Toni Kroos (l.) spielte bisher in allen 13 Partien unter Bayern-Coach Pep Guardiola © getty

Ganz heimlich wird Kroos zum Bayern-Fixpunkt unter Guardiola. Manch Kritiker hatte ihm ein anderes Schicksal prognostiziert.

Von Tom Vaagt

München - Die Experimentierfreude von Pep Guardiola ist inzwischen hinlänglich bekannt.

Ein Wechselspiel hier, ein Testlauf da. Manch ein Star des FC Bayern fand sich zuletzt schon mal unter den Reservisten oder auf ungewohnter Position wieder. An einem Profi rotiert der spanische Startrainer aber seit Wochen vorbei: An Toni Kroos.

Der 23-Jährige spielt eigentlich immer. In keiner der bisher 13 Partien unter Guardiolas Leitung fehlte der deutschen Nationalspieler. In den vergangenen elf Partien stand Kroos gar jeweils in der Startelf.

Er ist vor dem Saisonstart gegen Borussia Mönchengladbach (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) damit so etwas wie der Fixpunkt im Bayern-Spiel - und in einer Rolle, die ihm wahrscheinlich nicht viele zugetraut hatten.

"Kann ein gutes Gefühl haben"

Fragen nach dieser Entwicklung beantwortet Kroos zögerlich.

"Es ist uninteressant, wo ich mich sehe", sagte der Mittelfeldspieler nach dem 5:0 zum Pokal-Auftakt gegen den viertklassigen BSV Schwarz-Weiß Rehden (Bericht) am Montag zu SPORT1, um dann doch selbstbewusst hinzuzufügen:

"Wichtig ist, dass ich spiele. Momentan ist das der Fall und von mir aus kann das auch so bleiben. Ich denke, ich kann ein gutes Gefühl haben."

In der Tat. Auch wenn Guardiola bereits für manche Überraschung sorgte, dürfte er auch beim Ligastart kaum auf Kroos verzichten.

Viele Gespräche mit Guardiola

"Natürlich spricht man viel mit dem Trainer", berichtete Kroos und bestätigte damit, was sich bereits im Trainingslager im Trentino angedeutet hatte: Es passt zwischen dem Spanier und dem gebürtigen Greifswalder.

Dabei waren Kroos von manchem Kritiker schon schwierige Zeiten prognostiziert worden. Einige hatten sogar über einen Verkauf des früheren Leverkuseners spekuliert.

Also weg vom FC Bayern. Zu Borussia Dortmund vielleicht. Oder zu Real Madrid. Oder sonst wohin. Die Frage nach dem Warum lief oft ins Leere. Mögliche Antworten kann man nur vermuten.

Mannschaftsdienlich und bodenständig

Kroos kommt höflich und zurückhaltend daher. Ganz ohne großflächige Tattoos oder funkelndes Geschmeide am Körper. Das macht ihn unprätentiös und bodenständig. Und ganz sicher nicht zu einem schlechten Fußballer.

Er ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Sondern jemand, der seinen Job im Dienste der Mannschaft erledigt - und somit ganz dem Geschmack seines Trainers entspricht.

In Barcelona formte Guardiola unter anderem Xavi und Andres Iniesta zu Weltstars. So weit ist Kroos noch nicht. Aber er ähnelt den beiden Spaniern. Fußballerisch und wohl auch charakterlich.

Mit einem Unterschied: Bei den Barca-Stars würde kaum ein Beobachter etwaige Schnelligkeitsdefizite kritisieren. Kroos muss sich dafür rechtfertigen.

Verletzungspech im vergangenen Jahr

Angesichts von Guardiolas Vertrauen dürfte ihm dies derzeit allerdings herzlich egal sein. Auch und gerade nach der Leidenszeit zum Ende der vergangenen Spielzeit.

Anfang April riss bei Kroos ein Muskelbündel. Die Saison war für ihn vorzeitig beendet, sein Vertreter Arjen Robben spielte groß auf und schoss die Münchner in Wembley zum Champions-League-Sieg.

Kroos war nur Zuschauer. Als Helden wurden andere gefeiert.

Ziel: WM 2014

Umso erstaunlicher erscheint das derzeitige Comeback des Bayern-Profis.

Doch Kroos weiß, dass es keine Zeit zu verlieren gilt. Im kommenden Sommer will er zur WM in Brasilien.

Derzeit sieht es so aus, als würde Guardiola alles daran setzen, um seinen Musterschüler bei der Erfüllung dieses Traums zu unterstützen. "Es läuft gut", sagt Kroos. Momentan kann man ihm nicht widersprechen.

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