Rene Adler verursachte mit einem Foul den Elfmeter zum 2:1 für Hannover © getty

Nach dem 1:5 in Hannover droht Hamburgs Trainer seinem Team eine ungemütliche Woche an. 96 greift im Kampf um Europa wieder an.

Hannover - Sogar nach 180 Minuten Fußball binnen 43 Stunden reichte es bei Hannover 96 noch zu einer laufintensiven Ehrenrunde.

Es war wie eine zusätzliche Demütigung für den mit 5:1 (3:1) im 50. Bundesliga-Nordderby besiegten Hamburger SV (Bericht), dessen schwer geschlagene Spieler wie in Zeitlupe in die Kabine schlichen.

Dabei waren sie es, die sich eine Woche lang ungestört auf dieses Prestigeduell vorbereiten konnten.

Fink streicht freien Montag

Eine verkehrte Fußball-Welt in der mit 49.000 Zuschauern ausverkauften Arena am Maschsee, Thorsten Fink verzweifelte fast an seinen Profis - vor allem während, aber auch nach der Partie.

"Man hat nicht gesehen, dass unser Gegner noch am Donnerstag ein schweres Spiel hatte, das kann nicht sein", grollte der Coach und reagierte: Bis auf weiteres ist der freie Montag bei den Hanseaten gestrichen.

"Wie ein Jugend-Team gegen eine Herrenmannschaft"

Statt gegen die ausgelaugten Niedersachsen nach deren Scheitern in der Europa League gegen Anschi Machatschkala den Vorsprung in der Tabelle mit einem Sieg auszubauen, ließen sich die Rothosen förmlich vorführen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ob Fink nun am Spielfeldrand forderte, kritisierte und manchmal sogar bettelte, kaum etwas wollte gelingen: "Es war wie bei einem Jugend-Team, das gegen eine Herrenmannschaft spielt."

96 nutzt seine Chancen eiskalt

Die agierte insbesondere vor dem HSV-Tor eiskalt und hocheffektiv. Zweimal traf Didier Ya Konan (45. und 68. Minute), hinzu kamen Tore von Mame Diouf (7.), Szabolcs Huszti (39., Foulelfmeter) und Mohammed Abdellaoue (85).

Dem hatten die Gäste nur einen verwandelten Strafstoß von Rafael van der Vaart (13.) entgegenzusetzen ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag ).

Gastgeber überzeugen mit vollem Einsatz

"Wir haben das Beste aus der kurzen Pause gemacht und so den Verschleiß erstaunlich gut in Grenzen gehalten", sagte Ex-Nationalspieler Christian Schulz und ergänzte: "Die Kurve zeigt eindeutig nach oben. Das war nach dem Spiel am Donnerstag noch ein weiterer Schritt nach vorn."

Schulz' Leistung als Innenverteidiger war beispielhaft für seine Teamkollegen, jeder bei den Roten hatte den Biss und den Einsatzwillen, den man eigentlich viel mehr vom HSV hätte erwarten können.

Europa League wieder im Visier

"Die Jagd ist wieder eröffnet", meinte Mirko Slomka lakonisch und traf damit den Nagel auf den Kopf. Nach zwei Jahren Europa League hat man sich an der Leine schnell und gerne an internationale Partien gewöhnt und möchte sie nicht mehr missen.

"Dieser Sieg war bitter nötig. Wir wollen zum dritten Mal in Folge in dir Europa League. Das wäre bei einer Niederlage sehr, sehr schwer geworden", meinte Abdellaoue.

Die nun volle Konzentration auf die Liga "kann uns da nur helfen", glaubt Slomka, der darauf setzt, dass der normale Ligarhythmus bei seinen Schützlingen zusätzliche Kräfte freisetzt.

HSV-Trainer "muss Druck machen"

Diese eigentlich komfortable Situation ist in der Hansestadt schon seit Saisonbeginn gegeben, dennoch bringt der HSV keine Konstanz in seine Ergebnisse.

"Wir dürfen uns nicht anlügen. So wird es nichts mit dem Europacup", sagte ein desillusionierter Kapitän Heiko Westermann, der sichtlich litt: "Hannover hat sehr einfach gespielt, und das hat schon gereicht. Da sind fünf Gegentore sehr hart."

Hart werden auch die Trainingstage vor dem nächsten Heimspiel am Samstag gegen Neuling Greuther Fürth werden, denn Fink wird nicht nur am bislang freien Montag die Zügel spürbar anziehen:

"Ich muss Druck machen und will dann auch eine Reaktion der Mannschaft sehen. Vor dem Hannover-Spiel kam im Training einfach zu wenig, und wozu das führen kann, wissen wir ja nun."

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