Die Bundesliga feiert zum Start Pep Guardiola. Der versteht den ganzen Rummel nicht. "Ich bin nicht der beste Trainer der Welt."

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Vom FC Bayern berichtet Patrick Mayer

München - Welch' Glamour: Der begehrteste Trainer der Welt, Pep Guardiola, ist da. Zugegeben, das schon länger. Doch jetzt geht sie los, die 51. Bundesliga-Saison.

Und mit dem Auftakt der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach an diesem Freitag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) erreicht der Hype um den Coach ein neues Stadium.

Der Katalane selbst hält aber nichts von dem ganzen Gerede. Ihn interessiert nur die Meinung seiner Spieler.

Dabei lobte Bundestrainer Joachim Löw den neuen Chefstrategen der Bayern jüngst überschwänglich und schwärmte: "Seine Einschätzungen der Spieler treffen schon voll zu. Das ist sehr, sehr durchdacht und sehr, sehr strukturiert."

Die Liga erscheint ebenso euphorisiert und das allein wegen Guardiolas Prominenz.

Der 42-Jährige versteht das nicht.

"Ich hatte Glück"

"Ich bin nicht der beste Trainer der Welt", sagt er im Pressestüberl in der Säbener Straße. Dann hebt er die Augenbraunen, auf seiner Stirn sind grobe Falten zu sehen, die Augen hat er weit geöffnet.

Es ist der Startschuss für einen knapp siebenminütigen Monolog.

"Ich hatte in Barcelona das Glück, mit der für lange Zeit besten Mannschaft zusammenarbeiten zu dürfen", erzählt er. "Der Trainer ist nicht das Wichtigste, die Spieler sind es."

Er klatscht in die Hände, lässt die Zeigefinger umeinander kreisen. Guardiola redet schnell, seine Stimme wird lauter. Er vermittelt den Eindruck, als müsse er etwas klarstellen ? ein für allemal.

Fokus auf Spieler

Es gehe nicht um seine Person, meint er, sondern um seine Arbeit. "Isch bin hier, um zu arbeite hart", sagt er in passablem, aber noch nicht einwandfreiem Deutsch.

Er müsse zuerst alle überzeugen, "die Leute, den Verein", aber vor allem "die Spieler". Dann sagt er einen Satz, der Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick für einen Sekundenbruchteil nervös werden lässt.

Er wisse nicht, ob er mit den Bayern ein, zwei Titel, noch mehr oder gar keinen gewinnen werde. "Aber das ist nicht das Wichtigste. Der größte Titel ist für mich, wenn in drei, vier Jahren ein Spieler zu mir kommt und sagt: Du hast mir was beigebracht."

Pep kommt in Fahrt

Er schaut in die Runde, blickt zu Hörwick, der will einsetzen. Doch Guardiola kommt erst richtig in Fahrt.

Die Spieler seien die Einzigen, die ihn täglich bei seiner Arbeit sehen. "Sie muss ich unterstützen, sie muss ich überzeugen, sie müssen mir vertrauen."

Matthias Sammer wird diese Aussage registrieren - mehr nicht. Wie die gesamte Bayern Führungsriege will er (weiterhin) Siege sehen.

"Jetzt gibt es keine Ausreden oder Alibis mehr. Die Ergebnisse müssen jetzt stimmen", stellte der FCB-Sportvorstand bereits am Mittwoch fest.

"Vergesst, was der Trainer euch gesagt hat"

Guardiola kennt diesen Dauerdruck aus Barcelona und spürt ihn mittlerweile auch in München. Vom Team will er ihn gerade jetzt weghalten.

"Habt Spaß, fühlt euch frei, spielt einfach Fußball! Und vergesst, was euch der Trainer gesagt hat", lautet seine Losung zum Saisonstart.

Dabei klingt Guardiola fast wie einer der Münchner Nationalheiligen: Franz Beckenbauer. Der "Kaiser" soll vor dem WM-Finale 1990 den Nationalspielern nur gesagt haben: "Geht's raus und spielt's Fuaßboi."

Der Sport im Zentrum

Fuaßboi, futbol, Fußball. Egal, ob in der bayerischen, spanischen oder deutschen Variante: Auch Guardiola stellt den Sport ins Zentrum.

"Ich bin glücklich hier zu sein", schildert er und verweist grinsend auf seine Pause vom Fußballgeschäft. "Wissen Sie, das ist viel besser als New York." Er ist mit seinem Monolog am Ende.

Der Trainer wendet sich zu Hörwick und lächelt freundlich.

Als die Pressekonferenz vorüber ist, blickt er zufrieden drein. Er hat klargestellt, was ihn offensichtlich intensiv beschäftigt hat: Guardiola geht es nicht um Guardiola.

Voraussichtliche Aufstellungen:

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Javi Martinez, Dante, Alaba - Kroos, Schweinsteiger, Thiago - Robben, Müller, Ribery

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka -Herrmann, Arango - Raffael, Kruse

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