Thomas Eichin kann sich bei Werder Bremen den Einstieg von Investoren vorstellen
Thomas Eichin (l. mit Will Lemke) managte von 2001 bis 2012 die Kölner Haie © imago

Früher war Bremen beim FCB gefürchtet, nun kommt Werder als Außenseiter. Manager Eichin hofft auf Gespräche wegen Petersen.

Von Rainer Nachtwey und Hardy Heuer

München - Es gab eine Zeit, da war Werder Bremen der absolute Angstgegner des FC Bayern.

Zwischen den Jahren 2000 und 2007 fuhr der Rekordmeister nur drei Siege in 14 Vergleichen ein, musste 2004 die Demütigung hinnehmen, als Werder sich im Münchner Olympiastadion zum Meister krönte.

Und zuletzt stellten die Grün-Weißen das 2008 unter Beweis, als sie den Münchnern den Wiesn-Anstich so richtig vermiesten.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

0:5 hieß es an jenem 20. September nach 67 Minuten, die von Jürgen Klinsmann trainierten Bayern waren gedemütigt. Am Ende stand ein 5:2 für Werder zu Buche.

Seit jener Gala warten die Bremer jedoch seit zehn Spielen auf einen Sieg gegen den vorherigen Lieblingsgegner Bayern. Drei Unentschieden stehen sieben Niederlagen gegenüber.

In er aktuellen Verfassung des Rekordmeisters ist Bremen in München (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) krasser Außenseiter.

Das sieht auch Thomas Eichin so.

"Bayern spielt auf einem anderen Level", sagte der neue Werder-Manager am Freitagabend auf SPORT1 bei Bundesliga Aktuell : "Ich habe sie selten so gut gesehen, sie haben kaum Schwächen. Wir werden 120 Prozent geben und schauen, was dabei herauskommt."

Nur noch drei Spieler von 2008 dabei

Viel hat sich seit jenem September 2008 geändert. Vor dem 94. Nord-Süd-Gipfel stehen von den damals eingesetzten Spielern nur noch Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Aaron Hunt in den Kadern. Claudio Pizarro hat die Seiten gewechselt.

Aber nicht nur personell hat sich viel getan.

Während die Bayern konstant an der Spitze vorneweg marschieren, ist Werder der Inbegriff der Berg-und-Tal-Fahrt geworden.

Nach der ersten Siegesserie der Saison mit Erfolgen am Stück gegen Hannover (2:0) und in Stuttgart (4:1) setzte es gegen Freiburg sogleich die nächste Niederlage (2:3).

Eichin hofft, dass sich das bald ändert und die Bremer zu alter Stärke zurückfinden.

"Werder gehört für mich zu den Top Fünf in Deutschland und es ist unser Ziel, da hinzukommen", sagte der neue Werder-Manager.

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Auf der Suche nach Konstanz

Im ersten Spiel unter Manager Eichin, zuvor Geschäftsführer des Eishockey-Klubs Kölner Haie, musste sich Bremen aber Freiburg geschlagen geben.

Mit "Vorne Banane, hinten Banane" titulierte der zweifache Torschütze Nils Petersen den Auftritt.

Coach Thomas Schaaf, der nach dem Erfolg in Stuttgart auf die Euphoriebremse getreten und die mangelnde Konstanz bemängelt hatte, sah sich wieder bestätigt.

Von einem "viel zu wilden Spiel" sprach Schaaf.

Und Bremens Österreicher Zlatko Junuzovic meinte nach dem Rückschlag im Kampf um die Europa-League-Plätze: "Wir schauen nicht nach Europa, sondern darauf, endlich Konstanz reinzukriegen."

Heynckes als Vorbild

Dass dies ausgerechnet gegen den FC Bayern gelingt, scheint derzeit kaum vorstellbar. Zu dominant treten die Münchner national als auch international auf.

"Alles, was man positiv besetzt, kann man gleichstellen mit Bayern München", fand Schaaf lobende Worte für den Rekordmeister, den er beim 3:1 bei Arsenal im Emirates Stadium persönlich unter die Lupe genommen hatte.

Für Eichin, der einst in Gladbach Profi unter Jupp Heynckes war, ist dies zum großen Teil auch ein Verdienst des Bayern-Trainers.

"Jupp Heynckes hat mir gezeigt, was es bedeutet, jeden Tag hart zu arbeiten", sagte Eichin: "Ich habe es genauso versucht zu machen und davon profitiert."

Petersen soll bleiben

Durch harte Arbeit soll auch Werder wieder zu mehr Beständigkeit kommen. Aber nicht nur ins Spiel, auch in den Kader versuchen Schaaf und Eichin eine gewisse Konstanz zu bringen.

So wurde Marko Arnautovic, dessen Vertrag noch bis 2014 läuft, zumindest bis zum Saisonende gehalten, der vom FC Bayern ausgeliehene Stürmer Nils Petersen soll im Sommer fest an die Weser transferiert werden.

"Es gibt vielleicht die Möglichkeit über Nils zu sprechen", sagte Eichin: "Bayern München hat in dieser Sache das Sagen. Nils hat klar geäußert, dass er in Bremen bleiben möchte. Wir gehen das Ganze mit einer gewissen Ruhe an."

Die dauerhafte Verpflichtung des talentierten Mittelstürmers wäre vielleicht ein erster Schritt, um in absehbarer wieder zum Angstgegner der Bayern zu werden.

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