Armin Veh (l.) lieferte sich Diskussionen mit den Unparteiischen © getty

Nach der Gladbach-Pleite klagt Frankfurts Trainer einen Spieler wegen fehlender Abgezocktheit an. Borussias Coach stapelt tief.

Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt - Armin Veh konnte sich einfach nicht beruhigen.

Eintracht Frankfurts Trainer schimpfte noch lange nach der 0:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach (Spielbericht) über alles und jeden.

Erst regte ihn die Spielweise des Gegners auf, dann über seine Verbannung von der Bank auf die Tribüne in der Nachspielzeit ("Bei mir geht das Blut hoch und dann stellt mich der Einflüsterer vom Platz"), und schlussendlich griff er noch seinen Japaner Takashi Inui an.

"In der zweiten Halbzeit war es wie ein Handballspiel. Es ist ärgerlich, dass man gegen eine Mannschaft verliert, die so destruktiv spielt", rügte Veh die Taktik der Borussia.

"Ich wäre auf jeden Fall hingefallen"

Doch viel mehr ärgerte er sich über das Verhalten von Inui.

Der wuselige Dribbler hätte einen Elfmeter provozieren können, zog aber vor, hochzuspringen und weiterzulaufen.

Für Veh keine gute Entscheidung: "Takashi ist nicht abgezockt. Er ist zu grün. Ich wäre auf jeden Fall hingefallen. Er kann jetzt die Fairplay-Medaille bekommen, aber wir haben keine Punkte bekommen."

Vier Spiele ohne Tor: Der Druck wächst

Der Ärger des 52-Jährigen geht eben auch darauf zurück, dass sein Team in vier Partien kein Tor erzielte und nun vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 immens unter Druck steht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch Kapitän Pirmin Schwegler glaubt: "Es gibt so Phasen, wir werden dagegen ankämpfen. Es ist eben nicht so leicht für einen Aufsteiger zu gewinnen. Wir haben immer noch eine gute Ausgangslage."

Matchwinner de Jong bleibt bescheiden

Die Ausgangslage hat sich bei den Gladbachern durch den knappen Sieg eindeutig verbessert.

"Am Anfang ist hier vieles schwer gewesen, auch für mich", sagte Luuk de Jong, der Schütze des glücklichen 1:0-Siegtores, "aber jetzt ist vieles besser, auch für mich."

Der Niederländer taugt nicht als Lautsprecher, wohl aber als Sinnbild für die Mönchengladbacher Metamorphose.

Kein Fremdkörper mehr

Wo er in der Hinrunde noch als Fremdkörper galt und die Mannschaft sich nach den Abgängen von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter noch suchte, geht er nun als Matchwinner eines mit vereinten Kräften geführten Abnutzungskampfes hervor.

Der Mittelstürmer schlug nach Kopfballverlängerung von Thorben Marx zu ( 682199 DIASHOW: Der 24. Spieltag ).

"Ich stehe an einem guten Platz, und dann kommt der Ball genau auf meinen Kopf", beschrieb der Zwölf-Millionen-Einkauf die Schlüsselszene nach 22 Minuten.

Kruse, Pukki und Raffael auf der Liste

Vier Bundesligatreffer stehen für den 22-Jährigen erst zubuche.

Aber setzt er in Zukunft fort, was er auch in Sachen Spielverständnis und Ballbehandlung etwa in Frankfurt andeutete, wird klar, warum die Borussia-Führung den Vertrag mit Mike Hanke nicht verlängern will.

Stattdessen sollen Spieler wie Robbie Kruse aus Düsseldorf, Kevin Volland aus Hoffenheim, Teemu Pukki oder Raffael von Schalke auf der Wunschliste für die nächste Saison stehen - keinen dieser Namen hat Sportchef Max Eberl dementiert.

Younes überzeugt erneut

Einer wie de Jong ist bereits eine Investition in die Zukunft gewesen, der auch dann besser zur Geltung kommt, wenn hinter und neben ihm filigrane Feingeister wie Patrick Herrmann oder Amin Younes wirbeln dürfen.

Der für den abermals am Knöchel verletzten Juan Arango aufgebotene 19-jährige Younes verriet auch in seinem zweiten Startelfeinsatz prima Ansätze.

"Wir haben wirklich sehr gute Fußballer in unseren Reihen", befand auch de Jong.

"Müssen Entwicklung bestätigen"

Doch der erste Erfolg nach sechs sieglosen Pflichtspielen und der vorübergehende Sprung auf den sechsten Tabellenplatz glückte eben auch nur, weil die Defensive um den überragenden Martin Stranzl und den aufmerksamen Alvaro Dominguez ganze Arbeit verrichtete.

"Das zu Null war uns ganz wichtig. Jeder hat nach hinten gearbeitet", lobte Abwehrchef Stranzl: "Gegen Werder Bremen müssen wir diese Entwicklung bestätigen, wir wollen wieder international dabei sein."

Die gerade zu Ende gegangene Europa-League-Teilnahme hat der Elf vom Niederrhein längst Lust auf mehr gemacht.

Großes Lob für die Eintracht

Trainer Lucien Favre mochte über einzelne Spieler und solche Ambitionen aber partout nicht sprechen.

"Nach der ersten Halbzeit war der Sieg nicht unverdient, nach der zweiten Halbzeit war das hart für Frankfurt", konstatierte der Schweizer, der der Eintracht eine Gratulation dafür aussprach, "wie sie spielen, technisch brandgefährlich."

Seine Elf sei ans Limit gekommen, "wir müssen noch viel tun." Dann lächelte der 55-Jährige tiefsinnig.

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