Watzke (r., mit Hoeneß) ist seit 2005 Geschäftsführer von Borussia Dortmund © getty

Zwischen BVB und Bayern fliegen die Giftpfeile. Watzke kontert Hoeneß - und könnte im Volkswagen Doppelpass nachlegen.

Von Jan Reinold

München - Am Mittwoch schien die Welt des Uli Hoeneß noch und wieder in Ordnung.

"Die Vormachtstellung" habe sein FC Bayern mit dem 1:0-Erfolg im Pokal-Viertelfinale über Borussia Dortmund zurückerobert. (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle)

"Die Verhältnisse", analysierte der FCB-Präsident, "sind geklärt."

Das war wohl etwas voreilig formuliert.

Nach den Plagiatsvorwürfen von Jürgen Klopp ("wie die Chinesen in der Industrie") an die Adresse der Münchner konterte am Freitag erst Bayern-Coach Jupp Heynckes seinen Dortmunder Trainerkollegen, dann nahm BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den geworfenen Fehde-Handschuh auf.

Watzke: Keine Belehrungen vom FC Bayern

"Das ist ganz sicher nicht der Verein, der uns zu sagen hat, wie man in der Niederlage Größe zeigt. Da haben sie selbst nicht gerade das Monopol drauf", sagte Watzke zu der Diskussion um die vermeintlich den Dortmunder Spielstil akupfernden Bayern.

Am Freitag meinte er bereits kampfeslustig: "Was Jürgen Klopp sagt, ist in der Sache vollkommen richtig. Wir brauchen von den Bayern ganz bestimmt keine Belehrungen darüber, wie wir uns zu verhalten haben."

Näher erläutern wird der Dortmunder Klub-Boss seine Sichtweise am Sonntag ab 11 Uhr im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Unnachgiebiger BVB

Das Verhältnis der beiden aktuell besten deutschen Klubs gleicht mehr und mehr einem Boxkampf, es geht Schlag auf Schlag.

Dabei ist der Austausch solcher und ähnlicher verbaler Nettigkeiten zwischen dem ewigen Platzhirsch FC Bayern und einem Rivalen, in diesem Fall Dortmund, nichts Neues.

Ungewöhnlich aber ist, dass der BVB anders als in früheren Jahren beispielsweise Werder Bremen und Willi Lemke oder Schalke 04 unter Felix Magath nicht nachgibt.

Dortmund, und hier vor allem sein meinungsfreudiger Geschäftsführer, scheinen aus einem anderen Holz.

[kaltura id="0_35ihywun" class="full_size" title="Heynckes schimpft ber Klopp"]

Watzke als Gegenpol

Wie Hoeneß ist Watzke der Abteilung Attacke zugehörig, der 53-Jährige ist kein Mann der leisen Töne.

Als Hoeneß den BVB im Vorjahr als "regionale Sache" bezeichnete, ruderte der Bayern-Präsident nach einer deutlichen Replik von Watze zurück.

Einige Monate zuvor hatte Hoeneß Watzke bereits attestiert, "Märchen" über die Dortmunder Personalkosten zu erzählen.

"Die kann er denen erzählen, die keine Ahnung haben. Er muss aufpassen, dass er nicht zum zweiten Willi Lemke wird", sagte Hoeneß.

Watzke Anhänger von 50+1

Watzke, man ahnt es, ließ das nicht unkommentiert stehen. "Mich wundert sehr, wie dünnhäutig Uli Hoeneß reagiert. Sollen wir künftig extra gegen Bayern verlieren, damit er nicht meckern muss?", fragte der BVB-Geschäftsführer.

Die Antwort kann man sich denken.

Ähnlich wie an den Bayern arbeitet sich Watzke auch gerne an einem anderen Thema ab.

Der streitbare Sauerländer ist ein erklärter Anhänger der 50+1-Regel, die die Übernahme deutscher Klubs durch Investoren verhindern soll.

Konflikt mit Werksklubs

Immer wieder gerät er mit den Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg oder auch dem von Milliardär Dietmar Hopp finanzierten Hoffenheimern aneinander.

"Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25 000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland", hatte Watzke vor zwei Wochen beim Sportwissenschafts-Kongress (SpoBIS) in Düsseldorf gesagt ? und entfachte damit eine alte Debatte mehr denn je.

Bayers Klubchef Wolfgang Holzhäuser widersprach Watzke sofort und warf seinem Dortmunder Kollegen sogar vor, die Klubs gegeneinander aufzuwiegeln.

"Das halte ich für eine extrem populistische Aussage, die man auch nur dann treffen kann, wenn man sportlich in der Position des Stärkeren ist", sagte Holzhäuser dem "Bonner General-Anzeiger".

Der "Kollege Watzke" sei scheinbar in einer Position, in der er sich vieles erlauben könne, führte Holzhäuser weiter aus: "Auch Dinge, die wenig objektiv sind"

Allofs unterstützt Holzhäuser

Zudem erinnerte er in der "Welt" an das durchaus fragwürdige Finanz-Gebahren der Dortmunder in der Vergangenheit: "Die haben damals gut 130 Millionen Euro durch ihren Börsengang eingenommen. Diese Summe ist sicher nicht dank des guten Fußballs zusammengekommen. Ich will nicht wissen, was aus Borussia Dortmund ohne dieses Geld geworden wäre."

Unterstützung erhielt Holzhäuser - wenig überraschend - von seinem Leverkusener Mitstreiter Rudi Völler und Wolfsburgs Manager Klaus Allofs ("an mangelndem Selbstbewusstsein leidet Herr Watzke nicht") sowie von Hoffenheims Manager Andreas Müller.

Watzke dürfte weder in dieser Sache noch in der Auseinandersetzung mit den Bayern klein beigeben.

Fortsetzung folgt.

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