Tritt am 1. Juli seinen Dienst bei den Bayern an: Der neue Trainer Pep Guardiola © getty

Die Erfolgsserie der Bayern setzt Guardiola unter Druck. Was soll der als Kontrollfreak bekannte Coach noch besser machen?

Von Tom Vaagt

München - Pep Guardiola schaut gern ganz genau hin.

Bei taktschen Analysen sowieso. Aber wohl auch beim Privatleben seiner Spieler.

Was derzeit aus Spanien zu hören ist, lässt den künftigen Trainer von Bayern München jedenfalls wie einen gnadenlosen Kontrollfreak erscheinen.

In seiner Zeit beim FC Barcelona soll der 42-Jährige sogar eine Detektei beauftragt haben, um etwaigen Fehltritten seiner Spieler auf die Schliche zu kommen.

"Manndeckung" für Ribery und Co.

"Pep war besessen davon, dass die Spieler ein organisiertes Privatleben führen", zitierte die spanische Online-Zeitung "El Confidencial" jemanden, der damals ganz nah dran gewesen sein soll.

Auch Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Co. könnte ab dem Sommer also eine besondere Art der Manndeckung bevorstehen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Der vielleicht wichtigsten Frage steht allerdings auch ein Pedant wie Guardiola machtlos gegenüber: Wie soll der Startrainer den FC Bayern in der kommenden Saison noch besser machen? Gibt es für positive Begrifflichkeiten eine Steigerung - auf die Münchner treffen sie schon jetzt zu.

Es winken Titel über Titel

Schneller, schöner, erfolgreicher - das kann auch ein Guardiola nicht toppen. Sollte der FCB im Pokalkracher am Mittwoch (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) gegen Borussia Dortmund ins Halbfinale einziehen, werden sie auch auf dem Weg zu diesem Titel wohl nicht mehr aufzuhalten sein.

Ähnlich sieht die Bilanz in der Meisterschaft aus: 17 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten BVB. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) Und in der Champions League stehen die Münchner nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel beim FC Arsenal auch schon so gut wie sicher in der Runde der besten Acht.

Warum wechselt man dann den Trainer? Lässt Jupp Heynckes zu einem anderen Klub oder aufs Altenteil ziehen? Setzt die Stabilität des gesamten Kontrukts aufs Spiel?

All das können wohl nur die Bayern-Verantwortlichen selbst beantworten.

Modern, dynamisch, sexy

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß wirken zuweilen wie berauscht vom eigenen Coup mit Startrainer Guardiola. Der smarte Weltmann ist so, wie sich die Münchener selbst gern sehen: Modern, dynamisch und sexy.

Erstrebenswerte Attribute - und doch bleibt bei der Verpflichtung des Coaches so etwas wie ein Makel: Die Bayern sind schon das, was sie unter Guardiola werden wollen. Die aktuellen Münchener Erfolge scheinen außer Kontrolle geraten zu sein.

Eine absurde Situation, die das Engagement Guardiolas für den FCB und auch für den Coach selbst zu einem Risiko macht.

FC Hollywood 2.0?

Manch ein Beobachter mag sich die Konsequenzen im Falle eines Fehlstarts des Spaniers gar nicht ausmalen.

Schon ein Unentschieden am ersten Spieltag könnte zu einem Beben führen. Fragen, Vowürfe, Unruhe wären wohl die unvermeidbare Konsequenz. Oder: Eine Art von FC Hollywood 2.0.

Wenn der Spanier im kommenden Sommer erstmals einen Fuß auf den Trainingsplatz an der Säbener Straße setzt, werden unzählige Augenpaare seine Arbeit nicht nur verfolgen.

Sie werden sie bewerten. Sie werden sie vielleicht sogar kontollieren. Jeden Tag.

Eine ungewohnte Rollenverteilung - zumindest für Guardiola.

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