Der Belgier Filip Daems (r.) ist seit Januar 2009 Kapitän der Borussia © imago

Borussias Kapitän spricht bei SPORT1 über den Saisonstart, Elfer-Zocker Hrgota und die Ziele der Gladbacher.

Von Tobias Wiltschek

München - Ein Klassiker zum Auftakt in die neue Saison: Die "Fohlen" eröffnen beim FC Bayern (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) die 51. Bundesliga-Spielzeit.

Vor zwei Jahren traten die Fohlen ebenfalls zu Saisonbeginn in München an.

Damals gewann die Borussia nach einem Patzer des neuen Bayern-Keepers Manuel Neuer sensationell mit 1:0 in der Allianz Arena.

Gladbachs Kapitän Filip Daems, der seit 2005 für Mönchengladbach spielt, will von dem damaligen Coup nichts mehr wissen.

Denn beim Telekom-Cup vor wenigen Wochen kamen die "Fohlen" mit 1:5 gegen den Triple-Sieger unter die Räder.

Im SPORT1-Interview spricht Daems über die Herkules-Aufgabe in München, Elfer-Zocker Hrgota und Borussias Saisonziele.

SPORT1: Herr Daems, wie viel Vorfreude auf die neue Bundesliga-Saison ist nach dem Pokal-Aus in Darmstadt noch übrig geblieben?

Filip Daems: Natürlich wären wir lieber mit einem Sieg nach München gefahren. Die Enttäuschung war groß nach dem Pokal-Aus am Sonntag. Es sind in jedem Jahr ein paar Überraschungen dabei. Diesmal hat es auch uns getroffen. Dennoch freuen wir uns auf die neue Saison.

SPORT1: Sie sind nicht nur Kapitän, sondern auch der etatmäßige Elfmeterschütze bei den Gladbachern. Was ging in Ihnen vor, als Branimir Hrgota den Ball beim entscheidenden Elfmeter in Darmstadt an die Latte lupfte?

Daems: Er geht in diesem Moment das Risiko ein. Das hatte er ja auch schon in Mainz in der vergangenen Saison so gemacht. Damals hat es geklappt, jetzt geht der Ball an die Unterkante der Latte und springt wieder heraus. Ich würde bei einem K.o.-Spiel nicht mit so viel Risiko schießen. Aber das war seine Entscheidung. Es ist aber zu einfach, alles auf Branimir zu schieben. Wir haben als Mannschaft in den 120 Minuten davor versagt.

SPORT1: Wie sehr beeinflusst die Pokal-Schlappe die Vorbereitungen auf das Spiel bei den Bayern?

Daems: Klar haben wir diese Enttäuschung zwei Tage mit uns herumgetragen. Der Pokal ist ja auch ein schöner Wettbewerb. Wir müssen jetzt damit umgehen. Für uns zählt nur noch die Bundesliga. Das ist wieder etwas ganz Anderes. Mit den Bayern treffen wir auf eine Top-Mannschaft. Da müssen wir es viel, viel besser machen als am vergangenen Sonntag.

SPORT1: Was gibt Ihnen Grund zur Hoffnung, beim Triple-Sieger punkten zu können?

Daems: Die haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Jetzt sind sie vielleicht noch besser geworden. Deshalb wird es nicht einfach, dort etwas zu holen. Wir müssen aber selbstbewusst dahin fahren. Sie werden wahrscheinlich das Spiel bestimmen, und wir müssen dagegenhalten. Die wenigen Chancen, die wir bekommen, müssen wir versuchen zu nutzen.

SPORT1: Sie haben beim Telekom Cup gegen die Bayern mit 1:5 verloren. Ist es dennoch ein Vorteil, schon so früh in der Saison auf die Bayern zu treffen?

Daems: Das ist schwer zu sagen. Wir sind vor zwei Jahren schon einmal am ersten Spieltag auf sie getroffen. Im vergangenen Jahr spielten wir am letzten Spieltag gegen sie. Man muss sowieso gegen jeden spielen. Das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein.

SPORT1: Vor zwei Jahren haben die Gladbacher in München das erste Spiel gewonnen. Gibt das denn noch Selbstvertrauen für die kommende Partie?

Daems: Was vor zwei Jahren war, ist vorbei. Das ist schon lange her. Damals waren die Bayern auch noch nicht so stark besetzt. Bei uns hat sich mittlerweile auch viel geändert. Es ist eine neue Saison und ein neues Spiel. Wenn wir da etwas holen wollen, muss die gesamte Mannschaft 100 Prozent geben.

SPORT1: Was hat sich der Verein für die neue Saison vorgenommen?

Daems: In der letzten Saison haben wir nach einigen Höhen und Tiefen noch den achten Platz geholt. Wir müssen die Ambitionen haben, auch in dieser Saison einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen.

SPORT1: Von Europa spricht man im Verein nicht?

Daems: Nein, darüber müssen wir nicht sprechen. Man weiß ja, wie stark die Bundesliga jedes Jahr ist. Dortmund, Bayern, Leverkusen und auch Schalke werden aufgrund ihrer Qualität ganz vorne dabei sein. Viele Mannschaften haben dann noch den Anspruch, einen einstelligen Tabellenplatz zu holen. Wichtig für uns werden die ersten Wochen sein.

SPORT1: Sie haben sich in der vergangenen Saison Bedenkzeit erbeten, bevor sie einen neuen Vertrag bei der Borussia unterschrieben haben. Gab es auch andere Angebote, und warum haben Sie sich für Gladbach entschieden?

Daems: Ich denke, es ist alles relativ schnell gegangen. Ich habe mit keinem anderen Verein gesprochen. Für mich zählt nur die Borussia. Ich durfte schon so lange bei diesem Verein spielen und fühle mich sehr wohl hier. Deshalb haben wir uns relativ schnell geeinigt.

SPORT1: Hat Ihnen Trainer Favre schon den Einsatz gegen die Bayern versprochen oder hat Oscar Wendt auf der linken Verteidiger-Position die Nase vorn?

Daems: Darüber hat er mit mir noch nicht gesprochen. Jeder hat die Chance, am Freitag zu spielen. Wir haben einen auf jeder Position gut besetzten Kader. Das brauchen wir auch in einer langen Saison.

SPORT1: Sie haben seit 2009 kein Länderspiel mehr für Belgien absolviert. Jetzt steht die Nationalelf dicht vor der Qualifikation für die WM 2014. Haben Sie an ein Comeback gedacht?

Daems: Nein. Es war ja damals auch meine Entscheidung, nicht mehr zu spielen. Daran denke ich nicht mehr. Ich bereue die Entscheidung auch nicht. Ich habe mir das damals auch gut überlegt.

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