Marco Reus (l.) und Mario Götze erzielten in dieser Saison gemeinsam 18 Tore © getty

Beim Spiel in Gladbach soll Marco Reus den BVB als Mittelstürmer zum Sieg führen. Die Dortmunder Personalnot macht es nötig.

Von Tom Vaagt

Dortmund - Man kennt sich ganz genau: Marco Reus die Borussia aus Mönchengladbach und eben jene Gladbacher ihren verlorenen Sohn Marco Reus.

Drei Jahre lang zauberte sich der Nationalspieler beim fünfmaligen deutschen Meister in die Herzen der Fans. Im vergangenen Sommer war dann Schluss. Für 17,1 Millionen wechselte Reus zum deutschen Meister Borussia Dortmund.

Am Sonntag (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) gibt es das große Wiedersehen. Und trotz aller Vertrautheit wird der Aktionsradius von Reus den Gladbachern wahrscheinlich etwas spanisch vorkommen.

Reus als verkappte Spitze

Ganz so wie die Spanier im vergangenen Sommer Europameister wurden, will auch der BVB im Duell mit den Rheinländern auflaufen: Ohne echte Spitze, mit einem verkappten Mittelstürmer. Prädestiniert für diese Rolle: Reus.

Die Personalnot macht es nötig. Robert Leandowski und Julian Schieber sind gesperrt, Nachwuchsstürmer Balint Bajner noch zu unerfahren. Also wird BVB-Trainer Jürgen Klopp wohl Reus und Mario Götze während der 90 Minuten abwechselnd an die vorderste Front schicken.

Reus wird es egal sein. Bei aller Verbundenheit zum Ex-Klub schlägt sein Herz inzwischen schwarz-gelb. Auch wenn er die Emotionen wohl nicht vollständig ausblenden kann - zumal er in Gladbach noch immer geliebt wird.

Zwei Tore im Hinspiel

Schon beim 5:0 der Dortmunden im Hinspiel gab es keine Pfiffe gegen den 23-Jährigen, obwohl er zwei Tore zum BVB-Triumph beisteuerte.

Die niederrheinische Borussia, für die er von 2009 bis 2012 97 Liga-Spiele bestritt, weiß, was sie Reus zu verdanken hat - und umgekehrt.

"Gladbach wird immer etwas Spezielles für mich sein. In Gladbach bin ich Nationalspieler geworden, habe mein erstes Bundesligaspiel und mein erstes Bundesligator gemacht. Das vergisst man nie", sagte Reus einst.

Held in Gladbach

Gladbach bewahrte er mit dem entscheidenden Ausgleich im Relegationsrückspiel gegen den VfL Bochum (1:0 und 1:1) vor dem Abstieg, er leistete in der vergangenen Saison einen wesentlichen Beitrag (18 Tore) zum Höhenflug des Klubs und führte ihn auf den Qualifikationsplatz für die Champions League.

Aber auch die BVB-Fans haben den gebürtigen Dortmunder längst ins Herz geschlossen - nicht nur wegen seines Dreierpacks am vergangenen Samstag gegen Eintracht Frankfurt (3:0), der ihn in den vergangenen Tagen zu einem noch gefragteren Gesprächspartner machte.

Wohl deshalb bat Reus die Presseabteilung des Double-Gewinners, ihn von Interview-Verpflichtungen vor dem Gladbach-Spiel zu befreien.

Starkes Zusammenspiel mit Götze

Der Gang vor die Mikrofone und Fernsehkameras ist Reus ein Gräuel. Ein Mann großer Worte ist er nicht.

Dafür lässt der zweitteuerste Einkauf der BVB-Vereinsgeschichte nach Marcio Amoroso Taten sprechen. Insgesamt 15 Tore, elf in der Bundesliga, stehen für den Fußballer des Jahres 2012 bis dato in der Statistik (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Allein elfmal erzielte er das wichtige 1:0 für den BVB, oft in Zusammenarbeit mit seinem Kumpel Götze. Das gemeinsame Jubelritual, wenn das Duo im Sprung mit den Schultern zusammenprallt, ist zum Markenzeichen geworden.

Klopp schwärmt

Die Vollgas-Philosophie von Trainer Jürgen Klopp hat Reus fast ohne Probleme aufgesaugt und umgesetzt. "Er hat alle Qualitäten eines Topstürmer. Deshalb haben wir ihn für dieses Geld verpflichtet", sagte BVB-Coach Klopp über seinen Star mit dem kuriosen Werdegang.

Reus erlernte das Fußballspielen beim Post und Telekom SV Dortmund, er spielte bis zur U17 beim BVB, ehe er zu Rot Weiss Ahlen in die 2. Liga und anschließend nach Mönchengladbach wechselte.

"Ein echter Dortmunder Junge"

"Marco Reus ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann in einem Spiel - und dazu ein echter Dortmunder Junge", sagt BVB-Boss Hans-Jochim Watzke und erhofft sich von dem Dortmunder Publikumsliebling in Abwesenheit der gesperrten etatmäßigen Sturmspitzen die nötigen Impulse für einen Auswärtssieg.

Gladbach ist gewarnt. Man kennt sich schließlich.

Die vorausssichtlichen Aufstellungen der Sonntagsspiele:

Borussia Mönchengladbach - Borussia DortmundMönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Cigerci, Arango - Hanke - de Jong. - Trainer: FavreDortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Blaszczykowski, Gündogan, Reus - GötzeTrainer: KloppSchiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

SpVgg Greuther Fürth - Bayer LeverkusenFürth: Hesl - Zimmermann, Kleine (Sobiech), Mavraj, Baba - Pekovic, Fürstner - Klaus, Zillner (Prib) - Djurdjic, Azemi (Asamoah). - Trainer: PreisLeverkusen: Leno - Carvajal, Wollscheid, Toprak, Kadlec - Reinartz, Castro, Rolfes (Bender) - Sam, Kießling, SchürrleTrainer: Lewandowski/HyypiäSchiedsrichter: Jochen Drees (Münster-Sarmsheim)

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