Moravek (l.) spielt seit 2012 für den FCA, Feulner seit 2011 für den Club © getty

Neben den zwei Aufsteigern werden es ein bayerisches Duo und ein Nordlicht schwer haben, drin zu bleiben. Der Check.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Dramatik der vergangenen Saison ist noch in frischer Erinnerung.

Ausgerechnet beim Vizemeister und Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund zieht 1899 Hoffenheim im letzten Moment den Kopf aus der Schlinge und rettet sich mit einem 2:1-Sieg in die Relegationsspiele.

Dort bezwingen die Kraichgauer den 1. FC Kaiserslautern und feiern den Klassenerhalt.

Auch in der neuen Saison (ab Fr., 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) dürfte es im Abstiegskampf wieder eng zu gehen.

Die Hoffenheimer würden jedoch gerne darauf verzichten, wieder eine Hauptrolle in diesem Drama zu spielen. Die vom neuen Trainer Markus Gisdol entfachte Aufbruchsstimmung und die erfolgreiche Vorbereitungsphase sprechen dafür, dass die Kraichgauer nicht wieder so lange um den Klassenerhalt zittern müssen.

SPORT1 nennt die potenziellen Abstiegskandidaten:

1. FC Nürnberg

Beim 1. FC Nürnberg stehen die Zeichen dagegen schon jetzt auf Abstiegskampf. Nach dem Pokal-K.o. im Elfmeterschießen beim SV Sandhausen ist der Optimismus im Frankenland erst einmal einer großen Unsicherheit gewichen.

Daran konnte auch der neue Hoffnungsträger Daniel Ginczek nichts ändern, der in Südbaden seinen neun Vorbereitungstreffern gleich sein erstes Pflichtspieltor folgen ließ.

Doch die Nürnberger haben mit Abwehrspieler Timm Klose und Mittelfeld-Abräumer Timmy Simmons zwei Leistungsträger verloren, die schwer zu ersetzen sind. Torwart Raphael Schäfer sieht den Club schon vor Saisonbeginn im Abstiegskampf.

"Ich habe immer gesagt, dass es für uns sehr schwer wird, 40 Punkte zu holen. Jeder, der irgendetwas anderes geträumt hat, hat gesehen, dass es bei uns bei bestimmten Tugenden nicht gereicht hat", mahnte er.

Diese Tugenden muss nun Trainer Michael Wiesinger dem Team so schnell wie möglich einimpfen, damit das frühe Pokal-Aus nicht zu einem bösen Omen für den Verlauf der Bundesliga-Saison wird.

Werder Bremen

Auch Werder Bremen steht nach der Pokalpleite beim 1. FC Saarbrücken schon vor dem Liga-Start unter Druck. Mit dem 1:3 nach Verlängerung knüpfte der Klub von der Weser nahtlos an seine Negativserie aus der Vorsaison an und steht mittlerweile bei 14 Pflichtspielen in Folge ohne Sieg.

Schon in der Vorbereitung war zu erkennen, dass der neue Trainer Robin Dutt die alten Schwachstellen noch nicht beheben konnte. Vor allem auf den defensiven Außenpositionen besteht noch Nachbesserungsbedarf, zumal Linksverteidiger Lukas Schmitz mit einem Fußbruch noch mindestens einen Monat lang ausfällt.

Auch in mentaler Hinsicht wartet auf Dutt noch jede Menge Arbeit, wenngleich er behauptete: "Es steht mir nicht zu, nach nur einem Spiel die Mentalität der Mannschaft anzuzweifeln." Doch auch in Saarbrücken mangelte es, wie schon über weite Strecken der Vorsaison, an der richtigen Einstellung und am Kampfgeist. Dazu kommt das ewige Theater um den abwanderungswilligen Marko Arnautovic.

Diese Baustellen müssen schnellstens geschlossen werden, um in dieser Saison nicht noch einmal tief im Abstiegssumpf zu stecken.

FC Augsburg

Der FC Augsburg geht dagegen mit viel Selbstvertrauen in seine dritte Bundesliga-Saison in Folge, auch wenn man den 2:0-Erfolg im Pokal beim Drittligisten RB Leipzig nicht überbewerten sollte.

Mit Halil Altintop und Raphael Holzhauser haben sich die Schwaben zweifelsohne sehr gut verstärkt. Insbesondere der vom VfB Stuttgart geholte Holzhauser ist schon jetzt eine Bereicherung für das Mittelfeld.

Aber nur wenn das Duo über einen längeren Zeitraum die vielversprechenden Ansätze bestätigen kann, sollte der FCA auch diese Saison in der ersten Liga überstehen können. Denn gerade das Mittelfeld mit Dong-Won Ji und Ja-Cheol Koo war das Prunkstück der Augsburger. Jetzt müssen die beiden südkoreanischen Abgänge ersetzt werden.

Hertha BSC

Mit Hertha BSC kehrt ein Verein in die Beletage des deutschen Fußballs zurück, der dort nun endlich sesshaft werden möchte. "Wir wollen den Zeitraum bis 2016 nutzen, um Hertha in der Bundesliga zu etablieren", sagt Manager Michael Preetz.

Der erste Schritt dahin soll mit dem Klassenerhalt in dieser Saison gemacht werden. Dafür haben die Berliner ihre Leistungsträger um den offensiven Mittelfeldspieler Ronny gehalten und den Kader punktuell verstärkt.

Sebastian Langkamp, Johannes van den Bergh, Alexander Baumjohann und Hajime Hosogai werden den Konkurrenzkampf im Kader weiter beleben. Dazu hat die Hertha mit Jos Luhukay einen Trainer, der schon in Augsburg bewiesen hat, dass er einen Aufsteiger in der Bundesliga halten kann.

Eintracht Braunschweig

"Der Klassenerhalt wäre ein größeres Wunder als der Aufstieg." Das sagt Eintracht Braunschweigs Trainer Thorsten Lieberknecht im "kicker". Damit will er sicherlich die Erwartungshaltung in der Stadt nach 28 Jahren Bundesliga-Abstinenz etwas senken, andererseits steckt auch viel Realismus in der Aussage.

Denn die Eintracht konnte ihren Kader durch die Neuzugänge von Jan Hochscheidt, Thorsten Oehrl, Timo Perthel und Marco Caligiuri nur ergänzen, aber nicht entscheidend verstärken.

Außerdem bleibt abzuwarten, wie schnell Domi Kumbela nach seiner Oberschenkelverletzung wieder in Tritt kommt und ob er auch in der Bundesliga so torgefährlich sein wird wie in der vergangenen Zweitliga-Saison.

Die SPORT1-Prognose:

Werder Bremen wird wie im Vorjahr bis zum Schluss zittern müssen, sich aber erneut retten können. Auch die Hertha schafft in ihrem ersten Jahr nach der Rückkehr den direkten Klassenerhalt.

Augsburg schlüpft in die Rolle von Hoffenheim und muss im Rennen um den Ligaverbleib den Umweg über die Relegation nehmen.

Nürnberg kann die Abgänge von Klose und Simmons nicht kompensieren und steigt direkt in die Zweite Liga ab. Auch Braunschweig wird sich nicht länger als dieses eine Jahr im Oberhaus halten können.

Das sagt SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold:

"Zu den Abstiegskandidaten gehören für mich die beiden Aufsteiger Hertha BSC und Eintracht Braunschweig, aber auch für 1899 Hoffenheim wird es eng. Werder Bremen sehe ich in diesem Jahr gefährdet. Die müssen aufpassen. In der vergangenen Saison hatten sie Glück, dass manche Mannschaften noch schlechter waren. Sonst wären sie wahrscheinlich abgestiegen. Augsburg muss auch beißen. Die haben in Ji und Koo sehr gute Leute verloren. Bei Halil Altintop muss man abwarten, wie er sich in Deutschland wieder akklimatisiert."

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