Ilkay Gündogan (l.), Sebastian Kehl (M.) und Marcel Schmelzer trotten zur Fankurve © getty

Der BVB strauchelt in Gladbach, gibt sich aber viel Mühe, keine Rückschlüsse Richtung Pokalspiel gegen die Bayern zuzulassen.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Mönchengladbach - Natürlich wussten sie, dass die Fragen kommen würden.

"Am Mittwoch wird es ein völlig anderes Spiel", sagten Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc nach dem mageren 1:1 bei Borussia Mönchengladbach (Bericht) unisono.

Denn eines ist klar: Ab dem Moment, als Schiedsrichter Günter Perl das Spiel im BorussiaPark abpfiff, begann für den BVB schon der Countdown zum großen Spiel beim FC Bayern München am kommenden Mittwoch. ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag )

"Die Gladbacher tun uns jedes Jahr aufs Neue weh mit ihrer Spielweise", sagte Klopp halb anerkennend, halb genervt.

Dortmund defensiv verwundbar

Und so werden die Bayern sehr genau und interessiert zugeschaut haben, wie der BVB im zweiten Abschnitt gegen mutigere Gladbacher zu schwimmen begann.

Denn so spielbestimmend der Meister auch weiterhin auftreten kann, so wacklig präsentiert sich bisweilen die einst so bockstarke Abwehr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Mittwoch geht's nun mit dieser Abwehr im Pokal-Viertelfinale gegen den Rekordmeister. Die Münchner definierten ja den Begriff "torhungrig" in den vergangenen Wochen neu - 23 Tore seit Rückrundenbeginn - und schickten erst am Samstag beim 6:1 gegen Werder Bremen (Bericht) einen letzten eindrucksvollen Gruß Richtung Dortmund.

Personelle "Besonderheiten" beim BVB

"Wir haben über 60 Minuten ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht, und dies trotz unserer personellen Besonderheiten", sagte Klopp.

Zu diesen "Besonderheiten" zählten der Ausfall von Jakub Blaszczykowski, die Verletzung von Mats Hummels in der ersten Hälfte und der weiterhin gesperrte Torjäger Robert Lewandowski. Hummels gab bereits Entwarnung ("Es wird kein Problem für Mittwoch"), auch Lewandowski darf am Mittwoch auflaufen.

Spanische Variante

In Gladbach hatte es Jürgen Klopp daher mit der "spanischen Variante" ohne echten Mittelstürmer probiert. Beim 3:0 gegen Eintracht Frankfurt vergangene Woche funktionierte dies hervorragend, in Gladbach glänzte die Offensivabteilung nur phasenweise.

Mario Götze und Marco Reus an alter Wirkungsstätte sollten abwechselnd für Wirbel sorgten. Das gelang ihnen in der 31. Minute eindruckvsoll, als Gladbachs Keeper Marc-Andre ter Stegen den frei vor ihm auftauchenden Götze nur noch per Foul stoppen konnte und dieser den Elfmeter sicher verwandelte.

Als die Gastgeber jedoch im zweiten Abschnitt umstellten und ihrerseits früher ins Pressing gingen, bekam der Meister Probleme. Die gleichen defensiven Probleme, die schon bei der deutlichen Niederlage gegen den HSV (1:4) oder in der Champions League gegen Schachtjor Donezk (2:2) zu Tage traten.

BVB konsequent genug

"Wir haben Gladbach ins Spiel kommen lassen und haben die zweiten Bälle nicht mehr gewonnen", sagte Ilkay Gündogan zu SPORT1.

Es war vor allem die lasche Einstellung in Halbzeit zwei, die das Aufbäumen der Gladbach erst ermöglichte. Reus war im zweiten Abschnitt komplett abgemeldet, Götze rieb sich gegen aggressive Gladbacher auf und Kevin Großkreutz konnte Blaszczykowskis Lauffreude und Spielstärke nur ansatzweise ersetzen.

Am Ende hätte Sebastian Kehl all diese Dinge vergessen lassen können, wenn er in der zweiten Minute der Nachspielzeit das leere Tor getroffen hätte. "Das ist ganz bitter. Ich hätte das Spiel in der 92. Minute entscheiden müssen", klagte Dortmunds Kapitän.

Auch Gladbach ohne wichtige Spieler

Doch es waren nicht nur die Dortmunder, die wichtige Profis zu ersetzen hatten. Der Gladbacher Borussia fehlten in Juan Arango und Patrick Herrmann zwei Schlüsselspieler in der Offensive.

Und so schlüfte Youngster Amin Younes in die Rolle des Wirbelwinds. Das 19 Jahre alte Eigengewächs war der auffälligste Spieler und belohnte seinen Auftritt mit dem Tor zum verdienten 1:1. "Ich war vor dem Spiel nervös, aber in der Bundesliga hat man nicht viel Zeit, sich damit zu beschäftigen", erklärte Younes.

Die Bayern warten

Beschäftigen wird sich auch der BVB nicht mehr mit diesem Remis. Denn der FC Bayern wartet. "Das wird mal ein richtig schöner Fight. Wir sind heiß", sagte Reus.

Die Bayern freuen sich nach ihrer Gala gegen Bremen ebenso auf das Duell, auch wenn Arjen Robben weiß: "Das wird gegen Dortmund wieder ein ganz anderes Spiel."

Natürlich.

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