um am Ende zum Start der 51. Bundesliga-Saison fast schon konservativ aufzustellen.

Nur auf einer Position - Toni Kroos für Javier Martinez - unterschied sich der FC Bayern von der Startelf im Champions-League-Finale Ende Mai. Doch Bayerns Fußball hat sich gewandelt: Er ist noch offensiver, dynamischer geworden und zugleich anfälliger für zügige Gegenstöße.

Bastian Schweinsteiger als alleiniger Sechser vermochte kaum alle Lücken zu schließen. Und die weit aufgerückten Außenverteidiger führten dazu, dass die Gladbacher auffällig oft von links oder rechts in den Strafraum marschieren konnten.

Guardiola sieht Defizite

"Wir müssen das Spiel besser kontrollieren, die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit hatten wir große Löcher", mäkelte Guardiola.

Umgekehrt klappte in Bayerns Offensivspiel in der ersten halben Stunde schon viel sehr gut.

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"Wir brauchen dieses Ergebnis für Ruhe und keinen Druck. Ich bin mir sicher, wir werden uns verbessern", meinte der FCB-Coach. Dabei verwies der Spanier auch offen darauf, dass die Kommunikation längst nicht perfekt ist. "Mit meinem Deutsch ist es schwierig für mich, den Spielern etwas zu erklären."

In Barcelona legte Guardiola 2008 mit einer Niederlage und einem Remis los, der Baum brannte.

In München hat der Startrainer jetzt mehr Ruhe, zumal die beiden Neuzugänge Mario Götze und Thiago Alcantara verheißungsvolle Optionen bieten. Gegen Gladbach fehlten beide, Thiago wegen Fieber, Götze hat nach seiner Verletzung Trainingsrückstand.

Testspiel für Götze

Immerhin soll der Ex-Dortmunder am Sonntag beim Testspiel im ungarischen Györ zum ersten Mal als Bayern-Profi auf dem Platz stehen. Zuvor werden die Triple-Sieger am Samstagmittag noch mit allem Pomp in der bayerischen Staatskanzlei von Ministerpräsident Horst Seehofer geehrt.

Die Bayern werden sich in dieser Spielzeit noch weiter in diesem Spannungsfeld bewegen aus glorreicher Vergangenheit und Liga-Alltag. Dabei sind ihnen die eigenen Unzulänglichkeiten bewusst.

Robben hofft auf Feintuning

"Wir sind aber noch nicht da, wo wir hinwollen, kleine Dinge fehlen noch", befand Arjen Robben. "Wir werden noch besser in den nächsten Wochen."

Der Niederländer hatte nach genialer Vorarbeit von Franck Ribery die Führung erzielt, Mario Mandzukic das 2:0 nachgelegt. Doch nach Dantes Eigentor wirkten die Bayern im ersten Teil der zweiten Hälfte wackelig.

Müller selbstkritisch

"Wir wissen alle, dass wir ein paar Tormöglichkeiten zu viel zugelassen haben, daran werden wir in den nächsten Wochen arbeiten", sagte Thomas Müller im Gespräch mit SPORT1.

Nach seinem Dreierpack im DFB-Pokal gegen Rehden offenbarte Müller der Fußballwelt ein Geheimnis: Auch er kann Elfmeter verschießen. Das hätte man angesichts seiner bisherigen Quote kaum für möglich gehalten.

"Ich habe die falsche Strategie gewählt und nicht geschaut, wo ich hinschieße", klagte der Oberbayer. Gladbachs Pechvogel Alvaro Dominguez bescherte Bayern aber die zweite Gelegenheit.

Pechvogel Dominguez

Bei der Abwehraktion nach Müllers Fehlversuch spielte er erneut Hand, es gab wieder Elfmeter.

Die Gladbacher tobten, doch als Keeper ter Stegen nach der Partie die Fernsehbilder gesehen hatte, hatte er gegen die Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Welz plötzlich nicht mehr viel vorzubringen.

Dominguez hatte die Schuld längst auf sich genommen, was sollte der Spanier nach dieser wohl historischen Aktion von zwei Handelfmetern binnen 180 Sekunden auch anderes tun?

Ter Stegen: "Wir waren mutig"

Ter Stegen bemühte sich nach dem Aus im DFB-Pokal und der Niederlage in München herauszufiltern, warum es den "Fohlen" in Wochenfrist gegen Hannover 96 besser ergehen soll.

"Wir waren mutig. Nach dem 2:1 haben wir gemerkt, dass etwas geht. Wir können viele positive Sachen mitnehmen", erklärte er.

Sein Chef Lucien Favre urteilte strenger: "Wir haben gut gespielt, aber es sind noch viele Sachen zu korrigieren."

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