Pep Guardiola nähert sich seiner ersten Elf - mit einem neuen Innenverteidiger. Dante räumt bei SPORT1 Abstimmungsprobleme ein.

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Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Die Abrissbirne schlug erbarmungslos ein, das vielleicht stabilste Defensiv-Konstrukt der vergangenen Jahre liegt in Schutt und Asche.

Pep Guardiola ist der Ansicht, dass aus Trümmern noch Größeres erwachsen kann. Sonst hätte der neue Trainer des FC Bayern die Struktur seiner Mannschaft wohl nicht derart verändert.

Die Doppelsechs Bastian Schweinsteiger/Javi Martinez ist jedenfalls Vergangenheit. Der Spanier, wegen seiner Mittelfeldfertigkeiten 2012 für 40 Millionen Euro aus Bilbao geholt, wurde in beiden Spielen beim Audi Cup in die Innenverteidigung beordert.

Die Startelf des FCB beim 2:1 im Finale gegen Manchester City (Bericht) gab personell einen Vorgeschmack auf die kommenden Wochen.

Mandzukic und Boateng raus

Vieles ist neu, manches anders. Die Startelf präsentiert sich nun so: Philipp Lahm und David Alaba als Außenverteidiger, Martinez und Dante im Zentrum. Dann Schweinsteiger als Sechser, davor Thiago Alcantara und Toni Kroos sowie die Außenspieler Franck Ribery und Arjen Robben. Und ganz vorn Thomas Müller als "falsche Neun".

Für Mario Mandzukic, gegen Manchester immerhin Siegtorschütze, ist im Sturm kein Platz mehr. Auch Innenverteidiger Jerome Boteng sitzt vorerst draußen.

Beide verhalfen den Münchnern noch im Mai zum Sprung auf Europas Thron.

Guardiola "zufrieden"

Von Boateng ist kein Statement überliefert, der neue Innenverteidiger Martinez dampfte am Donnerstagabend lächelnd, aber ohne ein Wort ab ( 755355 DIASHOW: Die Bilder des Audi Cups ).

Die Beantwortung der Frage, ob Guardiola gerade den größtmöglichen Fehler macht oder genau richtig liegt, blieb so oder so offen.

"Martinez ist erst seit fünf Trainingseinheiten mit dabei, dafür bin ich sehr zufrieden", kommentierte der Trainer selbst.

Guardiola bescheinigte Martinez, im Verbund mit Dante gute Arbeit geleistet zu haben - gegen ein "ganz starkes Angriffstrio" von ManCity. Tatsächlich war von Samir Nasri, Alvaro Negredo und Stevan Jovetic lange Zeit wenig zu sehen, ehe die FCB-Defensive nachlässiger wurde.

Dante klagt über "schwere Beine"

Eine Konditionssache, glaubt Guardiola. Wenn beide Abwehrspieler da bald zulegten, würden auch die Fehler weniger.

Sowohl Martinez als auch Dante marschierten in der Sommerpause bis ins Finale des Confed Cups, stiegen deshalb verspätet ins Bayern-Training ein.

"Wir hatten schwere Beine, arbeiten jeden Tag hart", räumte Dante im Gespräch mit SPORT1 ein. Und die beiden Begegnungen gegen Sao Paulo am Mittwoch und ManCity 24 Stunden später waren natürlich ein straffes Programm.

"Erstmal besser kennenlernen", nannte Dante als Vorgabe für die nächsten Auftritte. Und: Martinez habe ja schon in Bilbao "Innenverteidiger gespielt". Quasi nebenbei sollen also die Abstimmungsprobleme verschwinden, wobei sich der Brasilianer in der Rolle desjenigen sieht, der die Kommandos gibt.

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Neuer wieder komplett fit

Vor Keeper Manuel Neuer verändert sich das Team gerade also gewaltig. Der von muskulären Problemen genesene Torhüter ist einer der Wenigen, an denen die Rochaden wie ein Sommergewitter vorüberziehen.

Es sind keine kleinen Verschiebungen, die Guardiola auslöste. Es sind Erdbeben.

Schweinsteiger muss sich noch in die Rolle als alleiniger Abschirmdienst vor der Abwehr hineinfinden, und Mandzukic wird weiter vehement gegen seine neue Funktion als Edeljoker kämpfen.

Wie gegen Sao Paulo traf der Kroate auch gegen die "Citizens" kurz nach seiner Einwechslung. Einen Kommentar verkniff er sich nach der Partie, stapfte wort- und grußlos durch die Mixed Zone.

"Mandzukic hat sehr gut gespielt"

Die Streicheleinheit von Karl-Heinz Rummenigge dürfte den Triple-Sieger dennoch erreicht haben. "Er hat sehr gut gespielt", urteilte Bayerns Vorstandsboss über den Kroaten: "Wir wissen, welchen Wert er hat. Das hat er letztes Jahr bewiesen und wird es auch dieses Jahr tun."

Deutliche Worte des ehemaligen Weltklasse-Stürmers.

Müller erfüllte zu Beginn die Rolle der einzigen Sturmspitze, ein ausgebildeter Torjäger ist er trotz aller Qualitäten nicht. Soll Guardiolas Startelf-Plan funktionieren, müssen Müller und Kollegen häufiger treffen. Nicht nur Bayerns Führungsetage wird die stürmerlose Guardiola-Taktik daran messen.

Und bis zur Rückkehr von Mario Götze, der am Freitag ins Mannschaftstraining einstieg, wird noch etwas Zeit vergehen.

Can nach Leverkusen

Guardiola freute sich derweil über die Startphase seiner Mannschaft, in der die Bayern gegen den Champions-League-Teilnehmer Manchester City 72 Prozent Ballbesitz erreichten.

"Die ersten 30 Minuten waren das Spiel, das ich sehen wollte, wir hatten starke Kontrolle über den Gegner", verkündete er und hat schon die nächsten Pläne:

Bis zum Ende der Transferperiode wird sich Bayerns Kader wohl noch etwas ausdünnen. Emre Can wechselte bereits am Freitag nach Leverkusen. Auch Diego Contento und Luiz Gustavo könnten den Verein noch verlassen.

Pep der Baumeister bastelt und bastelt.

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