In der vergangenen Saison gewann Freiburg beim HSV mit 1:0 © getty

Hamburg und Hannover werden die internationalen Plätze verpassen. Auch ein Europacup-Starter landet im Mittelfeld. Der Check.

Von Tobias Wiltschek

München - Für Europa zu schwach, für den Abstiegskampf zu stark.

Auch in der neuen Saison (ab Fr., 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) werden einige Mannschaften am Ende im Mittelfeld der Tabelle landen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass diese Teams eine ruhige Spielzeit ohne große Ambitionen vor sich haben.

Bestes Beispiel aus der Vorsaison ist Borussia Mönchengladbach. Bis zum letzten Spieltag hatten die "Fohlen" zumindest theoretisch die Möglichkeit, sich noch für die Europa League zu qualifizieren. Dann folgte die 3:4-Heimniederlage gegen Bayern München - und die Gladbacher fanden sich auf Platz acht wieder.

In dieser Saison werden wohl wieder einige renommierte Vereine das Ziel "Europapokal" verpassen, ohne allerdings in akute Abstiegsgefahr zu geraten.

SPORT1 nennt zuammen mit Kolumnist Thomas Berthold die Kandidaten für das Mittelfeld:

Hamburger SV

Als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga ist der HSV auch im 51. Jahr noch dabei.

Mit Oliver Kreuzer hat der sechsmalige Deutsche Meister einen neuen Sportdirektor geholt, der den erfolglosen Frank Arnesen abgelöst hat. Mit ihm und Trainer Thorsten Fink will der HSV wieder einmal einen Neuanfang wagen.

Doch die Voraussetzungen sind nicht die besten. In der Vorbereitung setzte es beim 0:2 gegen Wacker Innsbruck und beim 0:4 gegen Dynamo Dresden zwei blamable Pleiten.

Außerdem leidet der Klub noch immer unter den enormen Ausgaben für teure Spieler, die den Anforderungen in Hamburg nicht gerecht werden konnten. Kreuzer sucht weiterhin nach Abnehmern für Paul Scharner, Robert Tesche, Gojko Kacar und Slobodan Rajkovic.

Mit Johan Djourou und Lasse Sobiech hat der HSV die prominentesten Neuzugänge für die Abwehr verpflichtet. Dazu kommt das Top-Talent Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC.

Dennoch ist das Spiel der "Rothosen" nach wie vor zu stark von den Launen des mittlerweile 30 Jahre alten Rafael van der Vaart abhängig. "Ein Verein wie der HSV muss in Europa spielen. Alles andere ist nichts wert", fordert der Niederländer. Doch ein alternder van der Vaart allein wird nicht reicht reichen, um dieses Ziel zu erreichen.

Hannover 96

Zum ersten Mal seit zwei Jahren ist Hannover 96 nicht international mit dabei. Nach manchen starken Auftritten in Europa verpassten die Roten in der vergangenen Saison die Europa League.

Dieses Ziel dürften sie auch in der neuen Saison nicht erreichen. Mit Sergio da Silva Pinto, Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch und Johan Djourou verloren die Hannoveraner gleich vier Leistungsträger.

Namhafte Neuzugänge sucht man indes vergebens. Leonardo Bittencourt von Borussia Dortmund und Edgar Prib von Greuther Fürth werden sich sehr schwer tun, die prominenten Abgänge zu ersetzen.

Zumindest lichtet sich langsam das Lazarett der Hannoveraner. Von den zwischenzeitlich 14 (!) verletzten oder angeschlagenen Spielern haben sich mittlerweile die meisten wieder fit gemeldet.

Beim 2:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten Victoria Hamburg war aber zu erkennen, dass die Mannschaft noch lange nicht eingespielt ist. "Phasenweise haben wir uns selbst die Räume genommen", bekannte Trainer Mirko Slomka: "Es gibt noch einige Punkte, wo wir ansetzen müssen."

SC Freiburg

Was Hannover in der vergangenen Saison nicht schaffte, ist dem SC Freiburg gelungen. Durch ihren fünften Platz qualifizierten sich die Breisgauer direkt für die Gruppenphase der Europa League.

Andererseits gibt es aber auch Parallelen zwischen den beiden Klubs. Die Freiburger mussten nach dem sensationellen Erfolg in der letzten Saison ebenfalls einen schmerzhaften Aderlass verkraften.

Mit Cedric Makiadi, Max Kruse, Daniel Caligiuri, Johannes Flum und Jan Rosenthal verließen gleich fünf Stammspieler die Überraschungsmannschaft der Vorsaison. Auf dem Transfermarkt hielt man sich dennoch zurück, "weil wir nur nach gezielten Verstärkungen geguckt haben", wie Trainer Christian Streich in der "Sport Bild" begründet.

Mit Stürner Mike Hanke aus Gladbach und dem vom FC Arsenal ausgeliehenen Francis Coquelin konnte Freiburg zumindest zwei profilierte Neuzugänge präsentieren. An eine Wiederholung des Coups aus der Vorsaison wagen aber nicht einmal die Optimisten zu glauben.

Wegen der zusätzlichen Belastung aus dem Europacup und des schwächeren Kaders werden die Breisgauer wohl froh sein, wenn sie am Ende nicht in den Abstiegskampf geraten.

Mainz 05

Der FSV Mainz 05 stand in der vergangenen Saison nach der Hinrunde punktgleich mit den Freiburgern auf Rang sechs. Danach aber reichte es nur noch zu zwei Siegen, die Rheinhessen stürzten bis auf Platz 13 ab.

In dieser Tabellenregion werden sie auch nach dieser Saison zu finden sein. Die Mainzer haben sich seit ihrem zweiten Aufstieg 2009 in der Bundesliga etabliert, verfügen aber nicht über die nötige Kaderbreite, um höheren Ansprüchen zu genügen.

Die Abgänge von Adam Szalai, Andreas Ivanschitz und Jan Kirchhoff konnten nicht gleichwertig ersetzt werden.

In der ersten Pokal-Runde vermieden sie eine Blamage beim Regionalligisten Fortuna Köln nur durch einen Last-Minute-Treffer von Eric Maxim Choupo-Moting. Seine Tore braucht Mainz auch in der Bundesliga, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten.

Die SPORT1-Prognose:

Für die beiden ambitionierten Nordklubs aus Hamburg und Hannover wird es wieder nicht zum Sprung nach Europa reichen. Der große und der kleine HSV bilden zusammen mit dem SC Freiburg und Mainz 05 das Mittelfeld der Liga.

Das sagt SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold:

"Mainz und Nürnberg haben sich mittlerweile etabliert. Deshalb sehe ich diese beiden Vereine im Mittelfeld der Tabelle. Sie werden mit dem internationalen Geschäft zwar nichts zu tun haben, aber auch nicht absteigen. Nürnberg ist früh aus dem DFB-Pokal ausgeschieden, aber die berappen sich wieder und werden sich aus dem Abstiegskampf heraushalten. Die beiden Klubs sind für mich aber die einzigen Mannschaften, sie sich in der kommenden Saison im Niemandsland aufhalten werden."

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