Benedikt Höwedes (l.) und Sead Kolasinac feiern mit den Fans nach dem Sieg gegen Fortuna © getty

Bei Königsblau fallen nach dem mühsamen Sieg gegen Fortuna Düsseldorf mehrere Steine vom Herzen. Düsseldorf hadert hingegen.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Gelsenkirchen - So richtig sicher was sich Schalkes Trainer nicht, wie er den 2:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf (Bericht) einzuordnen hatte. ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag )

Einen "dreckigen Zittersieg" wollte er gesehen haben, der trotzdem "hochverdient" gewesen sei, sagte Keller bei LIGA total!.

Und, natürlich, "sehr wichtig in unserer Situation". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nun hat sich diese Situation in den vergangenen acht Tagen merklich gebessert, gemessen an der Weltuntergangsstimmung, die bei Schalke noch vor nicht allzu langer Zeit herrschte.

"Nur froh, dass er reingegangen ist"

Nach dem 2:2 beim 1. FSV Mainz vor Wochenfrist folgte das tatsächlich starke 1:1 in der Champions League bei Galatasaray und nun also der Arbeitssieg gegen den Aufsteiger.

Und es war irgendwie bezeichnend, dass es in Joel Matip ein Innenverteidiger war, der mit einem Doppelpack den Sieg sicherstellte:

"Die Tore sind etwas kurios zustande gekommen. Ich bin einfach nur froh, dass der Ball reingegangen ist", sagte Matip, der bereits beim 2:2 im Hinspiel getroffen hatte.

Schalke scheint sich nur Schritt für Schritt zu alter Form zurückzuarbeiten.

Denn das, was die namhaften Akteure gegen relativ biedere Gäste aus Düsseldorf zustande brachten, war noch ein gutes Stück von den glanzvollen Auftritten der Vorrunde entfernt.

Zwischzeitlich 70 Prozent Ballbesitz

"Jeder Spieler hat noch Steigerungspotenzial. Wir sind auf dem Weg der Besserung, aber es ist noch nicht alles perfekt", konstatierte Manager Horst Heldt.

Die Schalker hatten die Partie sehr engagiert begonnen, schnürten die extrem defensiv auftretenden Gäste weit hinten ein und erspielten sich Mitte der ersten Halbzeit über 70 Prozent Ballbesitz.

Die logische Folge war das 1:0 durch Matip nach einem Standard.

Wie dünn es um das königsblaue Selbstbewusstsein bestellt ist, bewies allerdings die zweite Hälfte.

Düsseldorf agierte nun offensiver, suchte früher das Pressing und schon wackelte die Schalker Abwehr.

Kollektiver Tiefschlaf beim Ausgleich

Und beim Ausgleich von Axel Bellinghausen verfiel die Abwehr um den sonst starken Benedikt Höwedes in einen kollektiven Tiefschlaf, und auch in der Folge stand das Spiel lange der Kippe.

"Bei Schalke spielte die Angst förmlich mit", analysierte LIGA total!-Experte Olaf Thon: "Einige Spieler hatten die Nerven nicht im Griff und konnten der Mannschaft nicht helfen."

Spielerisch fiel Schalke nach dem Ausgleich nicht viel ein, die Angriffe waren leicht ausrechenbar.

Doch im Gegensatz zur peinlichen 1:2-Niederlage gegen Fürth im letzten Heimspiel belohnte sich die Mannschaft dieses Mal, auch wenn erneut eine Standardsituation herhalten musste.

"Wir haben bei zwei Standardsituationen geschlafen - das hat uns das Genick gebrochen", sagte Bellinghausen.

Matip mahnt den Gegentreffer an

Und wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Fortuna bereits in der ersten Hälfte am Spiel teilgenommen hätte, statt sich mit neun Feldspielern am eigenen Strafraum zu vergraben.

Sei's drum, Schalke feiert den zweiten knappen Sieg der Rückrunde und hält so zumindest den Anschluss an die internationalen Plätze.

Und doch scheint es zu früh, den Schalker Turnaround festzustellen.

"Es war nicht schön, aber in unserer Situation zählen nur die drei Punkte", sagte Matip bei "Sky". "Aber wir müssen uns hinterfragen, wieso Düsseldorf noch mal zurückkommen konnte."

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