Uli Borowka absolvierte 239 Liga-Spiele für Bremen © imago

Bremens Ex-Profi legt bei SPORT1 mit Kritik nach und fordert Schaafs Abgang. Auch Allofs und Lemke bekommen ihr Fett weg.

Von Christian Paschwitz und Marc Rademacher

München - Jetzt dürfte es wohl richtig krachen bei Werder Bremen:

Offenbar erstmals in der Klub-Geschichte hat mit Uli Borowka ein Ex-Profi den Rauswurf des Trainers gefordert.

"Ich habe das Gefühl, dass Thomas Schaaf die Mannschaft nicht mehr erreicht. Ich denke, es ist Zeit für Veränderungen bei Werder, und das nicht nur beim Trainer", schrieb der 50-Jährige nach der 1:6-Pleite der Bremer am vergangenen Wochenende beim FC Bayern (Bericht) bei "Facebook".

Bei SPORT1 bekräftigte Borowka nun seine Aussagen - und hob gleich zu einer Generalabrechnung mit dem Klub und seinen Verantwortlichen.

"Es passt vorn und hinten nicht"

"Mein Herz hängt immer noch an dem Verein, es macht mich traurig, was da in den letzten Jahren passiert. Und da geht es jetzt nicht um die Klatsche gegen die Bayern: In dem Verein passt es hinten und vorn nicht", sagte der frühere Abwehrspieler.

Und ergänzte: "In Bremen wurden über Jahre Fehler gemacht." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Borowka, pikanterweise als Aktiver gemeinsam mit Schaaf 1988 und 1993 Deutscher Meister und 1992 Europapokalsieger der Pokalsieger, wollte seine Kritik jedoch nicht nur allein auf den Trainer gemünzt wissen.

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Indirekte Kritik an Allofs und Lemke

"Wenn du jedes Jahr 50, 60 Tore kassiert muss man sich schon mal überlegen, was man falsch macht. Nicht nur Thomas Schaaf muss das tun. Da rede ich auch noch von zwei, drei Anderen", so der Ex-Verteidiger (239 Liga-Spiele für Bremen).

Aus SPORT1-Nachfrage, ob damit nun Ex-Geschäftsführer Klaus Allofs und Aufsichtsratschef Willi Lemke gemeint seien, erklärte Borowka vielsagend:

"Man muss doch mal sehen, mit welcher Mannschaft, welchem Material Schaaf arbeiten muss und sich fragen, ob das reicht. Und das tut es in den letzten Jahren nicht. Es kann für Werder Bremen nicht das Ziel sein, zwischen Rang acht und 14 rumzudümpeln."

Werders Chef-Etage verkniff sich eine öffentlche Aussage auf die Anwürfe: "Kein Kommentar. Es gibt gar keinen Anlass, über den Trainer zu sprechen", zitiert die "Bild"-Zeitung Manager und Allofs-Nacholger Thomas Eichin.

Auch taktische Vorwürfe

Im gleichen Medium hatte Borowka die Spielweise der Bremer gescholten, die durch die Pleite bei den Bayern auf den zwölften Platz abgerutscht sind.

"Fast jeder Bundesligist spielt mit zwei Sechsern, um kompakt zu stehen, Werder nicht. Da setze ich doch als erstes den Hebel an. Der Trainer wird sich etwas denken, aber es funktioniert nicht", meinte der 50-Jährige.

Und weiter: "Es wurde verpasst, gute Sechser zu verpflichten. Jemand, der das Heft in die Hand nimmt, so wie früher Eilts und Votava."

Der Verein müsse den Anspruch haben, international zu spielen. Stattdessen hake es an allen Ecken und Kanten. "Ich sehe Spieler, die sich abschlachten lassen. Werder kann froh sein, dass Petersen die Bude trifft. Ansonsten wird es zappenduster", sagte Borowka.

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