Übernahm den Trainerjob in Fürth im Dezember 2009: Mike Büskens © getty

Mike Büskens spricht bei SPORT1 über sein Aus in Fürth, den Trainerjob bei S04 und die Hoffnung der SpVgg auf den Klassenerhalt..

Von Reinhard Franke

München - Die Enttäuschung sitzt bei Mike Büskens immer noch tief.

Nach nur zwei Siegen aus 22 Spielen wurde der 44-Jährige am vergangenen Mittwoch als Trainer der SpVgg Greuther Fürth entlassen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beim Gespräch mit SPORT1 befand sich der einstige Fürther Aufstiegsheld schon wieder bei seiner Familie im Ruhrgebiet.

Auf das "Servus" zur Begrüßung antwortete er nur: "Das war mal". Der gebürtige Düsseldorfer spricht im Interview erstmals ausfürlich über sein überraschendes Aus bei den Kleeblättern, über Schalke 04 und über die Chancen seines Ex-Klubs auf den Klassenerhalt. ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag ).

SPORT1: Herr Büskens, die Fürther haben am Sonntag gegen Bayer Leverkusen ein achtbares 0:0 erreicht. Wie beurteilen Sie das Resultat?

Mike Büskens: Die Jungs waren sehr engagiert, haben dagegengehalten und konnten kurz vor der Halbzeit ein Gegentor vermeiden. Sie haben sich den Punkt redlich verdient.

SPORT1: Ein paar Tage sind nun nach Ihrem Rauswurf in Fürth vergangen. Haben Sie schon alles verarbeiten können?

Büskens: Ich bin gerade dabei alles zu analysieren. Das war für mich schon überraschend, aber ich musste das so akzeptieren.

SPORT1: Sehen Sie das wirklich so nüchtern?

Büskens: Es ist so, wie es ist und ich habe das zu akzeptieren und zu respektieren. Natürlich hätte ich mir zugetraut, dass ich dem Ganzen noch die gewünschte Wendung gebe. Wir waren oft nah dran, waren vielen Mannschaften nicht unterlegen, haben aber unsere Möglichkeiten nicht genutzt. Es war leider einfach so, dass es uns an Effektivität gemangelt hat. Aber im Fußball greifen dann irgendwelche Mechanismen und das war nun auch in Fürth der Fall.

SPORT1: Aber nochmal: Wie enttäuscht sind Sie?

Büskens: Es ist schon schade, weil ich in den Jahren in Fürth viel erlebt habe und wahnsinnige Momente hatte, die ich nie vergessen werde. Wenn ich nur an das erste Spiel gegen Lautern denke, wo der Verein auf Platz 15 stand und wir uns dann befreien konnten. Danach der vierte Platz mit dem knapp verpassten Aufstieg, was damals schon die beste Saison der Vereinshistorie war. Schließlich das i-Tüpfelchen, dass du als Zweitligameister aufsteigst und im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund stehst. Die Feierlichkeiten nach dem Aufstieg und die Menschen, die ich kennenlernen durfte - dafür bin ich dankbar und das trage ich im Herzen. Ich hätte mir gewünscht, dass es anders gekommen wäre.

SPORT1: Fürths Präsident Helmut Hack sprach von einem neuen Impuls. Glauben Sie, dass ein neuer Trainer diesen bringen kann?

Büskens: Wir wussten um die schwierigen Umstände für Fürth in der Bundesliga. Dennoch ist es ein Gut, worum es sich lohnt, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Ich hoffe auch, dass die Jungs es nicht mehr zulassen, dass man in ihrem Zusammenhang von Tasmania Berlin spricht oder dass man sich verspotten lassen muss, sondern, dass sie sich weiter wehren und dass sie zeigen, dass mehr in dem Kleeblatt steckt als diese 13 Punkte.

SPORT1: Woher nehmen Sie die Hoffnung?

Büskens: Die Truppe hat sehr gute Charaktere im Team, die sich auch nach der langen Negativserie nie haben hängen lassen in der täglichen Arbeit und die immer Gas gegeben haben. Großes Kompliment an die Jungs. Ich traue der Mannschaft zu, dass sie Augsburg und Hoffenheim noch überholt.

SPORT1: Wie geht es mit Ihnen weiter?

Büskens: Jetzt ist es für mich wichtig, das alles zu verarbeiten, weil die vergangenen Monate logischerweise viel Kraft gekostet haben - wenn man montags immer wieder Ansätze finden muss, um vorne weg zu gehen und positiv zu bleiben. Aber es war doch eine wunderschöne Zeit.

SPORT1: Kurzfristig wollen Sie also nicht wieder einsteigen?

Büskens: Meine Absicht ist es nicht, morgen schon wieder bei einem Klub Trainer zu sein. Am letzten Dienstag habe ich noch gedacht, dass ich mindestens bis zum Sommer Trainer der Spielvereinigung sein werde und jetzt bin ich beurlaubt. Man weiß, dass dieses Geschäft sehr schnelllebig ist.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis zu Präsident Helmut Hack?

Büskens: Herr Hack ist seit mehr als 15 Jahren das Gesicht des Vereins. Der Präsident hat am Mittwoch eine Entscheidung ausgesprochen und ich habe sie zu akzeptieren. Jetzt geht es für den Präsidenten darum, eine gute und langfristige Lösung zu finden. Dabei wünsche ich ihm viel Glück.

SPORT1: Sie werden bei Schalke 04 immer wieder als Kandidat für den Trainerjob genannt. Würden Sie sich das zuzutrauen?

Büskens: Ich denke darüber gar nicht nach, weil sich das einfach verbietet. Da ist Jens Keller Trainer und die Blauen haben in den letzten Spielen ordentlich gespielt. Ich möchte mich gar nicht an diesen Spekulationen beteiligen. Man sollte doch einfach Jens Keller seinen Job machen lassen. Schalke braucht nicht noch mehr Unruhe als zuletzt schon da war. Natürlich traue ich mir eine Aufgabe in der Bundesliga zu, sonst hätte ich nie angefangen als Trainer zu arbeiten - unabhängig davon, wo meine nächste Station ist.

SPORT1: Werden Sie jetzt erst mal in den Urlaub fahren oder sind Sie ein Typ, der schnell wieder in ein Stadion geht?

Büskens: Ich habe ja keine goldenen Löffel geklaut (lacht). Ich habe einen sehr guten Job gemacht. Mit meiner Tochter war ich schon wieder im Stadion bei einem Spiel, weil ich den Fußball liebe. Ich kann mich draußen sehen lassen und muss mich nicht im Keller einsperren.

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