"Große Zweifel am Charakter": Nach der Pleite in Augsburg geht Hoffenheims Manager Müller die eigene Mannschaft frontal an.

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Von Martin Hoffmann

München - Andreas Müller sprach von einer "Katastrophe", von einer "völligen Enttäuschung".

Und das war nicht einmal das härteste, was er seinen Spielern am Tag nach der Pleite im Keller-Duell beim FC Augsburg (Bericht) auftischte ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag ).

Der Manager von 1899 Hoffenheim lieferte im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 eine Generalabrechnung, die ans Eingemachte ging.

"Es ist sicher so, dass wir talentierte Spieler haben, dass wir Qualität haben", hielt er nach dem Absturz auf den direkten Abstiegsplatz 17 zwar fest und bekundete im gleichen Atemzug: "Woran ich aber große Zweifel habe, ist der Charakter der Mannschaft." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Sicher so, dass wir Qualität haben"

Es kranke an Dingen, "die man nicht von heute auf morgen rauszukriegen kann", meinte Müller: Man habe "nicht die Leader, die mitreißen können, das fehlt uns ganz klar."

Klare Worte, die Müller wohl aber auch deshalb erlaubte, weil er selbst nicht haftbar ist für die Zusammenstellung des Teams, das er erst im September vergangenen Jahres geerbt hat.

"Ich denke, dass Markus Babbel schon was im Sinn hatte, mit den Spielern, den er geholt hat", bemerkte Müller vielsagend über die Arbeit seines Vorgängers, der kurz darauf auch seinen Posten als Coach räumen musste.

Marco Kurz, Babbels Nachfolger als Trainer ist für Müller weiter der Hoffnungsträger, dem er noch eine Wende zutraut.

"Nichts, was nicht zielgerichtet ist"

"Wir müssen die Spirale stoppen und ich vertraue da unserem Trainerteam", so Müller:

"Wenn man die Mannschaft sieht, wie sie die Woche über trainiert, dann kann ich nichts finden, was nicht zielgerichtet ist."

Eben deswegen sei ein Spiel wie in Augsburg so enttäuschend: "Eigentlich war die Mannschaft vorbereitet, aber sie konnte das Erarbeitete nicht umsetzen."

Bestätigung der Kritiker

Der blutleere Auftritt seines Teams ärgerte Müller womöglich noch mehr, weil er wie eine ungewollte Bestätigung von alldem wirkte, wofür sich sein Klub in dieser Woche mal wieder verteidigen musste.

Legionärsmentalität statt Leidenschaft, Retorte statt Tradition, diese Sachen.

Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund hat die Debatte soeben wieder angefacht mit seiner Aussage, dass die Bundesliga Hoffenheim "nicht zwingend" brauche.

Watzke-Äußerungen "respektlos"

"Respektlos" fand das Müller, der im Doppelpass die Rolle der von reichen Gönnern und Unternehmern geförderten Klubs gemeinsam mit Leverkusens Sportchef Rudi Völler beherzt verteidigte.

Für die eigene Mannschaft hatte Müller nur eben keine Worte der Verteidigung parat, nur vage Hoffnungen, dass es schon irgendwie noch werden könne.

"Wir müssen unserer Mannschaft Vertrauen geben, dann wird sich das auszahlen", meinte Müller.

Fraglich nur, ob die Mannschaft das, was Müller so über sie sagt, als Vertrauensbeweis empfindet.

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