Tritt am 1. Juli seinen Dienst bei den Bayern an: Der neue Trainer Pep Guardiola © getty

Bald-Coach Guardiola werkelt mit Rummenigge und Sammer an der neuen Saison - und will an Bayerns Klub-Kultur nicht rühren.

Von Christian Paschwitz

München - Pep Guardiola umgibt zusehends etwas Geheimdienstlerisches:

Erst vor wenigen Tagen hatten spanische Medienberichte den künftigen Trainer des FC Bayern als Kontrollfreak erscheinen lassen, der während seiner Zeit beim FC Barcelona sogar eine Detektei beauftragt haben soll, um etwaigen Fehltritten seiner Spieler auf die Schliche zu kommen. (Bericht: Pep und die Detektive)

Nun kommt Guradiola gar noch ein bisschen mehr wie ein Agent in Top-Secret-Mission daher:

Aus New York war der 42-Jährige am Dienstag zu einem Geheimtreffen in die Schweiz gereist, um in einem Zürcher Hotel mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer die Marschroute für die kommende Spielzeit abzustecken.

Wohl gleich drei Co-Trainer

An einer schwarzen Mercedes-Limousine, die Sammer und Rummenigge zurück zum Flieger nach München brachten, trennten sich hinterher die Wege des künftigen Bayern-Dreigestirns - mit offenbar konkreten Vereinbarungen im Handgepäck.

Nach "Bild"-Informationen wird Gurardiola gleich drei Co-Trainer mit an die Säbener Straße bringen, darunter Manel Estiarte:

Der frühere spanische Wasserball-Star war schon Guardiolas Assistent und engster Vertrauter beim FC Barcelona, wie SPORT1 schon direkt nach der Bekanntgabe des Guardiola-Deals berichtet hatte.

Gespräch über neue Spieler?

Der Erfolgscoach, der mit den Katalanen in vier Jahren 14 Titel holte und in München einen Vertrag bis 2016 unterschrieb, soll mit den Bayern-Bossen auch Trainingsauftakt, Trainingslager und Testspiele besprochen haben - und anzunehmenderweise auch über neue Spieler.

Hauptthema dabei wohl: Borussia Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski, dessen Wechsel zu den Bayern nach SPORT1-Informationen beschlossene Sache ist.

Lewandowski: Im Sommer oder 2014

Es darf davon ausgegangen werden, dass Guardiola dem Rekordmeister seine Sichtweise zu dem polnischen Nationalspieler dargelegt hat, der für den Neu-Coach nach Zahlung einer Riesensumme (wohl 30 Millionen Euro) entweder zum sommerlichen Antrittsgeschenk wird oder doch erst 2014 ablösefrei kommt.

So oder so: In einem "tz"-Interview hatte Rummenigge zuvor betont, dass Guardiola es für unnötig erachtet, "dramatisch einzukaufen", weil der FC Bayern Guardiolas Meinung nach bereits jetzt eine fantastische Mannschaft besäße.

"Sicherlich werden wir uns punktuell verstärken, das ist ja klar", so Bayerns Vorstandschef, "wir werden unsere Personalentscheidungen dieses Jahr aber sicher auch erst spät fällen."

Ein Wörtchen mitsprechen wird dann wohl auch Giovanni Branchini: Der Spielerberater arbeitet mit den Münchnern schon lange zusammen, soll nun auch dem Geheimtreffen beigewohnt haben wie überdies Guardiolas Bruder und Berater Pere.

Bereit, Klub-Kultur anzunehmen

Ohnehin soll Guardiola entgegen den jüngsten Beschreibungen eines Autokraten - und anders als seine Vorgänger Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal - bereit sein, Traditionen an der Säbener Straße beizubehalten.

"Ich habe ihm zum Beispiel gesagt, dass bei uns öffentliche Trainingseinheiten zur Kultur gehören", sagte Rummenigge.

Und ergänzte: "So was gab es in Barcelona ja nicht, aber er hat gesagt, das sei überhaupt kein Problem. Er will nichts an der Philosophie des FC Bayern ändern, denn er sagt, die Philosophie eines Vereins sei das A und O."

Guardiola unbekannt demütig

"Die Kultur eines Klubs muss vom Trainer akzeptiert werden. Dazu ist er bereit. Er will und wird den FC Bayern nicht umkrempeln", so der Vorstandschef weiter.

Auch ließ Rummenigge durchblicken, dass Guardiola seiner neuen Aufgabe mit unbekannter Demut begegnet: "Er hat uns immer den Eindruck vermittelt, dass er, wenn wir ihn möchten, gerne kommen würde."

Mehr noch: "Es war gar nicht so irrsinnig schwierig, ihn zu überreden, im Gegenteil: Wir mussten ihm nicht zeigen, dass die Hechte im Bayern-Teich auch ganz schön mächtig sind - das wusste er bereits."

Guardiola habe gesagt: "'Ich wäre glücklich, wenn ihr mir das Vertrauen schenken würdet.' Das war eine wunderbare Bekundung von Pep Guardiola."

"Kein bisschen arrogant"

Sowieso sei der Spanier "bemerkenswert unkompliziert. Er ist kein bisschen arrogant, sondern im Auftreten sehr angenehm und sympathisch."

Wenngleich Guardiola auf Uli Hoeneß zuweilen dann aber doch den Eindruck eines Spions hinterlässt, empfand der Bayern-Präsident ein früheres Treffen mit dem 42-Jährigen wie in einem Agentenroman.

Rummenigge wiegelte dazu indes ab: "Naja, für einen James-Bond-Film würde es nicht reichen."

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