Doppeltorschütze Matip, Bastos und Jones (v.l.) bejubeln einen Schalker Treffer © getty

Trainer Keller ist nach dem 2:1 gegen Fortuna erleichtert. Jones fordert mehr Biss. Doppeltorschütze Matip zeigt es den Kritikern.

Vom FC Schalke berichtet Thorsten Langenbahn

Gelsenkirchen - Selbst Jens Keller huschte immer wieder ein vorsichtiges Lächeln über die Lippen.

Erleichtert wirkte Schalkes viel kritisierter Trainer nach dem 2:1 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf (Bericht). Euphorisiert war er nicht. "Es war ein kleiner Schritt. Ob es die Wende war, weiß ich nicht", sagte der 42-Jährige.

Zumindest ging es für S04 aber mal wieder in die richtige Richtung: Nach vorn. Dank einer zumindest in der ersten Hälfte starken Leistung, dank des zweimaligen Torschützen Joel Matip (29. und 81.).

Zweiter Sieg aus elf Spielen

Es war der zweite Schalker Dreier aus den vergangenen elf Ligaspielen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Einen "dreckiger Zittersieg", nannte Keller das Ganze anschließend bei Liga total! und bezeichnete den Erfolg dann doch als "hochverdient". Emotionen können Verwirrungen stiften.

"Es war nicht schön, aber in unserer Situation zählen nur die drei Punkte. Darauf können wir aufbauen", sagte Matchwinner Matip nach seinem ersten Bundesliga-Doppelpack: "Aber wir werden das sicher nicht überwerten."

Matip: Sieg über Kritiker

Für den gebürtigen Bochumer, der in den vergangenen Wochen nicht gerade zur Stabilität der S04-Abwehr beigetragen hatte, war das 2:1 auch ein Sieg über seine Kritiker.

"Damit hat er den Leuten, auf gut deutsch gesagt, das Maul gestopft", sagte Schalkes Mittelfeldspieler Jermaine Jones zu SPORT1.

Doch wie fragil das königsblaue Gebilde noch ist, zeigte die zweite Halbzeit, als das Spiel zugunsten der Düsseldorfer zu kippen drohte. Dieses Mal hielt Schalke dem Druck stand. ( 679380 DIASHOW: Der 23. Spieltag )

Höwedes lobt Moral

"Wir haben Moral bewiesen", lobte Kapitän Benedikt Höwedes und gab zeitgleich den Mahner: "Nach dem 1:0 nehmen wir ein paar Prozent raus. Das dürfen wir uns nicht erlauben." Jones ergänzte: "Defensiv stehen wir ganz gut, aber wir müssen auch vorne wieder unsere Chancen nutzen."

Streckenweise waren die Schalker so ungefährlich, wie es Sportdirektor Horst Heldt eigentlich von seinem Innenverteidiger Matip erwartet hatte: "Als ich morgens aufgestanden bin, habe ich sicherlich nicht gedacht, dass Joel zwei Tore machen wird."

Dabei sprang Matip genau zum richtigen Zeitpunkt in die Bresche. Der potenzielle K.o.-Schütze Klaas-Jan Huntelaar ist meilenweit von seiner Bestform entfernt.

Durchatmen, abschalten, auftanken

Seinen letzten Treffer in der Liga erzielte der Niederländer vor fast drei Monaten beim 1:3 in Hamburg.

"Wir haben gegen eine massive Abwehr gespielt, da waren Chancen in der Fülle nicht so da", sagte Heldt und nahm den Millionen-Stürmer in Schutz. Aber die Aufgaben werden nicht leichter: Nächsten Samstag geht es zum VfL Wolfsburg, danach zu Hause gegen Dortmund, ehe das Champions-League-Rückspiel gegen Galatasaray ansteht.

Kellers Spieler freuten sich über die ersten beiden freien Tage seit langem. Durchatmen, abschalten, auftanken.

"Sollen wir jetzt abschenken?"

Bei den Düsseldorfern war an Abschalten erstmal nicht zu denken. "Es ist unwahrscheinlich ärgerlich, dass wir uns wieder durch eine Standardsituation um den Sieg bringen lassen", sagte Mittelfeldspieler Axel Bellinghausen.

Zu harmlos agierte der Aufsteiger ohne den grippekranken Robbie Kruse in der Offensive. Bellinghausens 1:1 (56.) war der einzige von fünf Schussversuchen, der auch aufs Tor kam.

Dennoch gingen die Köpfe bei den Verlierern nach der vierten Niederlage im sechsten Rückrundenspiel nicht allzu weit nach unten.

"Sollen wir jetzt abschenken?", sagte Bellinghausen: "Nein, natürlich wollen wir in der Liga bleiben. Wir haben richtig Bock darauf, auch nächstes Jahr wieder auf Schalke zu spielen."

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