Diego (l.) schoss in der vergangenen Saison gegen Gladach ein Tor © getty

Die Rangelei um die Europa-League-Plätze könnte zu einem Fünfkampf werden. Die Niedersachsen haben beste Chancen. Der Check.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Europa League ist zwar nur der kleine europäische Wettbewerb, doch für viele Vereine nach wie vor sehr erstrebenswert.

Da braucht man nur einmal beim VfB Stuttgart oder bei Eintracht Frankfurt nachzufragen. Beide Klubs freuen sich auf das Abenteuer Europa, auch wenn sie sich für die Gruppenphase erst noch qualifizieren müssen.

Selbst beim SC Freiburg, der zunächst durch den überraschenden Einzug in die Europa League große Strapazen befürchtete, überwiegt mittlerweile die Vorfreude auf den internationalen Wettbewerb.

Während die Breisgauer den Coup aus der Vorsaison wohl nicht wiederholen können, gehören die beiden anderen Mannschaften auch in dieser Spielzeit (ab Fr., 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) zumindest zum erweiterten Kreis der Anwärter auf die Europa-League-Pätze.

SPORT1 nennt zuammen mit Kolumnist Thomas Berthold die Europacup-Kandidaten.

VfB Stuttgart

Die Schwaben wollen zurück ins Rampenlicht. Für diese Mission kamen in Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch und Daniel Schwaab drei etablierte Bundesliga-Profis an den Neckar.

Sercan Sararer von Greuther Fürth wird die Halbpositionen im offensiven Mittelfeld verstärken, auch er ist eine vielversprechende Verpflichtung.

In der Vorbereitung blieb der VfB von Verletzungssorgen weitgehend verschont und ließ mit einem 1:0-Sieg über den spanischen Spitzenklub FC Valencia aufhorchen. In der ersten Pokal-Runde kam Stuttgart zu einen glanzlosen 2:0-Erfolg beim Fünftligisten BFC Dynamo.

Nach Rang zwölf in der Vorsaison kann es nun in der Bundesliga nur besser werden. Ob es mit dem angestrebten Platz unter den ersten Sechs reicht, hängt vor allem davon ab, inwiefern Top-Torjäger Vedad Ibisevic die nötige Unterstützung im Angriff erhält.

Borussia Mönchengladbach

Seit dem Fast-Abstieg vor zwei Jahren haben sich die "Fohlen" in der Bundesliga wieder etabliert. Nach dem sensationellen vierten Platz in der vorletzten Saison reichte es in der vergangenen Spielzeit immerhin zu Rang acht.

In diesen Regionen sieht Kapitän Filip Daems seine Borussia auch in der neuen Saison. "Wir müssen die Ambitionen haben, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen", gibt der Belgier bei SPORT1 die Marschrichtung vor.

Von einer erneuten Tour durch Europa - wie in der vergangen Saison - wollen die Gladbacher zwar nicht sprechen. Doch die Qualität, um die Plätze fünf und sechs mitzuspielen, hat die Borussia. Daran ändert auch das peinliche Pokal-Aus in der ersten Runde beim Drittligisten Darmstadt 98 nichts.

Im Ex-Freiburger Max Kruse haben die Gladbacher eines der größten Offensiv-Talente des deutschen Fußballs verpflichtet. Dazu durfte Trainer Lucien Favre mit Raffael seinen Wunschspieler wieder begrüßen, mit dem er schon beim FC Zürich und bei Hertha BSC zusammengearbeitet hatte.

VfL Wolfsburg

Nach der turbulenten Vorsaison mit Wechseln auf dem Trainer- und Manger-Posten soll in Wolfsburg nun wieder Konstanz einkehren.

Mit Coach Dieter Hecking und Sportdirektor Klaus Allofs will der Deutsche Meister von 2009 endlich wieder in den Kampf um die internationalen Plätze eingreifen.

Das Zeug dazu haben die "Wölfe", die insbesondere im offensiven Mittelfeld nur so vor Kreativität strotzen. Neben Spielmacher Diego werden die beiden zuletzt ausgeliehenen Ja-Cheol Koo und Daniel Caligiuri wirbeln. Sollte auch noch Luiz Gustavo vom FC Bayern losgeeist werden können, wären die Wolfsburger auch im defensiven Mittelfeld hochkarätig besetzt.

Um am Ende einen Platz unter den ersten Sechs zu erreichen, muss die Mannschaft aber schnell ihren Rhythmus finden und darf sich nicht noch einmal einen Fehlstart wie in der vorigen Saison erlauben.

Eintracht Frankfurt

Nicht nur die Qualifikation für die Europa League lässt im Umfeld der Eintracht die Erwartungen für die neue Saison steigen. Im Gegensatz zum SC Freiburg haben die Frankfurter auch alle Stammspieler halten können. Dazu haben sie sich in Johannes Flum und Jan Rosenthal ausgerechnet mit zwei Breisgauer Leistungsträgern verstärkt.

Kein Wunder, dass Trainer Armin Veh umso energischer auf die Euphoriebremse tritt. "Platz sechs ist nicht realistisch. In diese Region gehören wird nicht ", betonte Veh in der "Bild". Grund für diese Aussage ist sicherlich auch, dass die Suche nach einem neuen Strafraum-Stürmer bislang erfolglos verlaufen ist.

Zum erweiterten Kandidatenkreis für die internationalen Plätze gehören die Frankfurter dennoch. Dafür sprechen ein eingespieltes Team und das Selbstbewusstsein, das die Mannschaft in die neue Saison übertragen wird.

1899 Hoffenheim

Im Mai noch haarscharf am Abstieg vorbeigeschrammt, können die Hoffenheimer in dieser Saison wieder von höheren Tabellenregionen träumen. Denn mit Markus Gisdol haben sie zum Ende der vergangenen Spielzeit keinen Feuerwehrmann geholt, sondern einen Trainer mit einem langfristigen Konzept.

Wenn er von der Vereinsführung weiterhin die volle Rückendeckung erhält, könnte er in der kommenden Saison seine viel versprechende Arbeit mit der TSG fortsetzen und gleichzeitig an das erfolgreiche Nachwuchskonzept unter ihrem ersten Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick anknüpfen.

Voraussetzungen dafür sind jedoch, dass die Mannschaft den Teamgeist aus der Schlussphase der vergangenen Saison beibehält und die Leistungsträger, wie Firmino und Andreas Beck, ihre guten Ansätze aus der Vorbereitung mit in die Pflichtspiele nehmen.

Die SPORT1-Prognose:

Der Kampf um die Plätze in der Europa League wird ähnlich spannend werden wie in der vorigen Saison. Die besten Chancen haben der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg.

SPORT1-Experte Thomas Berthold fasst den Kreis der Europacup-Anwärter noch ein wenig weiter. Für ihn gehören auch Hannover und Hamburg zu den Kandidaten

Seine Prognose:

"Für die Europa-League-Plätze habe ich vor allem die ambitionierten Hannoveraner und die Wolfsburger im Blick, die viel Geld ausgegeben haben. Auch die renommierten Klubs, wie Stuttgart und der HSV, wollen da rein. Natürlich darf man die Gladbacher nicht vergessen, die da im vergangenen Jahr auch hineingeschnuppert haben."

Weiterlesen