Gladbachs Coach ist sich vor dem Ligastart sicher, Bayern knacken zu können. Die Münchner haben nicht nur diese eine Sorge.

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Von Mathias Frohnapfel

München - Der Spitzname beglückte Lucien Favre. "Borussia Barcelona" wurde die Gladbacher geheißen, als sie 2012 völlig überraschend auf Platz vier stürmten.

Jetzt hat der Schweizer Trainer die Gelegenheit zu zeigen, dass er mit seiner Barca-Kopie sogar dem Original Paroli bieten kann: Pep Guardiola und dem FC Bayern.

"Ich weiß, wie Guardiola spielt", kündigt Favre vor dem Bundesligastart in München (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) kühn an.

Der clevere Schweizer glaubt, dass er Guardiola, den Grandseigneur des schönen Spiels, entschlüsselt hat: "Die Bayern bilden überall auf dem Platz Dreiecke, so dass der Ballführende immer zwei Anspielmöglichkeiten hat. Die Pässe gehen fast immer nach vorne. Das schaffen sie, weil sie immer in Bewegung sind und immer einen Winkel finden."

Aufwärmphase seit 20 Jahren

Wenn man so will, läuft sich Favre quasi seit 20 Jahren für das Match gegen Guardiola warm.

1993 hospitierte der Schweizer 15 Tage lang beim großen Johan Cruyff in Barcelona. "Ich war bei der ersten Mannschaft und der Jugend", berichtet er. "Ich habe dort so viel gelernt."

Der Lenker in Cruyffs Team hieß - Überraschung, Überraschung - Guardiola. Favre bezeichnet sich seit der Zeit damals als "Barca-Sympathisant".

Ausgeglichene Bundesliga-Bilanz

Nun kann er zeigen, was er gelernt hat. Und dabei seine persönliche Bundesliga-Bilanz gegen den FC Bayern weiter aufbessern. Denn Favre ist durchaus ein Schreckgespenst für die Bayern: Fünf Mal ließ er als Gladbacher Coach seine "Fohlen" auf die Münchner los - Nur zwei Mal kamen sie ohne Punkte zurück.

"Man muss selbst viel laufen, in höchstem Tempo agieren - und wir müssen den Mut haben, auch selbst Fußball zu spielen. Wir müssen etwas wagen!", verrät er sein Konzept gegen den Triple-Sieger.

Dass es vor kurzem beim Telekom-Cup eine 1:5-Klatsche gab, die Münchner Gladbach teilweise zerpflückten, wischt Favre weg. "Zu viele individuelle Fehler" habe es da gegeben, argumentiert er.

Gladbachs Coach muss in den Raubtierkäfig nach München, in der Vorsaison schaffte er hier immerhin ein 1:1. Selbstbewusst tritt der Cheftaktiker ohnehin auf.

Guardiola preist Favre

Guardiola scheint das indes gerade recht zu kommen. "Die Gladbacher haben eine sehr gute Organisation, sehr gute Ordnung, eine perfekte Defensivarbeit. Sie kontern sehr gut", stellt Bayerns Coach anerkennend fest.

Im Team ist der Respekt vor dem Tabellenachten der Vorsaison ebenfalls angekommen. "Es ist ganz schwer, gegen diese Mannschaft zu spielen. Die verschieben perfekt", meint Bastian Schweinsteiger.

Deutschlands frisch gekürter Fußballer des Jahres muss sich aktuell wie das gesamte Team auf Guardiolas Ideen einstellen.

Die Münchner sind vom 4-2-3-1-System zur 4-1-4-1-Formation gewechselt, Schweinsteiger dürfte dabei gegen Gladbach die ziemlich anspruchsvolle Rolle des alleinigen Defensivspielers vor der Abwehr übernehmen.

Spielen Thiago und Mandzukic?

Ob Schweinsteiger in der Zentrale von Neuzugang Thiago Alcantara unterstützt wird, ist noch offen. Thiago litt in den vergangenen Tagen an Fieber. "Er ist krank", sagte Guardiola am Donnerstag nur knapp.

Seine endgültige Entscheidung wird der Ex-Barca-Coach den Spielern sowieso erst wenige Stunden vor Anpfiff mitteilen, er will so die Spannung im Team weiter steigern.

Besonders Stürmer Mario Mandzukic wird mit Herzklopfen auf diesen Moment warten. Startet der FCB tatsächlich wie zuletzt im Finale des Audi Cups ohne etatmäßigen Mittelstürmer?

"Sie haben keinen Messi in ihren Reihen", unkte bereits Ex-Bayern-Profi Didi Hamann zu Peps Versuchen mit Thomas Müller als "falscher Neun".

Bayern sorgt Konteranfälligkeit

Die Bayern-Granden auf der Tribüne sorgt indes noch mehr, wie fest die Bayern-Defensive im geänderten Modus steht. "Die Organisation nach hinten ist der Schlüssel", betonte Sportvorstand Matthias Sammer.

Defensive Lücken waren zuletzt nicht zu übersehen. Selbst Regionalligist Schwarz-Weiß Rehden hatte im DFB-Pokal gegen den Champions-League-Sieger ein paar sehr brauchbare Konterchancen.

Rehdens Alexander Neumann bemerkte danach frech: "Mir ist beim Supercup aufgefallen, dass die Bayern zum Schluss bei Kontern anfälliger waren als in der vergangenen Saison."

Gladbachs Trainer Favre wird es nicht verborgen geblieben sein.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Javi Martinez, Dante, Alaba - Kroos, Schweinsteiger, Thiago - Robben, Müller, Ribery

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka -Herrmann, Arango - Raffael, Kruse

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