Sami Allagui, Maik Franz und Fabian Lustenberger (v.l.) wurden Zweitliga-Meister © imago

Vor dem Bundesliga-Start gegen Eintracht Frankfurt steigt die Lust in Berlin gewaltig. Maik Franz fehlt und ist doch mittendrin.

Von Reinhard Franke

München - Die Zeit des Wartens ist vorbei.

Es weht wieder Bundesligaluft durch das Berliner Olympiastadion.

Bei Hertha BSC fiebern Fans und Verantwortliche dem Auftakt-Heimspiel nach der Bundesliga-Rückkehr am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) entgegen.

Die Partie gegen die Hessen ist so gut wie ausverkauft und in der Hauptstadt zählen sie die Minuten runter bis zum Startschuss.

"Wie eine Ewigkeit"

"Es wird Zeit, dass es losgeht. Sieben Wochen waren wie eine Ewigkeit. Da denkst du dir, jetzt hast du den Aufstieg geschafft und dann musst du noch sieben Wochen bis zum ersten Liga-Spiel warten", sagt Herthas Innenverteidiger Maik Franz im Gespräch mit SPORT1.

"Die Stimmung ist gut. Bei uns konnten alle komplett die Vorbereitung durchziehen. Wir freuen uns einfach auf das Spiel. Das wird geil gegen Frankfurt, weil die auch 5.000 Fans mitbringen werden. Da ist gleich wieder Bundesliga-Atmosphäre. Es ist schon was anderes wie gegen Hoffenheim. Da wird richtig Dampf unterm Kessel sein."

Gesperrt und doch dabei

Für den 32-Jährigen ist es das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub. Von 2010 bis 2012 spielte Franz für die Eintracht. Umso bitterer, dass er aufgrund einer Roten Karte aus dem letzten Spiel der vergangenen Saison die ersten zwei Spiele der neuen Saison fehlen wird. Dennoch fühlt er sich mittendrin.

"Ich bin heiß drauf und werde von der Tribüne die Daumen drücken", sagt Franz. Auch als Zuschauer fiebert der gebürtige Merseburger dem Anpfiff entgegen.

"Wenn man ein Jahr die Bundesliga genommen bekommt, dann weiß man, was einem fehlt. Diese Liga ist das Nonplusultra. Es gibt nichts Besseres", betont Franz.

Und er fügt euphorisch hinzu: "Die Stadien sind wie Kathedralen. Das hast du jetzt wieder jedes Wochenende. Da freust du dich wie ein kleines Kind drauf."

Niemeyer: Kapitänsamt und Stammplatz weg

Der einzige Hertha-Akteur, der momentan betrübt daherkommt, ist Abwehrspieler Peter Niemeyer. Der 29-Jährige verlor seinen Stammplatz und zuletzt auch noch das Kapitänsamt.

Hertha-Coach Jos Luhukay benannte Fabian Lustenberger zum neuen Spielführer der Berliner. Doch Niemeyer, ein vorbildlicher Profi mit einem absoluten Kämpferherz, zeigt in diesen für ihn so schweren Tagen wahre Größe.

Auf seiner Facebook-Seite schreibt der Mittelfeldspieler: "Als allererstes möchte ich dem neuen Kapitän 'Lusti' gratulieren. Natürlich bin ich sehr enttäuscht."

Niemeyer werde sich aber weiter "für die Mannschaft, für Hertha BSC und natürlich für euch Fans auf dem Platz zerreißen und auch ohne die Binde alle meine Qualitäten einbringen."

Unterstützung von Franz

Franz stärkt dem Kollegen den Rücken: "Ich bin sehr eng mit Peter befreundet. Der Trainer hat sich so entschieden. 'Lusti' ist ein guter Typ und hat eine gute Saison gespielt. Peter kann sich nichts vorwerfen, hat die Truppe nach oben geführt."

Und weiter: "Der Trainer wird seine Gründe haben und Peter wird sich weiter zerreißen. Der hat Feuer und Leidenschaft. Wenn der auf den Platz geht, dann ist das wie bei mir, es klappt ein Schalter um und er steht unter Strom."

Unter Strom standen im Pokal ebenso Herthas Tunesier Sami Allagui und Änis Ben-Hatira.

Gruselkick im Pokal

120 Minuten gab es bis zum erlösenden Last-Minute-Siegtreffer durch Allagui im Gruselkick beim Viertligisten nicht viel zu lachen für die "Alte Dame", hinzu kamen noch die fiesen Pöbeleien der VfR-Fans gegen Herthas Mittelfeldspieler Ben-Hatira.

Doch die sind raus aus den Köpfen. Man hat sich schließlich in Runde zwei gezittert. Zwei Mal legte Allagui für Ben-Hatira auf, der zwei Tore erzielte. Jetzt richtet sich der Blick nur auf Samstag.

Ben-Hatira, der im Pokal einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte, gab inzwischen Entwarnung und will auch gegen die Eintracht jubeln.

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet Ben-Hatira und Allagui machen rechtzeitig vor dem Ligastart Freude und haben sich bei Luhukay inzwischen in die Stammformation gespielt.

"Allagui ist ein vorbildlicher Junge"

Für Luhukay war das auffällige Spiel der beiden tunesischen Nationalspieler gar keine große Überraschung. "Allagui ist ein vorbildlicher Junge", lobte der Niederländer den Ex-Mainzer in der "Berliner Zeitung".

Allagui mache seine Position auf der rechten Seite inzwischen viel Spaß, meint der Coach. Ursprünglich war Allagui vor einem Jahr als zentraler Stürmer verpflichtet worden. "Und Ben-Hatira hat seinen Weg gefunden", weiß Luhukay.

Und Franz? Der brennt schon auf sein Comeback: "Ich bin topfit und habe jede Einheit mitgemacht. Aber ich bin nun mal zwei Spiele gesperrt und etwas hinten dran. Aber meine Zeit wird noch kommen, wo ich wieder spielen werde."

Weiterlesen