Schweinsteiger macht bei SPORT1 seine Führungsansprüche klar. Für Guardiola ist ein System indes nur "wie eine Telefonnummer".

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Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel, Martin Volkmar und Christian Ortlepp

München - Der Chef ist zurück. Und das gleich auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld.

Im Halbfinale des Audi Cups stand Bastian Schweinsteiger erstmals während der Vorbereitung in der Startelf, dirigierte seine Bayern zum 2:0 gegen den FC Sao Paulo (Bericht)

Er tat das aus der Sechser-Rolle heraus. Der Wohlfühlfaktor war also garantiert. Bei aller Experimentierfreude von Pep Guardiola sieht sich Schweinsteiger ja nicht so gerne als frei veschiebbare Spielfigur.

"Ich denke, ich kann alle drei Positionen im zentralen Mittelfeld spielen, ich habe aber schon gesagt, am wohlsten fühle ich mich vor der Abwehr", betonte Schweinsteiger daher im Gespräch mit SPORT1 und fügte pflichtschuldig an: "Der Trainer entscheidet, was das Beste ist."

Zweikampfstark beim Comeback

In der ersten Hälfte verlor Schweinsteiger keinen einzigen Zweikampf. Ein starker Wert.

Zumal Sao Paulo mitten im Ligabetrieb steht und Schweinsteiger nach seiner Knöchel-OP Anfang Juni erst langsam wieder seinen Rhythmus findet ( 755355 DIASHOW: Die Bilder zum Spiel ).

Und der Stratege pochte anschließend auf seine Lenkerrolle. "Ich habe in den letzten Jahren im zentralen Mittelfeld eine ganz gute Entwicklung genommen, ich hoffe, dass ich das noch steigern kann", erläuterte Schweinsteiger: "Wo ich genau spielen werde, weiß ich noch nicht, ich gehe aber davon aus, dass es die Sechs ist."

Geburtstagswünsche vorab

Im eleganten Kurzarmhemd eilte Schweinsteiger dann durch die Mixed Zone, quasi seinem 29. Geburtstag entgegen. Teamkollege Luiz Gustavo hatte dem Vizekapitän bereits vor Mitternacht gratuliert, ein "Alles Gute, Schweini" in die TV-Kameras gesprochen.

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Die Fans in München preisen Schweinsteiger als "Fußballgott".

Symbolisch steht er für die vergangene Triple-Traumsaison, die nach seinem Elfmeter-Fehlschuss im Champions-League-Finale gegen Chelsea startete. Schweinsteigers Status könnte nach seiner Wahl zum Fußballer des Jahres kaum größer sein und doch wird gerade jetzt von ihm Flexibilität verlangt.

Wer muss weichen?

Guardiola hat sich für das 4-1-4-1-Sytem entschieden, Bayerns legendäre Doppelsechs aus Schweinsteiger und Javier Martinez ist damit Vergangenheit, der Kampf um die Rolle in der Schaltzentrale läuft.

Der Münchner Trainer beorderte in der Vorbereitung immer wieder Thiago Alcantara auf die Position vor der Abwehr, der Neuzugang aus Barcelona erfüllte die Rolle - trotz einiger Fehlpässe - äußerst vielversprechend.

"System wie eine Telefonnummer"

"Ein System", sei beliebig "wie eine Telefonnummer", sagte Guardiola nach dem Erfolg gegen Sao Paulo: "Es ist nicht die wichtigste Sache. Mir ist wichtig, dass die Spieler dynamisch sind und mit dem Ball umgehen können."

Der Katalane will sich nicht festlegen, vor Saisonbeginn schon gar nicht. Seine Wunschvorstellung ist quasi, dass im Mittelfeld jeder Spieler jede Position ausfüllen kann. Volle Flexibilität zählt.

Komplimente für Schweinsteiger

"Überrascht" und "glücklich" verfolgt das neue Münchner Mastermind, wie die Spieler seine Taktik annehmen und ihm so mehr Variationsmöglichkeiten geben. Javier Martinez wanderte in die Innenverteidigung, Philipp Lahm - mal wieder - ins Mittelfeld.

Die dazugehörigen Risiken der Übergangsphase akzeptiert Guardiola, nach dem Stimmungsknick durch den verlorenen Supercup gegen den BVB ist er längst wieder am Tüfteln.

Schweinsteiger ist dabei ein elementarer Baustein. "Ich bin zufrieden mit seinem ersten Spiel von Anfang an", betonte der Starcoach. "Er ist ein super, super Spieler und sehr intelligent."

Sammer schimpft

Neben Philipp Lahm und Manuel Neuer dürfte Schweinsteiger einer der wenigen Profis im Münchner Kader mit Stammplatz-Garantie sein. Die Kurzzeit-Debatte, dass Peps Reformkurs Schweinsteiger Richtung Bank treiben würde, hatten sie beim FC Bayern ohnehin erstaunt verfolgt.

Matthias Sammer brachte das sogar ein leichtes Zornesglühen ins Gesicht.

"Nun Schweinsteiger in Frage zu stellen, den weltbesten Mittelfeldspieler, ist absolut absurd", schimpfte der FCB-Sportvorstand bei "RTL" und erklärte:

"Bastian hatte wegen einer Verletzung noch Rückstand, Gustavo und Martinez hatten ebenfalls noch Rückstand wegen des Confed Cups. Einer muss dann halt auch mal spielen. Dann war es Thiago."

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