Werder schied erneut in der ersten Pokalrunde gegen einen Drittligisten aus © imago

Nach der Pokal-Blamage herrscht bei Werder Krisenstimmung. Beim Test in Essen zu Ehren von Rehhagel droht neues Ungemach.

Von Jan Reinold

München - Normalerweise werden bei solchen Anlässen freundliche Worte ausgetauscht, Festreden gehalten, Blumen überreicht.

Man schwelgt noch einmal in Erinnerungen an die glanzvolle Vergangenheit. Dann wird ein bisschen Fußball gespielt, nach 90 meist harmonischen Minuten geht man freundschaftlich wieder auseinander und vereinbart ein Wiedersehen.

Wenn Werder Bremen aber am Dienstagabend (ab 19.45 Uhr live im TV auf SPORT1) beim befreundeten Regionalligisten Rot-Weiss Essen anlässlich des bevorstehenden 75. Geburtstages von Trainer-Legende Otto Rehhagel antritt, ist bei den Hanseaten von Feierstimmung wenig zu spüren.

Um genau zu sein, brennt nach dem Pokal-Aus am Sonntag beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken (Spielbericht) , "jetzt die Hütte", wie Werders österreichischer Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic treffend formulierte ( 756334 DIASHOW: Bilder der 1. Runde ).

Wenige Tage vor dem Ligastart bei Eintracht Braunschweig herrscht bei Werder Krisenstimmung, und man darf vermuten, dass Neu-Trainer Robin Dutt den Test zur Stadioneröffnung in Essen wohl gerne gegen eine Trainingseinheit in Bremen eingetauscht hätte.

Eichin mahnt

Denn Werder kann in dem eigentlich bedeutungslosen Spiel an der Hafenstraße wenig gewinnen - und viel verlieren. Selbst ein klarer Sieg gegen den Viertligisten würde die Lage wohl nur wenig beruhigen, die Zweifel vor dem Saisonstart blieben. Und bei einer Niederlage droht neues Ungemach.

"Es ist kein Druck da. Der Test in Essen hat nichts mit dem Pokalaus und auch nichts mit dem Bundesliga-Start in Braunschweig zu tun", sagte Werder-Manager Thomas Eichin im Gespräch mit SPORT1: "Das Spiel heute hat nicht die ganz große Bedeutung. Wir werden viele Spieler testen."

Er sei zwar nach wie vor "maßlos enttäuscht" über den Pokal-Patzer, aber es mache wenig Sinn, in Panik zu verfallen, mahnte der 46-Jährige.

Filbry sieht "Imageverlust"

Nur: Nach dem Aus in Saarbrücken - Werders drittem Erstrunden-K.o. im DFB-Pokal nacheinander - gingen die Fans auf die Barrikaden. Nach der zurückliegenden Zittersaison und der Trennung von Thomas Schaaf im Sommer ist von Aufbruchstimmung keine Rede mehr. Vielmehr schrillen die Alarmglocken.

"Man muss sich Sorgen machen", sagte Bremens ehemaliger Vorstandsvorsitzender Jürgen L. Born zu SPORT1 (Bericht).

Und sein Nachfolger Klaus Filbry konstatierte in der "Kreiszeitung Syke": "Das ist schon ein gewisser Imageverlust. Außerdem haben wir in unserem Budget mit der zweiten Pokalrunde geplant und nun die Möglichkeit vergeben, Zusatzeinnahmen über weitere Pokalrunden zu erzielen."

"Am Machbaren orientieren"

Diese Aussage dürfte den Fans der finanziell ohnehin angeschlagenen Bremer wenig Hoffnung auf personelle Besserung machen.

Eichin, unter dem Werder noch kein Pflichtspiel gewonnen hat, sind offenbar die Hände gebunden.

"Ich muss mich am Machbaren orientieren", sagte der frühere Bundesliga-Profi zu SPORT1 und kündigte an: "Wenn wir was machen, muss es eine klare Verbesserung sein."

Dutt verzichtet auf Straftraining

Bis es so weit ist, muss Trainer Robin Dutt mit dem vorhandenen Personal auskommen. Der ehemalige DFB-Sportdirektor, in Bremen erst seit fünf Wochen im Amt, reagierte auf die Blamage in Saarbrücken mit der Streichung des eigentlich freien Montags.

Stattdessen standen vor allem Videoanalyse und Fehlerbesprechung auf dem Programm.

"Es ist jetzt wichtig, dass wir zusammenkommen und miteinander reden", sagte Dutt, der auf ein Straftraining verzichtete ("Das wäre aus körperlicher Sicht falsch").

"Tribute to Otto Rehhagel"

Viel miteinander reden will man auch in Essen. Das Spiel steht unter dem Motto "A Tribute to Otto Rehhagel".

Auch im Mobilat Fantalk (ab 22.15 Uhr live im TV auf SPORT1 und bei SPORT1.fm) dreht sich fast alles um den gebürtigen Essener und früheren Bremer Meistertrainer, der 1994 im Pokalfinale mit Werder seinen Ex-Klub besiegte (3:1).

Zu Gast in der "11 Freunde-Bar" in Essen werden der Ex-Bremer Profi Norbert Meier, Olaf Thon und Rehhagel-Spezie Rolf Töpperwien sein. Rehhagel selbst wird aus Berlin in die Sendung zugeschaltet.

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