Kapitän Philipp Lahm (l.) spielt seit 1995 für den FC Bayern München © getty

FCB-Kapitän Lahm analysiert nach dem Sieg über Dortmund, was die Abwehr so stark macht. Boateng muss auf seine Chance lauern.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Philipp Lahm schmeckte gar nicht, was einige seiner Teamkollegen fabriziert hatten.

"Die Defensivleistung hat bei manchem zu wünschen übrig gelassen", klagte der Kapitän des FC Bayern am Donnerstagnachmittag.

Selbstverständlich sprach er aber nur über das Basketball-Match im Regenerationstraining kurz zuvor. In ihrem Kerngebiet überzeugten die Münchner schließlich beim Pokalfight gegen Borussia Dortmund (Bericht).

Drei Torchancen. Mehr brachte der BVB in 90 Minuten nicht zustande, die zweitbeste Offensive der Bundesliga prallte an der Münchner Viererkette ab wie an einer Gummiwand. ( 681258 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Trotz Marco Reus, Mario Götze und Superstürmer Robert Lewandowski. ( 681257 DIASHOW: Einzelkritik )

Lahm stoppt erst Poldi, dann Reus

Und Lahm scheint es mittlerweile zu einer neuen Herausforderung gemacht zu haben, seinen Nationalelfkollegen erfolgreich auf die Füße zu treten.

In London riegelte er in der Champions League sämtliche Wege gegen Arsenals Kanonier Lukas Podolski ab, gegen Dortmund meldete er Marco Reus ab. Einmal durfte der aufs Tor schießen und verzog dabei.

"Haben viel gearbeitet"

"Wir haben viel gearbeitet?, erklärte Lahm auf SPORT1-Nachfrage zur bärenstarken Defensive.

"In dieser Saison machen wir das hervorragend, nicht nur die Abwehrspieler und der Torwart, das ist so, wie wir es uns immer vorgestellt haben."

Tatsächlich rückte schon Stürmer Mario Mandzukic BVB-Innenverteidiger Neven Subotic auf die Pelle, der BVB-Spielaufbau stockte so merklich. "Wir wissen, wie wichtig Mandzo für unsere Mannschaft ist, weil er sehr viel und defensiv arbeitet", erläuterte Lahm.

[kaltura id="0_6vkha1fr" class="full_size" title="Robben: Ich kann noch besser"]

Zudem sei es erste Maßgabe, alle Mann hinter dem Ball zu versammeln und - besonders wichtig gegen Dortmunds Dribbler der Extraklasse wie Mario Götze - das Zentrum zu schließen.

Als kompromissloser Abräumer vor der Abwehr hielt zudem Javier Martinez einiges Unheil von der Viererkette fern, siegte fast in jedem Kopfball-Duell.

Robben übernimmt Piszczek

Allerdings hatte der Spanier in der zweiten Hälfte Glück, für ein rabiates Foul an Lewandowski nur Gelb kassiert zu haben.

Seine Defensiv-Philosophie hat Jupp Heynckes nach den Schockerlebnissen zum Ende der titellosen Vorsaison fest bei seinen Mannen verankert. Selbst bei Künstlertyp Arjen Robben hat es Klick gemacht.

"In so einem Spiel darfst du dem Gegner keine freien Räume geben, ich war links aufgestellt und Piszczek marschiert rauf und runter, da musst du mit", berichtet er auf SPORT1-Nachfrage.

Der Star als erster Diener des Teams: Auch das ist eine neue Entwicklung beim Rekordmeister.

Dante überzeugt als Abwehrchef

Zwei Gegentreffer in den acht Pflichtspielen 2013 stehen für Bayerns Betondefensive, in deren Zentrum der Brasilianer Dante einen kompromisslosen Job macht.

BVB-Stürmer Robert Lewandowski ist sich nach SPORT1-Informationen bereits mit Bayern über einen Transfer einig, lediglich der Wechselzeitpunkt ist noch offen. Die Bayern-Bosse auf der Tribüne hatten so reichlich Gelegenheit, die Finten des Polen zu studieren und zugleich erfreut zu verfolgen, wie ihn Dante an die Kette legte. (Bericht: Lewandowski verpatzt das Vorspielen)

"Wir wussten, dass Lewandowski ein Weltklassestürmer ist", sagte Dante nach der Partie. "Deshalb haben wir uns sehr gut auf ihn vorbereitet. Ich habe es wohl ganz gut gegen ihn gemacht."

Lewandowski stöhnt

Lewandowski reagierte indes leicht genervt auf Dantes Defensivakribie: Sein Gegenspieler, so sein Stoßseufzer, habe immer wieder verhindert, dass der BVB den entscheidenden Pass in die Spitze spielen konnte.

"Gegen Dante war es sehr schwer", stellte er anerkennend fest.

Eine Minute für Jerome Boateng

Gerade einmal eine Minute stand dagegen Jerome Boateng auf dem Feld.

Jupp Heynckes wechselte den Nationalspieler in der hektischen Nachspielzeit vor allem ein, um etwas Zeit auf der Uhr ablaufen zu lassen.

Als einer der ersten verließ Boateng am Mittwochabend die Münchner Arena, Unruhe durch den Edelreservisten droht den Bayern aus Lahms Sicht aber nicht.

"Dass die Spieler unzufrieden sind, ist normal", sagte der Bayern-Kapitän "aber jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Jeder bekommt immer wieder seine Chance, das haben wir in dieser Saison gesehen."

Überhaupt sei der Teamgeist aktuell "perfekt".

Rotation in Hoffenheim?

Womöglich kommt Boatengs nächste Gelegenheit schon am Sonntag in Hoffenheim (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) , wenn Heynckes die Rotationsmaschine in Gang setzt.

Trotz 17 Punkten Vorsprungs in der Liga werde der FCB nicht nachlassen, verkündete Lahm.

Auf Patzer sollte die Konkurrenz also nur dann hoffen, solange es um ein Basketballmatch geht.

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