Pep Guardiola (r.) gewann mit dem FC Barcelona als Trainer zwei Mal die Champions League © getty

Guardiolas Rotation als Schwachstelle der Bayern? Experte Netzer verneint: Der Trainer erweitere den Horizont der Spieler.

Von Patrick Mayer

München - Der Ausbruch aus der Doppel-Sechs, eine "falsche Neun" in vorderster Front, Philipp Lahm im Mittelfeld. Pep Guardiola lässt seine Bayern munter durchrotieren. Und ruft damit die Skeptiker auf den Plan.

Ob das gut geht, fragt sich da manch einer. Mario Mandzukic, der Torjäger mit der Luft für 120 Minuten und mehr, wird als erster potenzieller Unruherd ausgemacht.

Gespannt erwarten sie die Anfangsformation, die Guardiola am Montag in das Erstrundenspiel des DFB-Pokals gegen den BSV Schwarz-Weiß Rehden (ab 20.15 Uhr LIVE bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) schickt.

Schwarz-Weiß...wer?

"Bayerns Suche nach der Stammelf, auch gegen Rehden?" Die Überschrift prangt in großen, grau unterlegten Lettern auf der Homepage des krassen Außenseiters aus Niedersachsen.

BSV Schwarz-Weiß ? wer? Rehden! Keine zweitausend Einwohner, idyllisch inmitten zweier Naturparks gelegen. Der erste Fußballklub im Dorf ist der BSV. Und der spielt immerhin in der Regionalliga Nord.

Doch der Klub sieht sich zu größeren Taten befähigt. Die Bayern kommen.

Mehr als Passion

Und mit ihnen der Mann, dessen pure Präsenz in den Fußballstadien landauf, landab die Anhängerschaft Kopf stehen lässt. Pep Guardiola wird die Seitenlinie in der Osnabrücker Arena entlangschreiten, in die der Regionaligaklub mangels Kapazitäten auf dem Sportplatz "Waldsportstätten" (maximal 4.350 Zuschauer) ausweicht.

Und was machen kleine Fußballvereine, wenn sie auf eine Übermannschaft treffen? Sie bemühen das Klischee um den wackeren David, der mit Leidenschaft dem großen Goliath "ein Bein stellen" möchte. Doch Passion alleine genügt Rehden nicht.

Die Mannschaft von Trainer Predrag Uzelac sucht nach Schwachstellen im "System Guardiola".

Damals, im August 1994

Die Bayern schlagen? Warum nicht, denken sie sich. Die Amateure des TSV Vestenbergreuth haben es vorgemacht, damals, im August 1994, 1:0 gegen den Rekordmeister, welch' Blamage.

Die Schwachstelle meinen sie in der permanenten Rotation ausgemacht zu haben. Wenn der Abwehrverbund aufgerückt sei, hätten die Bayern Probleme, in der Rückwärtsbewegung die Ordnung aufrecht zu erhalten, lautet die Analyse auf der Homepage.

Guardiola breche bis ins Details einstudierte Mechanismen, sagen auch die Kritiker.

Und Abwehrchef Dante gab jüngst nach dem Finale des Audi-Cups (2:1 gegen ManCity) gegenüber SPORT1 Abstimmungsprobleme mit seinem neuen Partner in der Innenverteidigung, Javi Martinez, zu.

Opfer der Umstellungen?

Ein Umstand, der Rehden hoffen lässt. Und die Diskussionen der Fußballexperten anheizt.

Mit Jerome Boateng und Daniel van Buyten habe der Spanier zwei top eingespielte Innenverteidiger. Zu viel Konkurrenz als hausgemachtes Problem? Mandzukic, Boateng und van Buyten als Opfer der Umstellungen?

Sie erwartet die Bank, wenn die Neuzugänge Mario Götze und Thiago Alcantara von Anfang an auflaufen. Die Verpflichtung des spanischen U-21-Europameisters sei überflüssig gewesen, meinte Felix Magath im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 (Bericht).

"Ein spanischer Trainer holt einen spanischen Spieler ? diese Situation hätte er sich sparen können."

Netzer überzeugt von Pep

Ein anderer Experte sieht dagegen keine Probleme. Günter Netzer lobt Guardiola gar für seine Umstellungen. Er entwerfe kein Chaos, schrieb Netzer in der "Bild am Sonntag", "das ist ganz gezielt angewandt".

Die Bayern-Profis würden auf eine Art und Weise gefordert, wie sie vielleicht noch nie gefordert woren sind.

Er werde die Spieler nicht verbiegen, sondern "am Ende ein funktionierendes System dastehen", versicherte Netzer.

Die Suche nach der perfekten Mannschaft

Was er meint: Guradiola arbeitet an der "perfekten" Mannschaft. "Er wird die Spieler nach ihren Talenten einsetzen."

Um Talente restlos zu erkennen, müssen gestandene Fußballprofis ihren Job unkonventionell erfüllen. Ein Beispiel: Bastian Schweinsteiger stand gegen Manchester als fünfter Mann auf Höhe der Viererkette.

Dies verschafft ihm in seinem auf totale Kontrolle ausgelegten Spiel einen "erweiterten Horizont" (Netzer). Er kann das Spiel noch besser überblicken und sich kräftezehrende Laufduelle ersparen.

Schweinsteiger bleibt Dirigent

Die übernimmt nun Thiago. Und Schweinsteiger hat mehr Platz. Er bleibt der Dirigent, nicht inmitten, sondern hinter seinem spielenden Orchester.

Das ist Perfektion a la Guardiola, das Mehr an Flexibilität, das Schweinsteiger selbst gefordert hatte.

Flexibilität ist gleich Unberechenbarkeit. Und Rotation schafft Flexibilität.

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