FC Bayern vs. Borussia Dortmund: Chronologie einer Eiszeit
Jupp Heynckes (r.) begann seine Trainerkarriere 1979 in Mönchengladbach © imago

Trotz des einseitigen Pokalspiels geht die Fehde zwischen den Bayern und dem BVB weiter. Heynckes kontert Klopps Plagiatsvorwurf.

Vom FC Bayern berichtet Jan Reinold

München - Ganz entspannt, befand Mediendirektor Markus Hörwick, könne der FC Bayern München doch zwei Tage vor dem Auswärtsspiel beim Abstiegskandidaten 1899 Hoffenheim "die Themen angehen". (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle)

Doch daraus wurde nichts, die idyllische Ruhe beim so souveränen Bundesliga-Tabellenführer hielt nur wenige Minuten.

Angesprochen auf die Plagiatsvorwürfe von Jürgen Klopp reagierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes vor der Partie im Kraichgau (So., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) mit einer vollen Breitseite.

"Der FC Bayern", belehrte Heynckes seinen 22 Jahre jüngeren Dortmunder Kollegen, "besteht schon länger, als Jürgen Klopp Trainer ist und hatte immer seinen eigenen Spielstil. Es ist ganz wichtig, dass man in Sieg und Niederlage Größe zeigt, besonders wenn man verliert".

Klopp ätzt gegen Bayern

Genau das hatte Klopp, daran ließ Heynckes keinen Zweifel, nach der Dortmunder 0:1-Niederlage im Pokal-Viertelfinale unter der Woche nicht getan.

"Im Moment ist es so, wie es die Chinesen in der Industrie machen. Schauen, was die anderen machen, um es abzukupfern und dann mit mehr Geld und anderen Spielern den gleichen Weg einzuschlagen", hatte "Kloppo" geätzt:

"Und schon ist man wieder besser."

Heynckes verweist auf Erfahrung

Bei seinem verbalen Konter verwies Heynckes auf die Erfahrungen aus seiner langen Trainerkarriere, und es klang ganz so, als müsse Klopp erst einmal dieses Niveau erreichen, um sich fundiert über solche Dinge äußern zu dürfen.

"Wenn Jürgen mal in den Genuss kommt, Bayern München oder Real Madrid zu trainieren, dann wird er erst einmal merken, was das heißt. Das ist eine andere Welt", erklärte der 67-jährige Heynckes:

"Das ist eine Sisyphos-Arbeit. Dann wird er vielleicht anders denken." (BERICHT: Bayerns Abwehrplan - es hat Klick gemacht)

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"Gegen alle diese Trainer habe ich gewonnen"

Er hingegen habe bereits mit den Bayern oder auch zu seiner Zeit in Spanien mit Real Madrid gegen "Top-Gegner" mit "Weltklasse-Trainern" wie Marcello Lippi, Arrigo Sacchi, Ernst Happel oder Johan Cruyff gespielt.

"Gegen alle diese Trainer habe ich gewonnen. Da ist es mir auch nach Niederlagen nie eingefallen zu sagen, dass die abgekupfert hätten", betonte der Bayern-Coach.

Klopp hingegen tue momentan so, als habe er "ein Patent angemeldet".

Watzke schimpft zurück

Eigentlich, hatten sie zumindest in München geglaubt, sei das Dauerduell mit dem lästigen Dortmunder Rivalen spätestens mit dem Pokalsieg am Mittwoch erledigt, zu eindeutig war die Überlegenheit des Rekordmeisters beim "Highlight" (Heynckes) gewesen, zu sehr hechelt Klopps BVB den Münchnern in dieser Saison hinterher.

Doch so schnell gibt man in Dortmund nicht klein bei, die Replik auf Heynckes' Worte ließ jedenfalls nur Minuten auf sich warten.

"Bayern München ist ganz sicher nicht der Verein, der uns zu sagen hat, wie man in der Niederlage Größe zeigt. Da haben sie selbst nicht gerade das Monopol drauf", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

"Was Jürgen Klopp sagt, ist in der Sache vollkommen richtig. Der BVB braucht von den Bayern ganz bestimmt keine Belehrungen."

(BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist am Sonntag ab 11 Uhr zu Gast im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1)

Heynckes lässt sich nicht belehren

Umgekehrt will sich aber auch Heynckes nicht von den Dortmundern belehren lassen.

Das von Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit dem Pokalsieg ausgerufene Zurechtrücken der Machtverhältnisse nach den letzten beiden mageren Bayern-Jahren sei vielmehr eine logische Konsequenz seiner Arbeit beim FC Bayern.

Es habe seit seinem Amtsantritt im Sommer 2011 einfach Zeit gebraucht, um "Entwicklungen und Prozesse" einzuleiten, erklärte Heynckes und ergänzte - wieder mit Blick auf den BVB:

"Jürgen Klopp ist jetzt fünf Jahre Trainer in Dortmund, auch er hat einige Jahre gebraucht, um diese Prozesse anzuschieben und auf dem Niveau Fußball zu spielen."

"Wir sind hungrig"

Die Rivalität zwischen beiden Fußball-Großmächten dürfte die Bundesliga also noch eine Weile unterhalten, dabei geriet auch das Auswärtsspiel der Bayern am Sonntag in Hoffenheim völlig in den Hintergrund.

Angesichts des komfortablen 17-Punkte-Vorsprungs auf den BVB könnte Heynckes im Kraichgau in der Startelf rotieren, von Schonung will er aber nichts wissen.

"Wir sind hungrig auf Erfolge, wir werden in der Meisterschaft nicht nachlassen", versprach Heynckes und warnte zugleich vor dem Tabellen-Vorletzten - obwohl der noch nie gegen die Bayern gewonnen hat.

"Da geht's um Arbeitsplätze", mahnte Heynckes, "das wird kein Spaziergang".

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