Mirko Slomka (r., hier mit Manager Jörg Schmadtke) ist seit Januar 2010 96-Trainer © getty

Bei 96 bricht der Konflikt zwischen Trainer und Manager erneut auf. Kind will endlich eine "andere Kultur des Vertrauens".

Hannover - Mirko Slomka scherzte ausgelassen mit Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler und plauschte entspannt mit den Trainingskiebitzen.

Der Trainer von Hannover 96 stand mit einem breiten Lächeln auf dem Sportplatz neben der Arena, sichtlich bemüht, sich vom angeblichen Zoff mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke nichts anmerken zu lassen.

Doch intern kriselt es beim Europacup-Anwärter gewaltig. Wieder einmal.

Der Grund für den neuerlichen Zwist ist die Personalpolitik der Roten.

Slomka bestreitet Differenzen

Die "Bild" berichtete von Differenzen der beiden Alpha-Tiere zum einen bezüglich der Winter-Transfers, zum anderen "trödele" der Manager bei Verlängerungen aktueller Spielerverträge.

So laufen sowohl die Kontrakte von Kapitän Steven Cherundolo, Konstantin Rausch und Ersatz-Torwart Markus Miller als auch die der Slomka-Assistenten aus.

"Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Jörg Schmadtke ist nach wie vor gut, insofern überrascht es mich, dass öffentlich darüber diskutiert wird", sagte Slomka dazu nun.

Schmadtke einsilbig

Seine Konzentration gelte den bevorstehenden sportlichen Herausforderungen.

Im Kampf um Europa tritt sein Team am Samstag (ab 15 Uhr im LIVETICKER) beim Borussia Dortmund an. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schmadtke gab sich einsilbig wie betont diplomatisch. "Die Zusammenarbeit ist unverändert professionell. Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen", sagte der Manager.

Kind: Verhältnis ist kritisch

96-Präsident Martin Kind ist das unterkühlte Verhältnis seiner Angestellten jedoch nicht verborgen geblieben.

"Das Verhältnis der zwei ist kritisch, das wissen viele", sagte Kind dem "kicker".

Der Klubboss will versuchen, "das Problem zu lösen und ein tragfähiges Fundament zu schaffen". Man müsse eine "andere Kultur des Vertrauens und der Kommunikation hinbekommen", forderte Kind: "Das ist nicht leicht, aber machbar."

Immer wieder Reibereien

Schon in der Vergangenheit hatte es zwischen dem smarten Taktiker (Slomka) und dem knorrigen Kader-Tüftler (Schmadtke) immer wieder Reibereien gegeben.

Trotz der erfolgreichen Zusammenarbeit mit zwei Europacup-Teilnahmen in Folge gilt das persönliche Verhältnis der beiden schon längere Zeit als belastet. ( 680179 DIASHOW: Tops und Flops 23. Spieltag )

Mal forderte der eine, mal meckerte und kritisierte der andere. Einzig der Erfolg überdeckte die offenkundigen Differenzen. Die verbalen Nickeligkeiten wurden gerne als "produktive Reibung" abgetan.

Europa League überdeckt Konflikt

Und in der Tat: Die Transfers, die Schmadtke abwickelte, saßen in den meisten Fällen, und Slomka schaffte es, das ideale System für seinen Kader zu entwickeln.

Das charakteristische, blitzschnelle Umschaltspiel mündete im vergangenen Jahr in einer Tour durch die Europa League, die wohl nur die wenigsten der Mannschaft zugetraut hatten und die erst im Viertelfinale endete.

Nach dem Aus auf der europäischen Bühne in der vergangenen Woche gegen Anschi Machatschkala kann sich der Klub ein erneutes Aufbrechen des Dauerzwistes seiner Macher nicht leisten.

Geht es doch um die erneute Qualifikation für das internationale Geschäft. Denn nur eine funktioriende Zweck-Beziehung Slomka/Schmadtke kann den 96-Erfolg dauerhaft sicherstellen.

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