Christian Streich übernahm den Trainerposten beim SC Freiburg im Dezember 2011 © getty

Der SC ist auf dem besten Weg in den Europacup. Dutt glaubt bei SPORT1 an Freiburg. Echte Vorfreude kommt aber nicht auf.

Von Tobias Wiltschek und Julian Buhl

München/Freiburg - So weit oben in der Tabelle hätte sich der SC Freiburg nach zwei Dritteln der Saison wohl selbst nicht erwartet.

Elf Spieltage vor Schluss stehen die Breisgauer in der Bundesliga mit 35 Punkten auf dem fünften Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch nicht nur aufgrund der Leistungen in der Meisterschaft dürfen die Freiburger von der Europa League träumen, auch über den DFB-Pokal sind sie auf dem besten Weg dahin.

"Ich habe keine Träume. Wenn man träumt, wacht man auf und liegt auf der Nase", entgegnet Trainer Christian Streich mit seinem trockenen Humor dem Wunsch vieler Fans nach einer Top-Platzierung in dieser Saison.

Quali über Pokalfinale?

Nach dem Krimi-Sieg im Viertelfinale bei Mainz 05 (Bericht) trennt die Breisgauer womöglich nur noch ein K.o.-Spiel vom Einzug in den Europacup ( 680962 DIASHOW: Bilder des Spiels ).

Sie bräuchten nur das Halbfinale überstehen und im Endspiel auf den FC Bayern München treffen, den wohl kommenden Deutschen Meister.

Dem Rekordmeister ist eine Teilnahme in der Champions League kaum noch zu nehmen, 25 Punkte beträgt der Vorsprung auf den fünften Platz, der dazu nicht mehr berechtigt.

Gehalten wird der übrigens von den Freiburgern.

Hoffen auf erste Finalteilnahme

Am Sonntag findet die Auslosung der beiden Halbfinal-Partien statt. Dann zeigt sich, welchen Weg die Streich-Truppe nehmen muss, um erstmals in der Vereinsgeschichte beim Pokalfinale im Berliner Olympiastadion anzutreten zu dürfen.

"Ich würde schon gerne nach Berlin wollen, da mache ich keinen Hehl draus", sagt Präsident Fritz Keller in der "Badischen Zeitung".

"Wir haben eine Mannschaft, ein Trainerteam und einen Sportdirektor, die gute Arbeit leisten und die sich derzeit in diesem Job belohnen. Das ist eine wunderbare Momentaufnahme", führt Keller weiter aus.

Angst vor Bösem Erwachen

Rosige Aussichten für den Sport-Club - sollte man meinen. Doch die Freiburger haben Schwierigkeiten mit dem Gedanken an Europa.

Streich kennt schließlich das Freiburger Dilemma: "Wenn wir nach Europa kommen, dann wäre das schön, aber würde auch Probleme bringen."

Die Doppel- und Dreifachbelastung in nationalen und internationalen Wettbewerben war für den SCF in der Vergangenheit, den Spielzeiten 1994/95 und 2000/2001, kaum zu stemmen.

"Ein gebranntes Kind"

Daher blicken die Verantwortlichen einer möglichen Fußballreise durch den Kontinent mit gemischten Gefühlen entgegen blicken.

"Wir sind ein gebranntes Kind. Freiburg hat zweimal im UEFA-Pokal gespielt und ist in diesen Spielzeiten oder ein Jahr später abgestiegen", sagte SC-Sportdirektor Dirk Dufner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Für einen kleinen Verein sind die zusätzlichen Belastungen problematisch."

Man werde sich aber gegen den möglichen Erfolg nicht wehren, versicherte Dufner immerhin.

Dutt von Freiburgs Erfolg überzeugt

Dass dieser Erfolg auch in den weiteren Spielen anhält, davon ist DFB-Sportdirektor Robin Dutt überzeugt.

"Es ist kein Zufall, dass sie da stehen, der Verein hat eine gute Entwicklung genommen", sagt der ehemalige Freiburger Trainer bei SPORT1. "Ich glaube es wird schwer, Freiburg von den internationalen Plätzen weg zu kriegen."

Freiburgs Platz zu kurz

Damit die Freiburger in der folgenden Saison dann tatsächlich in der Europa League spielen können, gilt es für den SC allerdings noch eine Angelegenheit zu lösen.

Die Platzlänge in Freiburgs heimischer Arena genügt nicht dem europäischen Standard der geforderten 100 bis 110 Meter. Der SC müsste bei der UEFA wegen fehlender 4,5 Meter um eine Ausnahmegenehmigung bitten.

Diese erteilte der Verband allerdings auch schon anderen Klubs, wie beispielsweise dem FC Liverpool.

Neues Stadion geplant

Aber auch unabhängig von einer Europacup-Teilnahme planen die Freiburger mit einer neuen Spielstätte.

"Wir brauchen nicht nur ein neues Stadion für den Erfolgsfall, wir brauchen eins, damit wir den Profifußball langfristig und nachhaltig in Südbaden erhalten können", sagt Keller.

Anerkennung in der Liga

Über eines kann sich der Präsident bereits freuen: Die Anerkennung, die den Freiburgern in der Liga und von den Fans entgegen gebracht wird.

"Respekt haben wir immer gespürt. Es wurde in Fußball-Deutschland stets anerkannt, was wir hier mit unseren Möglichkeiten geschaffen haben", führt Keller aus.

Dennoch erwartet er einen Angriff der weit höher eingeschätzten Teams wie Schalke, Hamburg oder Hannover.

"Die werden schon schauen, wie sie dem kleinen Scheißerle aus dem Badischen ein Bein stellen können. Für die Großen der Branche ist es ja nicht angenehm, wenn sie von einer Mannschaft wie der unseren vorgeführt werden."

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